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Weltklimakonferenz : Schlechtes Klima, schlecht fürs Klima

  • -Aktualisiert am

Lange Gesichter: Teilnehmer der Konferenz, rechts Generalsekretärin Figueres Bild: dpa

Die Weltklimakonferenz in Warschau ist geprägt von Spannungen. Es mangelt an den im Gipfelmotto „I care“ beschworenen Kümmerern.

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          Die von der polnischen Regierung ausgerichtete Weltklimakonferenz hat Anlass zu einigen Missverständnissen gegeben. Die falsche Zählweise – in Warschau fand der zweite Gipfel auf polnischem Boden, aber nach Bonn 1999 und Poznan (Posen) 2008 der dritte unter polnischer Leitung statt – ist nur das kleinere. Schwerer ins Gewicht fiel das von Polen gewählte Kongresslogo: „I care“. Denn bekanntermaßen bekümmert der Klimawandel die Mehrheit der polnischen Gesellschaft so wenig, dass Regierungschef Donald Tusk seinen Umweltminister Martin Korolec, der auch Präsident der Weltklimakonferenz ist, just zu dem Zeitpunkt entließ, als mit den Ministergesprächen die entscheidende Phase der Konferenz begann. Dabei war der klimapolitische Ruf der Regierung nicht erst seit der parallel zum Klimagipfel einberufenen Kohlekonferenz ruiniert. Gilt doch der wachsende Verbrauch von Kohle als wichtigste Ursache für den Ausstoß von Kohlendioxid und damit als Treiber des durch die steigende Erdtemperatur verursachten Klimawandels, wie die Generalsekretärin des Sekretariats der UN-Klimakonvention, Christina Figueres, den Kohlemanagern ins Gedächtnis rief: „Ich bin hier, um mitzuteilen, dass sich die Kohleindustrie schnell und dramatisch ändern muss.“

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Jede Veränderung fange beim Einzelnen an, und das Logo reflektiere diesen Prozess, begründete Polens Regierung die Wahl des Konferenzmottos. Das steht im Gegensatz zu dem, was sich in den Blechcontainern auf dem Spielfeld und den zu Besprechungsräumen umfunktionierten VIP-Lounges im Rund des neuen Fußballstadions an der Weichsel abspielt: Eine Konferenz der Vereinten Nationen, in der es eben nicht um die Interessen von Individuen, sondern um die von Nationalstaaten und Regierungen geht, die im Amt bleiben wollen. Entsprechend hart wird darum gerungen. Klein sind folglich die Fortschritte – so marginal, dass eine ganze Reihe internationaler Umweltorganisationen wie Greenpeace, World Wildlife Fund oder der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland und ihre Mit- und Zuarbeiter am Donnerstag aus dem Tagungsgelände abzogen. Hektisch kopierte Blätter mit dem Aufdruck „Politicians talk, we walk“ klebten sie auf ihre weißen T-Shirts. Ihre Botschaft: Die Kümmerer gehen, die anderen bleiben. Sie veranschlagen die in Warschau noch zu erwartenden Ergebnisse offenbar nicht so hoch wie den öffentlichkeitswirksamen Coup des Auszugs aus der Klimaarena.

          Umweltgruppen sind für die Klimakonferenzen wichtig. Sie sind ein Nährboden für neue Ideen, ein Resonanzboden, auf dem die Unterhändler ihre Ergebnisse zum Klingen bringen können, sie sorgen für Öffentlichkeit und politischen Druck in den Heimatländern. Dass einflussreiche Nichtregierungsorganisationen die Konferenz verließen, heißt deshalb auch nicht, dass sie im kommenden Jahr nicht wieder mit von der Partie wären. „Volveremos. We will be back“, stand auf den Rücken der weißen Leibchen. Die nächste Weltklimakonferenz ist in Lima, in Perus Hauptstadt spricht man spanisch.

          „Alle Städte brauchen Notfallpläne“

          Frustriert sind die Umweltgruppen nicht nur von Polens Regierung; die australische hatte dazu mit dem Verzicht auf die angekündigte Einführung einer Kohlendioxidsteuer beigetragen. Auch die Ankündigung Japans, seine Minderungsziele aufzugeben und mehr statt weniger Kohlendioxid zu emittieren, hatte sie empört. Die fast legendäre Konferenz von Kyoto, in der sich Industriestaaten, auch Japan, zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichteten, liegt schon 16 Jahre zurück.

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