https://www.faz.net/-gpf-6vqm6

Weltklimakonferenz : Durchbruch in Durban

Das neue, alle Staaten bindende Klimaabkommen soll bis 2015 ausgehandelt sein, 2020 in Kraft treten und dem Ziel gerecht werden, die Erderwärmung auf zwei oder 1,5 Grad zu begrenzen. Die Anstrengungen sollen ehrgeiziger sein als bisher und die Schlüsse aus den bis 2014 erwarteten Berichten des Weltklimarats IPCC berücksichtigen. In Katar sollen auch über globale Obergrenzen für Treibhausgasemissionen bis 2050 beraten werden sowie über einen Zeitpunkt, ab dem die Emissionen weltweit sinken sollen.

Die Formulierungen über die rechtliche Bindungskraft des Vertrages sind allerdings weniger klar, als von der EU und Entwicklungsländern gefordert. In dem Beschluss zum „Fahrplan“ ist nun die Rede von einem „Protokoll oder rechtlichen Instrument“. Nach einem in der Nacht geschlossenen Kompromiss zwischen der EU und Indien wurde als dritte Option die Formulierung „vereinbartes Ergebnis mit Rechtskraft“ aufgenommen.

Umwelt- und Hilfsorganisationen bewerteten das Ergebnis unterschiedlich. Greenpeace sprach von einer „großen Enttäuschung“. Es bestehe die Gefahr, dass der abgeschwächte Kompromiss lediglich zu einem lose bindenden Abkommen führen werde, sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser. Nun drohe erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sprach von einem „löchrigen Rettungsschirm fürs Klima“. So sei es nicht möglich, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Brot für die Welt betonte, in Durban sei nur ein „bedingter Fortschritt“ im Kampf gegen die Erderwärmung erreicht worden. Die Hilfsorganisation Oxfam bewerte den Ausgang der Konferenz
verhalten optimistisch. Klimaexperte Jan Kowalzig bezeichnet den Beschluss als gute Grundlage für die künftige weltweite Klimaschutzarchitektur. Allerdings warnte er davor, dass die Erderwärmung wegen der schwachen Minderungsziele dennoch auf eine Erderwärmung von vier Grad zusteuere.

Die Konferenz beschloß ferner die bereits 2010 in Cancun verabredete Einrichtung eines Weltklimafonds voranzutreiben. Der Fonds soll bald arbeitsfähig werden. Er soll dazu beitragen, dass von 2020 an jährlich 100 Milliarden Dollar für Schutz vor und Anpassung an den Klimawandel vor allem für arme Ländern zur Verfügung gestellt werden. Allerdings wurde nicht beschlossen, woher das Geld kommen soll. Ebenfalls beschlossen wurde die weitere Ausgestaltung des „REDDplus“-Programms zum Schutz tropischer Wälder, dessen Umsetzung damit beginnen kann. Auch wurde erstmals ein Arbeitsprogramm zum Umgang mit dem Problem durch Klimawandel eintretender Schäden (loss and damage) auf den Weg gebracht. Die unterirdische CO2-Speicherung (Carbon Capture and Storage), die in Deutschland nach heftigem politischem Streit nicht mehr eingeführt werden wird, wird von der Weltklimakonferenz als Klimaschutzmaßnahme anerkannt.
 

Weitere Themen

Topmeldungen

Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.
Oktober 2018: Polizisten drängen mehrere Demonstranten gegen den Landesparteitag der AfD Niedersachsen in Oldenburg ab (Symbolbild)

Opferbefragung : Studie: Deutlich mehr Fälle von Polizeigewalt

Bei Demonstrationen und Fußballspielen kommt es offenbar besonders oft zu Eskalationen: Eine Studie der Universität Bochum legt nahe, dass Polizisten deutlich häufiger als bisher gedacht ungerechtfertigte Gewalt anwenden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.