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Christian Wulff : Auf einmal war da dieser Satz

  • -Aktualisiert am

„Stimme eines ernsthaften Mahners“: Wulffs historischer Satz ist über verschlungene Wege entstanden. Bild: REUTERS

Eine Aussage bleibt mit Christian Wulff verbunden: Der Islam gehört zu Deutschland. Das sagte der damalige Bundespräsident ausgerechnet an einem Tag der Deutschen Einheit. Warum? Eine Spurensuche.

          5 Min.

          Es gibt einen Satz, der mit Christian Wulff verbunden bleibt. Der Bundespräsident sagte am 3. Oktober 2010, dem 20. Jahrestag der Deutschen Einheit: Der Islam gehört zu Deutschland. Sehr viele Muslime in Deutschland lieben ihn für diesen Satz. Sie nennen ihn noch heute „unser Präsident“. Bei vielen Parteifreunden hat der CDU-Mann Wulff mit der Rede aber Sympathien verloren. Auch aus der Bevölkerung kamen fast nur negative Reaktionen, wie er später in einem kleinen Kreis erzählte.

          Eine Rede sagt viel über den Menschen, der sie hält. Genauso viel sagt aber auch die Entstehung einer wichtigen Rede aus. Wer hat die entscheidenden Botschaften verfasst? Wer wusste Bescheid? Wie viele Entwürfe gab es? Eine Spurensuche.

          Wulff sprach oft frei und nicht streng nach Manuskript

          Christian Wulff zu fragen ist unmöglich. Er gibt keine Interviews. Etliche Anrufe bei ehemaligen Mitarbeitern. Niemand kann oder will etwas verraten, die meisten aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Sie haben im Bundespräsidialamt lange Verschwiegenheitsklauseln unterzeichnen müssen. Ein ehemaliger Redenschreiber verrät dann doch etwas. Der erste Redeentwurf ging demnach etwa zwei Wochen vor dem 3. Oktober an Wulff. Das war für seine Verhältnisse eine Menge Vorlauf. Als Ministerpräsident hatte er sich bei weniger wichtigen Reden gar keine Entwürfe zeigen lassen, sondern schaute sich die Rede eine halbe Stunde, bevor er sie hielt, an. Auch als Bundespräsident hielt er oft mehrere Reden am Tag, lange Vorbereitungen waren da nicht möglich. Wulff hat ein ausgezeichnetes Kurzzeitgedächtnis. Er merkte sich seinen Redetext und sprach dann frei. Oft redete er über Integration, auch wenn davon nichts im Manuskript stand.

          Am 3. Oktober sollte etwas über Integration drinstehen, das hatte Wulff festgelegt. Natürlich wollte er auch über die Mauer und die friedliche Revolution sprechen. Das wussten seine Redenschreiber. Von dem Islam-Satz aber wussten sie nichts. Mehrfach gingen die Entwürfe für die Rede an Wulff und wieder zurück an das Redereferat. Die Mitarbeiter feilten am Einstieg, an den Übergängen. Nichts Substantielles. Drei Tage vor der Rede erwarteten die Redenschreiber die letzte Überarbeitung ihres Chefs. In der neuen Version stand nun - wie aus heiterem Himmel - der Satz vom Islam. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Einen weiteren Rücklauf gab es nicht mehr. Hatte sich Wulff erst kurzfristig entschieden, oder hatte er seine eigenen Leute ausgetrickst?

          Am Anfang stand Thilo Sarrazin

          Klar ist, dass Wulffs Rede ohne diesen einen Satz kein besonderes Echo gefunden hätte. Dass er über Ost- und Westdeutsche reden würde, war unvermeidlich und erwartbar. Und von der „bunten Republik“ hatte er bereits bei seiner Antrittsrede als Bundespräsident ein halbes Jahr zuvor gesprochen.

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