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Weltklimarat : UN-Bericht: Meeresspiegel steigt stärker als erwartet

„Die Debatte ist vorbei“, befinden Demonstranten in Stockholm Bild: AFP

Der Weltklimarat warnt in seinem neuesten Bericht vor einem Anstieg des Meeresspiegels um 26 bis 82 Zentimeter bis zum Jahr 2100. Das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, könnte verfehlt werden.

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          Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem neuen Sachstandsbericht vor einem um gut ein Drittel stärkeren Anstieg des Meeresspiegels als bislang prognostiziert. Im ungünstigsten Fall hebe sich der Meeresspiegel bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 82 Zentimeter. Selbst wenn der Klimaschutz erheblich verstärkt würde, seien es noch mindestens 26 Zentimeter.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Damit bleibt der Rat trotz der seit mehr als zehn Jahren annähernd stagnierenden Erwärmung der Atmosphäre bei seinen drastischen Warnungen: „Wir sind noch weit davon entfernt, die Emission an Treibhausgasen und damit das Klima zu stabilisieren“, sagte der Ko-Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe, der Schweizer Klimaforscher Thomas Stocker, bei der Präsentation des ersten Teils des fünften Weltklimaberichts am Freitag in Stockholm.

          „Ein überwältigender Konsens“

          Für den IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri zeigt der Teilbericht, dass es einen „überwältigenden Konsens“ unter den Wissenschaftlern gibt. Zwei Drittel der Autoren hätten zum ersten Mal im Weltklimarat mitgearbeitet. „Dass sie zu dem gleichen Ergebnis kommen wie in den früheren IPCC-Sachstandsberichten zeigt, wie sicher wir uns sein können, dass der Klimawandel fortschreitet.“ Der Direktor des UN-Umweltprogramms Unep, Joachim Steiner, plädierte vor der Veröffentlichung der neuen Zahlen in einer Videobotschaft aus Nairobi dafür, sich „auf die Fragezeichen hinter den neuen Erkenntnissen zu konzentrieren“.

          An der Ausarbeitung des neuen Weltklimaberichts haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 3000 Wissenschaftler mitgearbeitet. Mehr als 54.000 Kommentare wurden in dem Bearbeitungsprozess berücksichtigt. Das Ergebnis sind mehr als tausend Seiten allein von dieser ersten Arbeitsgruppe, die ausschließlich die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels zu untersuchen hat. Im kommenden halben Jahr werden die beiden Berichte der anderen Arbeitsgruppen veröffentlicht werden, in denen es vor allem um mögliche Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel gehen wird. Mit einem „Synthese“-Bericht Ende 2014 soll der Weltklimabericht abgeschlossen sein und als Fundament für die Aushandlung eines neuen Weltklimavertrags 2015 in Paris zur Verfügung stehen.

          In Stockholm ist in einer 52 Stunden dauernden Marathon-Sitzung eine 36 Seiten lange „Zusammenfassung für die politischen Entscheidungsträger“ ausgehandelt worden. Zeile für Zeile wurden die Schlussfolgerungen mit Delegierten von 110 Regierungen abgestimmt, wurde an Formulierungen gefeilt und wurden Unsicherheiten benannt. Am Ende sind es 18 „Schlüsselbotschaften“, wie Stocker sagte, die den Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention übersendet werden.

          Eine noch unerklärte Temperaturpause

          Als eine der wichtigsten Erkenntnisse, die man aus der Auswertung von mehr als 9200 Fachpublikationen ermittelt hat, gilt die Feststellung, dass die Hauptschuld am Klimawandel mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 Prozent der Mensch trägt. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der unverminderten, beinahe linearen Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen, insbesondere Kohlendioxid, und der Temperaturentwicklung seit Beginn der Industrialisierung. Die Konzentration an Kohlendioxid war in den vergangenen 800.000 Jahren der Erdgeschichte nie höher als heute.

          Um 0,85 Grad ist die globale Mitteltemperatur seit 1880 gestiegen. Der Erwärmungstrend, der durch natürliche Vorgänge wie die Veränderungen der Sonneneinstrahlung sowie regelmäßig wiederkehrende El-Niño-Klimaanomalien oder unregelmäßige Einflüsse wie Vulkanausbrüche immer wieder kurzfristig unterbrochen wird, hat sich allerdings seit dem extrem warmen El-Niño-Jahr 1998 stark verlangsamt. „Wir verfügen noch über zu wenige Beobachtungsdaten, um sicher sagen zu können, was diese Veränderung verursacht hat“, sagte Thomas Stocker. Wie lange diese „Pause“ andauert, könne niemand sagen. Insbesondere die Daten aus den Ozeanen reichten nicht aus, dieses als „Hiatus“ bezeichnete Phänomen mit den Klimamodellen simulieren und damit verstehen zu können.

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