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Papst Benedikt XVI. : Der neue Herr im Haus des Herrn

  • -Aktualisiert am

Wohin wird er Christen leiten? Papst Benedikt XVI. Bild: dpa/dpaweb

Jeder glaubt, ihn zu kennen, den ehemaligen Glaubenshüter Joseph Ratzinger. Doch was Papst Benedikt XVI. tun wird, ist noch längst nicht ausgemacht. Wohin führt er die Kirche? Die zehn wichtigsten Fragen.

          5 Min.

          Was wird das neue Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., tun? Wohin führt er die Kirche? Die zehn wichtigsten Fragen.

          1. Wer stand hinter der Kandidatur Ratzingers?

          Soviel ist sicher: Die Anhänger des Opus Dei, einige Kurienkardinäle und erklärte Konservative reichten für eine Zwei-Drittel-Mehrheit nicht aus. Wie die Mehrheit zustande kam, wissen wir natürlich nicht. Aber denken wir nur an die Situation der Anglikaner, auch an die der protestantischen Kirchen des Ökumenischen Rates, die in Afrika, Asien, Lateinamerika fassungslos dem Wachstum der evangelikalen Mission und der Pfingstkirchen gegenüberstehen.

          Der theologische Liberalismus des europäischen und amerikanischen Nordens ist im Süden der Christenheit keineswegs attraktiv. Bischöfe und Gemeinden verlangen religiöse Führung, moralische Klarheit und das Engagement für soziale Gerechtigkeit. Gesiegt haben die sozialen Nöte der Kirche des Südens und die römische Orthodoxie - verstärkt oder korrigiert durch einige europäische und amerikanische „Liberale“.

          2. Ist Joseph Ratzinger, einst progressiver Konzilstheologe, zum „Verräter“ am II. Vatikanischen Konzil geworden?

          Das Konzil öffnete die zuvor ängstlich verschlossene katholische Wagenburg. Nun erkannte die römische Kirche weltliche Fortschritte in Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft und den Eigenwert demokratischer Politik an. Das Papstamt und seine geistliche Autorität wollten aber auch progressive Konzilsväter wie der Kölner Kardinal Josef Frings und sein junger Berater Ratzinger keineswegs abschaffen, sondern stärken.

          Die kollegiale „Communio“ (Gemeinschaft der Bischöfe) und der päpstliche Primat sollten sich als Regierungsform für das christliche „Gottesvolk auf dem Wege“ ergänzen. Nur wer das Konzil als ersten Schritt auf dem Wege zur Abschaffung oder Entmachtung des Petrusamts verstand, konnte Ratzingers spätere Entwicklung als Kehrtwende begreifen.

          3. Hatte Ratzinger ein Problem mit den Achtundsechziger-Studenten?

          Gewiß. Da war er nicht der einzige. Aber der Kulturschock, den der Theologieprofessor bei Teach-ins in Tübingen oder Münster erlebte, bestärkte nur das Mißtrauen, welches er ohnehin gegen den messianischen Kurzschluß von Theologie und Politik hegte. Schon bei manchen Konzilstheologen störte ihn, schrieb er in seinen Erinnerungen, „die Idee einer kirchlichen Volkssouveränität“, die wir noch heute im Slogan einer „Kirche von unten“ wiederfinden.

          Für ihn hat der Bund des Gottesvolkes, im Alten oder im Neuen Testament, keinerlei Ähnlichkeit mit irgendwelcher Basisdemokratie. Daß das Volk selber entscheide, wie Christi Nachfolge auszusehen habe, war nie eine katholische Idee, sondern das Programm der Linksradikalen der Reformation: von Wiedertäufern, Dissenters und chiliastischen Sekten. Kirche aber ereignet sich in Anerkennung eines Rufs „von oben“: Jahwes Gebote vom Berge Sinai, des Leidens Christi auf dem Berge Golgotha.

          4. Ist der Papst ein Gegner der Aufklärung?

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