https://www.faz.net/-gpf-308u

Wehrmachtsausstellung : Vergangenheit neu gesehen: Berlin zeigt "Verbrechen der Wehrmacht"

  • Aktualisiert am

Besucher der Wehrmachtsschau Bild: AP

In den Berliner "Kunst-Werken" wird die überarbeitete Version der "Wehrmachtsausstellung" gezeigt.

          2 Min.

          Zwei Jahre nachdem die umstrittene Wehrmachtsausstellung wegen Fälschungsvorwürfen geschlossen wurde, eröffnet die Schau nun an diesem Dienstag in einer komplett überarbeiteten Fassung in Berlin.

          Der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, der für die Konzeption der umstrittenen Schau verantwortlich zeichnet, stellte am Vormittag die Änderungen in der wissenschaftlich neu konzipierten Fassung vor. Die Ausstellung ist nach Auskunft der Veranstalter keine korrigierte, sondern eine Neufassung der Vorgängerschau. Kultur-Staatsminister Julian Nida-Rümelin eröffnet am Abend die Ausstellung in den Räumen der Berliner Kunst-Werke.

          Geschichte, neu geschrieben, blieb anfechtbar

          Vor sechs Jahren wurde die "Wehrmachts-Ausstellung" in Hamburg vorgestellt. Mit bisher unveröffentlichtem Foto- und Dokumentarmaterial berichtete sie zum ersten Mal über systematische Morde der deutschen Wehrmacht an Zivilisten in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs. Die Wellen schlugen hoch. Es gab positive und negative Stimmen. Vor allem konservative Kreise wehrten sich aber, weil ihre Vorstellungen von einer „sauberen Wehrmacht“ nicht mehr zu halten waren. Auch viele ehemalige einfache Soldaten, die nicht bei der verbrecherischen SS oder Gestapo gedient hatten, fühlten sich angegriffen.

          Die "Wehrmachts-Ausstellung" zog zwischen 1995 und 1997 durch 33 deutsche und österreichische Städte. Über 900.000 Besucher strömten in die Schausäle und diskutierten über ein Kapitel deutscher Vergangenheit, das sich für viele Zeitgenossen nun noch düsterer darstellte. Die Ausstellung schlug hohe Wellen. Am 9. März 1998 wurde in Saarbrücken ein Sprengstoffanschlag auf die Schau verübt.

          Kritik wurde laut, die spektakuläre Schau wurde geschlossen

          Im November 1999 wurde auch Kritik von Historikern laut. Damals wies Bogdan Musial nach, dass manche der gezeigten Fotografien nicht zu den Bildunterschriften passten. Nach massiven Vorwürfen wurde die Ausstellung geschlossen und ein Gremium einberufen, das das ausgestellte Material noch einmal kritisch untersuchte. Ein Jahr später wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Es hatte sich herausgestellt, dass sachliche Fehler, Ungenauigkeiten und Flüchtigkeiten bei der Zuordnung des Materials unterlaufen waren und durch die Art der Präsentation "pauschale und suggestive Aussagen" getroffen wurden. Den Fälschungsvorwurf wies das Hamburger Institut für Sozialforschung allerdings zurück. Die Hauptthesen der Ausstellung bedurften auch nach genauer Prüfung des 16-köpfigen wissenschaftlichen Ausschusses keiner Korrekturen.

          Unveränderte Thesen, neue Präsentation

          Auch die neue Ausgabe hält an der These fest, dass "die Wehrmacht als Institution während des Zweiten Weltkrieges an der Planung und Durchführung eines beispiellosen Rassen- und Vernichtungskrieges umfassend beteiligt war". Ein Teil der neuen Schau widmet sich der Nachkriegszeit und den Nürnberger Prozessen sowie der Strafverfolgung und Integration ehemaliger Wehrmachtsoffiziere in die Nachkriegsgesellschaft. Ab Mittwoch ist die Schau für das Publikum zu besichtigen. Es darf neu diskutiert werden.

          Weitere Themen

          Islamistisches Motiv vermutet Video-Seite öffnen

          Angriff auf Tory-Politiker : Islamistisches Motiv vermutet

          Nach dem tödlichen Messerangriff auf den britischen Abgeordneten David Amess geht die Polizei von einem islamistischen Hintergrund aus. Bei dem festgenommenen Verdächtigen soll es sich um einen britischen Staatsbürger mit somalischen Wurzeln handeln.

          Der Mann, den sie Zugpferd nannten

          Fraktur : Der Mann, den sie Zugpferd nannten

          Unglaublich – die Junge Union hat Söder abgehalftert. Da dürfen sich die Rampensäue nicht wundern, dass er nun bockt.

          Topmeldungen

          Noch breit, aber schon sehr flach: der Rio Paraná am Flusstrand von Rosana

          Klimawandel in Brasilien : Rote Sandwüsten am Rio Paraná

          Eines Tages werde man den zweitgrößten Fluss Südamerikas zu Fuß überqueren können, prophezeite ihm ein Fischer. Der Bootsfahrer Queiroz wollte das nicht glauben. Bis jetzt.
          Seit 20 Jahren Chef von Gazprom und treuer Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putin: Alexej Miller.

          Gazprom-Chef Alexej Miller : Putins Mann fürs Gas

          Alexej Miller ist seit 20 Jahren Chef von Gazprom und treuer Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hat den Konzern äußerlich modernisiert – doch im Kern ist dieser ein Instrument des Kremls geblieben.
          Scheut und bockt: Manchmal ist das Pferd ein Esel.

          Fraktur : Der Mann, den sie Zugpferd nannten

          Unglaublich – die Junge Union hat Söder abgehalftert. Da dürfen sich die Rampensäue nicht wundern, dass er nun bockt.
          Geschlossene Check-In-Schalter am internationalen Flughafen von Hongkong in einer Aufnahme vom 2. Februar 2021

          Chinas Covid-Politik : Kontakt mit dem Ausland ist ansteckend

          Chinas Führung hält an einer strengen No-Covid-Politik fest. Das hat nicht nur mit der Seuche zu tun. Der Kampf gegen Covid dient als Grund für Abschottung und noch mehr Kontrolle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.