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Dramatisiertes Wetter : Die „Dürre“ und ihre Profiteure

Eine eingetrocknete Pfütze auf dem Gelände einer ehemaligen Waldfläche in Fichtenwalde. Die Waldbrandgefahr in Brandenburg bleibt sehr hoch. Bild: dpa

Die Europawahl wird nicht die letzte gewesen sein, die zur schicksalhaften „Klimawahl“ ausgerufen wird. Wenn aber das Wetter die Politik bestimmt, sind wir dann noch im Zeitalter von Aufklärung, Technik und Rationalität?

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          Wenn noch Bauernregeln bemüht werden, spricht daraus die Hoffnung, dass das Wetter sich wenigstens an die Erfahrung der Menschheit halte. „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass“, zitiert der Bauernverband aus seinem Fundus, um die Folge einer drohenden „Dürre“ auszumalen: Missernte. Vorerst ist es zwar nur Trockenheit, über die andere Weltgegenden, selbst in Europa, nur lachen können. Aber dicker auftragen ist fast schon besser vorgesorgt. Bauern, Förstern und Feuerwehren steckt schließlich die Hitze des vergangenen Sommers noch in den Knochen. Dass der Wald dramatisch gelitten hat, sickerte erst in den vergangenen Monaten ins öffentliche Bewusstsein. Jetzt herrscht schon deshalb vorsorglich Alarmstimmung.

          Das Wetter würde aber sicherlich nicht derart dramatisiert, wenn es nicht auch um das Klima ginge. Jeder Ausschlag ins Unnormale (aber wann und für wen ist das Wetter schon normal?) trägt die Zeichen einer globalen Revolution. Zwar war es schon immer so: mal zu heiß, mal zu kalt, mal zu feucht, mal zu trocken.

          Europawahl als schicksalshafte „Klimawahl“?

          Doch heute heißt es dazu: Das Wetter schlägt zurück, weil das Klima durch Menschenhand verändert wurde – wir sind also dafür verantwortlich, es ist unsere Schuld! Wie schnell und wie weit diese Logik um sich greift, hat selbst die schuldbewussten Grünen überrascht. Sie genießen schon so etwas wie eine metereologische Popularität. Ohne Dürre herrschte bei Baerbock und Habeck jedenfalls nur halb soviel Hitze. Die Europawahl wird nicht die letzte gewesen sein, die deshalb zur schicksalhaften „Klimawahl“ ausgerufen wird.

          Wenn aber das Wetter die Politik bestimmt, sind wir dann noch im Zeitalter von Aufklärung, Technik und Rationalität? Oder steht es gerade deshalb mit Vernunft und Verstand nicht gerade zum Besten? Im Mittelalter war das Wetter, wenn es wieder einmal nicht normal war, die Rechtfertigung für, aus heutiger Sicht, alle möglichen Irrsinnigkeiten. Wir wähnen uns dagegen auf dem Weg ins Gegenteil, in die wissenschaftlich bewiesene Politik. Die gab es schon oft und war vor Hybris gerade deshalb nicht gefeit, weil sie sich selbst so sah. Im Fall von Wind, Wolken und Wetter wäre jedenfalls die Bauernregel angebracht, dass wir nur eines ganz sicher wissen: nicht alles zu wissen. Bis der nächste Regen fällt. Wahrscheinlich wieder mal viel zu wenig. Oder viel zu viel.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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