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Bericht der Welthungerhilfe : Rückschritte im Kampf gegen den Hunger

  • Aktualisiert am

Ein unterernährtes Kind in Syrien. Bild: dpa

Konflikte, Klimawandel, Corona: Laut Welthungerhilfe erschweren diverse Krisen den Kampf gegen den Hunger. In den Augen von Entwicklungsminister Müller verfügt die Staatengemeinschaft aber über die nötigen Mittel – Hunger sei deshalb „Mord“.

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          Die Welthungerhilfe verzeichnet in ihrem jährlichen Index Rückschritte wegen Konflikten und den Folgen des Klimawandels. „Die Welt ist bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entfernt sich immer weiter vom verbindlichen Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen“, teilte die Organisation am Donnerstag in Berlin zur Veröffentlichung des Welthungerindex 2021 mit. Auf der ganzen Welt hungern demnach etwa 811 Millionen Menschen, weitere 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

          Der neue Welthungerindex untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und bestätigt „die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung“. 47 Länder werden demnach bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara. „Unsere Befürchtungen im letzten Jahr haben sich leider bestätigt. Hungersnöte sind zurück und multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen“, sagte Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. „Die Corona-Pandemie hat die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft und Millionen Familien haben ihre Existenzgrundlage verloren. Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel.“

          Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte unterdessen vor einem „Teufelkreis“ in den betroffenen Regionen. „Wo Menschen ihre Lebensgrundlagen verlieren und nichts mehr zu essen haben, verlassen Sie ihre Heimat und es kommt zu Verteilungskonflikten“, sagte Müller der Augsburger Allgemeinen. „Wir müssen Hunger- und Armutsbekämpfung endlich als vorausschauende Friedenspolitik ersehen – und ganz oben auf die Agenda der Weltpolitik setzen.“ Weiter sagte der Minister: „Hunger ist Mord, denn wir haben das Wissen und die Technologie, alle Menschen satt zu machen.“

          Müller erneuerte seine Forderung nach einer Reform der Nahrungsmittelhilfsprogramme der Vereinten Nationen und nach einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von zehn Milliarden Euro. „Die UN und ihre Hilfswerke dürfen nicht dauerhaft Bittsteller sein“, sagte Müller. „Sie müssen vorausschauend handeln können und dafür ausreichend finanziert werden.“  Grundsätzlich sei eine Welt ohne Hunger möglich, erklärte der Minister. „Mit rund 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr für eine nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft durch die Industrieländer, Privatwirtschaft und Entwicklungsländer kann der Hunger bis 2030 besiegt werden.“

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