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Weihbischof Gerhard Wagner : In Linz aufs Neue?

  • -Aktualisiert am

Viele fürchten durch seine Ernennung „schwere Zeiten auf die Diözese zukommen”: Weihbischof Wagner Bild: picture-alliance/ dpa

Harry Potter soll er als „satanistisch“ bezeichnet haben, Tsunamis in Indien als „göttliche Strafe“. Die Ernennung Gerhard Wagners zum Weihbischof von Linz beherrscht in Österreich geistliche wie weltliche Gemüter: Rom habe Macht bewiesen, nicht Gespür.

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          In Österreich beherrscht die Ernennung Gerhard Maria Wagners, des Pfarrers von Windischgarsten in Oberösterreich, zum neuen Linzer Weihbischof ebenso stark die Gemüter wie die Auseinandersetzungen rund um das Heimholen von Lefebvristen in den Schoß der katholischen Kirche. Unzufriedenheit über die von Papst Benedikt XVI. getroffene Personalentscheidung war nicht nur aus kirchlichen Kreisen zu vernehmen, aus der Geistlichkeit ebenso wie aus Laien-Verbänden. Auch die Politik zeigte sich skeptisch. Besonders Repräsentanten der ÖVP, jener Partei, die mit ihrem christlich-katholischen Wertefundament noch am ehesten als kirchennah gelten darf, äußerten sich kritisch.

          So befand Landeshauptmann (Regierungschef) Josef Pühringer, ehedem Religionslehrer, Rom habe ein falsches Bild von der Kirche in Oberösterreich, seinem Bundesland. Und Erhard Busek, Proponent der von ihm mitinitiierten „Laieninitiative“, die auf Reformen dringt, stellte fest: „Die Summe der Eindrücke aus Rom ist schrecklich.“ Der frühere Vizekanzler und ÖVP-Bundesvorsitzende spricht aber auch von einer „Ohrfeige für die lokale Kirche“, aus der es einen Dreiervorschlag für Linz gegeben habe: „Der vierte wurde genommen.“

          Harry Potter „satanistisch“, Tsunamis „göttliche Strafe“

          Der, ein 54 Jahre alter promovierter Geistlicher, gilt als „erzkonservativ“. In der 2500-Seelen-Gemeinde Windischgarsten soll der Hirte seine Schafe durch theologisch-pastorale „Sendung“ und Haltung in Anhänger und Gegner gespalten und Letztere vertrieben haben. Kenner der örtlichen Situation wollen wissen, Wagner - für die Ablehnung von Mädchen im Ministranten-Dienst bekannt - habe über seinen engeren Wirkungskreis hinaus dadurch von sich reden gemacht, dass er die „Harry Potter“-Romane als „satanistisch“ einstufte, angesichts des Wirbelsturms „Katrina“ in New Orleans die Frage stellte, ob Katastrophen dieser Art nicht Folge „geistiger Umweltverschmutzung“ seien, und den Tsunami im Indischen Ozean in die Nähe „göttlicher Strafe“ rückte. Der ob der vatikanischen Entscheidung „erschütterte“ Linzer Generaldechant Franz Wild fürchtet, dass durch seine Ernennung „schwere Zeiten auf die Diözese zukommen“.

          Kaum weniger erfreut zeigten sich Walter Wimmer, Mitglied des bischöflichen Konsistoriums, und Hans Padinger, Sprecher des Priesterrats. Die Laien-Bewegung „Wir sind Kirche“ stellt sich „die Frage, wie jemand, der in vielen Fragen eine extreme Position einnehme, zu einer Einheit der Gläubigen beitragen“ soll, und argwöhnt, Rom verstärke mit der Entscheidung Spaltungstendenzen. Und für den engagierten katholischen Publizisten Hubert Feichtlbauer, ihren Mitbegründer, erinnert die Ernennung Wagners an die Bestellung von Kurt Krenn zum Wiener Weihbischof: „Das ist eine besorgniserregende Einengung des kirchlichen Denkens.“ Rom habe „Macht bewiesen, nicht Gespür“, befand die „Katholische Aktion“.

          Direkte Intervention aus unmittelbarer Nähe Benedikts

          „Wenn nichts anderes rechtmäßig vorgesehen ist, hat ein Diözesanbischof, der es für angebracht hält, dass seiner Diözese ein Auxiliarbischof gegeben wird, dem Apostolischen Stuhl eine Liste von wenigstens drei für dieses Amt besonders geeigneten Personen vorzulegen“: Die Bestimmung von Kanon 377, Paragraph 4 im Kapitel „Bischöfe“ des Kirchenrechtsbuchs ist eindeutig. Tatsächlich ist indes auch der Nuntius in die Nominierung von (Weih-)Bischöfen eingebunden, konkret in die Erstellung des Dreiervorschlags. Im vorliegenden Fall dürfte somit Erzbischof Edmont Farhat letztmals mit von der Partie gewesen sein, dessen altersbedingten Rücktritt der Papst soeben angenommen hat. Dabei wollen für gewöhnlich gutunterrichtete Kreise wissen, dass es bei der Ernennung Wagners direkte Interventionen aus der unmittelbaren Nähe Benedikts gegeben habe: Genannt werden Georg Gänswein, Privatsekretär, und Georg Ratzinger, Bruder des Papstes. Der erste Dreiervorschlag sei von der römischen Bischofskongregation zurückgewiesen und Wagner auf dem nachgereichten Zweiervorschlag gar nicht enthalten gewesen. Und: Weder der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz noch der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn sollen Wagner als Kandidaten benannt haben.

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