https://www.faz.net/-g91-qhqk

Rom : Kampf mit den Pilgermassen: „Situation noch unter Kontrolle“

  • Aktualisiert am

Massen zum Papst-Abschied: Eine kilometerlange Schlange vor dem Petersplatz Bild: dpa/dpaweb

Fast vier Millionen Gläubige sorgen für den größten Strom christlicher Pilger in der Geschichte. Rom droht das Chaos - auch wegen der mehr als 200 Staats- und Regierungschefs, die zur Beisetzung von Papst Johannes Paul II. erwartet werden.

          Auch beim größten Strom christlicher Pilger in der Geschichte herrscht irgendwie Ordnung im Chaos. Fast vier Millionen Gläubige werden Schätzungen zufolge am Freitag die Ewige Stadt bevölkern, wenn Papst Johannes Paul II. in den Grotten des Petersdoms beigesetzt wird. „Aber die Situation ist unter Kontrolle“, meinen Sicherheitskräfte.

          Noch einmal zogen am Donnerstag mehrere hunderttausend Menschen an dem im Petersdom aufgebahrten Papst vorbei. Nachdem die Wartezeit am Mittwoch zeitweise 24 Stunden erreicht hatte, sperrte die Polizei in der Nacht für mehrere Stunden den Zugang zu der Warteschlange. Viele Pilger waren bitter enttäuscht, daß ihnen der Gang in den Petersdom verwehrt blieb.

          Mit Verzweiflung und Tränen hatten schon in der Nacht tausende Pilger darauf reagiert, daß die Zugänge zum Petersdom geschlossen wurden. Die Polizei hatte bereits am späten Mittwochabend rund um den Petersplatz in Rom Absperrungen errichtet, damit sich keine weiteren Menschen mehr in die Warteschlange der Papst-Pilger vor dem Petersdom einreihen können.

          Massen zum Papst-Abschied: Eine kilometerlange Schlange vor dem Petersplatz Bilderstrecke

          Rom ist überfüllt

          Die italienischen Behörden hatten Pilger bereits am Mittwoch aufgefordert, nicht mehr in das Zentrum von Rom zu reisen. Die Stadt sei bereits überfüllt und Neuankömmlinge hätten keine Möglichkeit mehr, etwas von der Beisetzung von Johannes Paul II. zu sehen.

          Für die italienischen Sicherheits- und Ordnungskräfte sowie die römische Stadtverwaltung stellt der Zustrom von Pilgern und Besuchern ein immer größeres logistisches Problem dar. bis zum Freitag auf über vier Millionen steigen soll. Die Behörden rechnen mit der Einsicht und der Ruhe aller. Der römische Bürgermeister Veltroni verwies darauf, daß die Ewige Stadt und die Römer bereits im besonderen Jahr 2000 mit Besuchermassen fertig geworden sei; dies sei „eine Art Generalprobe“ gewesen.

          Bush und Clinton im Petersdom

          Der amerikanische Präsident George W. Bush hat nach seiner Ankunft in Rom am Mittwoch abend Abschied von Papst Johannes Paul II. genommen. Bush betete gemeinsam mit Ehefrau Laura im Petersdom vor dem aufgebahrten Leichnam von Johannes Paul. Zu der fünfköpfigen Delegation gehören auch Außenministerin Condoleezza Rice sowie die ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und George Bush, der Vater des amtierenden Präsidenten.

          Für die Beisetzungsfeierlichkeiten, die „Exequien“ am Freitag, die von Kardinal Ratzinger im Beisein aller Kardinäle und zahlreicher Bischöfe zelebriert werden, erwartet man neben den mehr als 200 Staats- und Regierungschefs vor allem auch Führer der anderen christlichen Kirchen und großen Weltreligionen. Johannes Paul II. hatte in seiner Amtszeit den Dialog für die Einheit aller Christen und die Gespräche mit den führenden Vertretern anderer Weltreligionen stets gefördert.

          Konklave beginnt am 18. April

          Das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes soll am Montag, dem 18. April, nachmittags in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans in Rom beginnen.

          Darauf hatten sich die Kardinäle am Mittwoch unter Vorsitz ihres deutschen Dekans Joseph Ratzinger in ihrer vierten Generalskongregation seit dem Tod Johannes Pauls II. am Freitag abend. Damit sind die von dem verstorbenen Papst in der Tradition seiner Vorgänger erlassenen Vorschriften für die Frist - zwischen dem 15. und 20. Tag nach dem Tod - und den seit Jahrzehnten traditionellen Ort erfüllt.

          Freie und geheime Wahl

          Die 117 Kardinäle aus dem gegenwärtig 183 Mitglieder umfassenden Kollegium, die das 80. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, werden in freier und geheimer Wahl den Bischof von Rom als 265. Nachfolger des Apostelfürsten Petrus und als neues Oberhaupt der katholischen Kirche wählen.

          Neben diesem Termin gab der Vatikan-Sprecher Navarro-Valls bekannt, daß ein geistliches Testament des verstorbenen Papstes, der seit Oktober 1978 in einem der längsten Pontifikate der Geschichte die katholische Kirche geführt hatte, an diesem Donnerstag veröffentlicht wird. Über den Inhalt ist noch nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Nur die Bestimmungen für die Grabstätte wurden bekannt, die in den Vatikanischen Grotten „in der bloßen Erde“ liegen soll, nicht also in einem erhobenen Steinmonument.

          Zwei Millionen Polen pilgern zum Papst

          In Rom sprach man davon, daß zur feierlichen Beisetzung des polnischen Papstes am Freitag allein etwa zwei Millionen Polen erwartet werden - Zeichen der besonderen Beziehung des ehemaligen Erzbischofs von Krakau zu seinen katholischen Landsleuten und zur polnischen Politik.

          Das hebt auch ein Brief hervor, wohl sein letzter, den Johannes Paul II. einen Tag vor seinem Tod zu Ende diktierte, „an die verehrte Gottesmutter von Tschenstochau“, als Begleitschreiben zu einem Geschenk - zwei Kronen für die Ikone der „Madonna von Jasna Gora“.

          Papst-Gebet für die Zukunft Polens

          In diesem politischen Testament heißt es zum Schluß: „Ich bete, daß mein Volk durch den Glauben alles überwindet, was die menschliche Würde und das Wohl unseres Heimatlandes bedroht. Ich vertraue ihrer mütterlichen Fürsorge die Kirche auf polnischem Boden an, damit sie durch ihr Zeugnis der Heiligkeit und der Demut immer neu die Hoffnung auf eine bessere Welt in den Herzen aller Gläubigen stärke. Ich bete für die Verantwortlichen der Zukunft Polens, damit sie den Mut haben, alles Gute zu verteidigen, was der Republik dient. Dem Schutz der Gottesmutter vertraue ich unser Vaterland an, die ganze Kirche und mich selbst. Totus tuus - ganz Dein!“

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.