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Reaktionen auf Ratzinger : Glückwünsche und Skepsis

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Selbst in Kuba läuten die Glocken, der Bundeskanzler spricht von einer „großen Ehre für unser Land“, Ökumene-Experten äußern sich verhalten optimistisch zur Papstwahl Ratzingers. Die „Initiative Kirche von unten“ gibt sich geschockt.

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          Neben all den Glückwünschen zur Papstwahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger äußern sich Ökumene-Experten beider großer Kirchen verhalten optimistisch. Bei der „Initiative Kirche von unten“ stößt sie auf entschiedene Ablehnung.

          Bundespräsident Horst Köhler hat die Wahl Papst begrüßt. „Daß ein Landsmann Papst geworden ist, erfüllt uns in Deutschland mit besonderer Freude und auch ein wenig Stolz“, sagte der Bundespräsident am Dienstag abend in Berlin. Köhler wünschte dem neuen Papst „Mut und Kraft“ für sein neues Amt. Er verwies auch darauf, daß ihn der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski angerufen und gratuliert habe.

          Schröder: „Große Ehre für unser Land“

          Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete es als „eine große Freude, daß der neu gewählte Papst Benedikt XVI. aus Deutschland kommt“. Dies sei „eine große Ehre für unser Land“. Er würdigte Ratzinger als einen Papst, der die Weltkirche wie kaum ein anderer kenne. „Er ist großer, weltweit geschätzter Theologe“, sagte Schröder. Er sei ein würdiger Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Der Kanzler ging davon aus, den neuen Papst zum Weltjugendtag in Köln im August begrüßen zu können.

          Juden und Muslime hoffen auf Dialog

          Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat Joseph Ratzinger gratuliert. „Ich bin sicher, daß er den von Papst Johannes Paul II. eingeschlagenen erfolgreichen Weg der Verständigung zwischen Christen und Juden zum Wohl beider Religionen intensivieren wird“, sagte Spiegel.

          Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Wahl begrüßt. „Wir sind überrascht über die schnelle
          Wahl und verbinden damit herzliche Glückwünsche“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas. Er hoffe, daß der „Weg des Dialogs und der Öffnung“ der katholischen Kirche seine Fortsetzung finden werde. Dieser müsse auch zwischen Muslimen und Katholiken weitergeführt werden.

          Pontifikat des Friedens zwischen den Konfessionen?

          Der Katholika-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich, sagte, er hoffe, daß Ratzingers Pontifikat eines des Friedens zwischen den Konfessionen werde. Der katholische Theologie-Professor Christoph Böttigheimer sagte, er wäre froh, wenn der neue Papst das Engagement seines Vorgängers in der Ökumene fortsetze. Die Wahl Ratzingers ist laut Friedrich zwar ein Zeichen, daß es dem Konklave vor allem um Kontinuität gegenagen sei. Die Wahl des Namens Benedikt zeige aber, daß der neue Papst eigenständig sein wolle. „Benedikt XV. ging als Friedenspapst in die Geschichte ein. Ich hoffe, daß die Zeit von Benedikt XVI. eine des Friedens zwischen den Konfessionen wird“, betonte der evangelische Landesbischof, der in seiner Eigenschaft als EKD-Beauftragter oft mit Ratzinger in Rom zusammengetroffen war.

          Als Chef der Glaubenskongregation habe Ratzinger stets deutlich zwischen Rollen unterschieden, fügte er hinzu. Die Rolle des Papstes für die Einheit der Christen sei eine ganz andere. „Wir haben allen Grund, stolz auf diese Wahl zu sein“, sagte Friedrich.

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