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Weltbevölkerung : 7.000.000.000

Ein symbolischer Akt: Die Vereinten Nationen haben am Montag den siebenmilliardsten Menschen zur Welt kommen lassen Bild: AFP

Wie viel Mensch verträgt der Planet Erde? Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Unbegrenzt jedenfalls darf sich der homo sapiens nicht vermehren.

          Um eine Milliarde ist die Zahl der Menschen in den vergangenen zwölf Jahren gewachsen. Das ist zunächst eine gute Nachricht: Die Lebenserwartung steigt, die Kindersterblichkeit sinkt, immer mehr Krankheiten verlieren ihren tödlichen Schrecken. Dass ausgerechnet am Montag die Vereinten Nationen mit einigem Spektakel das siebenmilliardste Kind zur Welt kommen ließen, ist freilich nur ein symbolischer Akt. Zu ungenau sind die Daten, um ein exaktes Datum bestimmen zu können. Die Schwelle von sieben Milliarden Menschen könnte indes tatsächlich erreicht sein - und wohl schon im Jahr 2025 dürften es schon acht Milliarden sein.

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          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie viel Mensch verträgt der Planet Erde? Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Unbegrenzt jedenfalls darf sich der homo sapiens nicht vermehren. Und das tut er auch nicht. Seit den sechziger Jahren schon sinkt die Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt: Waren es vor fünfzig Jahren im Durchschnitt noch fünf, so sind es heute nur halb so viele. Bis zum Jahr 2040 könnte die durchschnittliche Kinderzahl schon auf zwei sinken. Auch das wäre eine gute Nachricht: Zwei Kinder reichen zur Erhaltung der Menschheit aus.

          Weniger Kinder nur in wohlhabenden Ländern

          Die Weltbevölkerung jedoch wird noch lange in atemberaubendem Tempo wachsen. Denn erst nach ein bis zwei weiteren Generationen nähme die Zahl der Menschen erstmals langsam ab. Optimisten unter den Bevölkerungswissenschaftlern wie der Berliner Herwig Birg sagen einen Rückgang noch in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts voraus - etwa von 2070 an.

          Weniger Kinder werden allerdings nur in wohlhabenden Ländern geboren. Dieser Prozess setzt automatisch ein, sobald ein Volk verstanden hat, dass es keiner hohen Geburtenrate bedarf, um seine Zukunft zu meistern. Derzeit aber leben noch knapp zwei Drittel aller Menschen in Asien und damit auf jenem Kontinent, der wie kein anderer in den kommenden Jahrzehnten wohlhabend werden soll. In Afrika, das wohl noch lange arm bleiben wird, soll sich die Bevölkerung von heute an bis zum Jahr 2100 auf annähernd vier Milliarden verdreifachen. Schon jetzt wächst die Bevölkerung in Afrika doppelt so schnell wie die in Asien. Zu Beginn des 22. Jahrhunderts dürfte jeder dritte Mensch in Afrika leben.

          Rigide Ein-Kind-Politik in China

          Vor allem südlich der Sahara ist keine Umkehr dieses Trends in Sicht. Nur dort ist auch die Zahl der Schwangerschaften von Minderjährigen weiter gestiegen. Während im bevölkerungsreichsten Land der Welt, in der Volksrepublik China, dank der rigiden Ein-Kind-Politik die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau inzwischen auf 1,5 gesunken ist, liegt sie in Niger, Burundi, Mali, Somalia und Uganda zwischen sechs und sieben, in Afrika insgesamt bei 4,7.

          Dabei würden nach Angaben der Vereinten Nationen mehrere hundert Millionen Frauen nicht zuletzt in Afrika weniger Kinder zur Welt bringen, wenn sie die Möglichkeit hätten, ihrem durch Traditionen vorbestimmten Schicksal zu entgehen. Familienplanung im modernen Sinne ist für sie ein Fremdwort. Und so leben sie in einem Teufelskreis: Ungebildete Mütter bekommen zu viele Kinder, die wiederum keine Chance auf Bildung und damit auf eine Zukunft haben.

          Millionen Armutsflüchtlinge

          Die Gefahren, die der noch Jahrzehnte andauernde Anstieg der Weltbevölkerung birgt, sind hinlänglich bekannt, die Klagen über die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten auf dieser Welt auch. Natürlich müsste es keinen Hunger geben, vermutlich nicht einmal dann, wenn zehn oder elf Milliarden Menschen diesen Planeten bevölkerten. Dass nur rund 35 Millionen Wohlhabende etwa 40 Prozent des weltweiten Kapitals ihr Eigen nennen dürfen, ist ebenfalls weit von einem Idealzustand entfernt. Unter Fachleuten ist darum auch dieses Szenario nicht unbekannt: Millionen Armutsflüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa, um hier ein besseres Auskommen zu finden.

          Das allerdings könnte sich als Trugschluss erweisen. In den meisten Ländern Europas wird die Bevölkerung schon bald schrumpfen, und das mit allen negativen Folgen, mit denen Deutschland heute schon zurecht kommen muss. Seit 1972 sterben hierzulande mehr Menschen als geboren werden. Die Geburtenrate liegt bei mageren 1,4. Deutschland altert dramatisch, und schon jetzt ist abzusehen, dass in wenigen Jahren ganze Landstriche „entleert“ sein werden. Sachsen-Anhalt etwa muss sich auf einen Bevölkerungsschwund von 42 Prozent einstellen. In fünfzig Jahren könnte die Einwohnerzahl in Deutschland um gut ein Fünftel auf nur noch etwas mehr als 60 Millionen gesunken sein.

          Selbst der Zuzug von Millionen Ausländern könnte diesen sich selbst beschleunigenden Prozess mittelfristig nicht aufhalten. Wie die Sozialversicherungssysteme „demografiefest“ gemacht werden können, steht einstweilen in den Sternen. Dass immer weniger Beitragszahler mutmaßlich für immer mehr Leistungen aufkommen müssen, birgt erhebliches Konfliktpotential. Dass hierzulande wie in Frankreich die Geburtenrate wieder steigen könnte, ist einstweilen nicht erkennbar: Zu Großmutters Zeiten blieb jede zwölfte Frau kinderlos; heute ist es fast jede dritte.

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