https://www.faz.net/-g91-qhp2

Papst-Testament : Johannes Paul II. erwog schon vor Jahren einen Rücktritt

  • Aktualisiert am

Zwei Millionen zogen am aufgebahrten Papst vorbei - nun sind die Tore zu Bild: dpa/dpaweb

Der Vatikan hat am Donnerstag abend die Tore des Petersdoms schließen lassen, um die Beerdigung des Papstes vorzubereiten. Der hatte kurz vor seinem 80. Geburtstag erwogen, sein Amt niederzulegen. Darüber berichtet der Papst in seinem nun veröffentlichten Testament.

          Der Vatikan hat am Donnerstag abend die Tore des Petersdoms schließen lassen und damit das Defilé der Pilger zum toten Papst Johannes Paul II. beendet.

          Seit Montag waren nach Schätzungen zwei Millionen Gläubige im Petersdom am aufgebahrten Leichnam Johannes Pauls II. vorbeigezogen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Zugang wurde nun abgesperrt, damit die Vorbereitungen für die Trauerfeier am (morgigen) Freitag getroffen werden können.

          Köhler nimmt Abschied

          Kurz zuvor war Bundespräsident Horst Köhler in Rom eingetroffen, wo er am Freitag an der Trauerfeier für Papst Johannes Paul II. teilnehmen will. Gleich nach seiner Ankunft in der Ewigen Stadt sei Köhler zum Petersdom gefahren, um dem dort aufgebahrten Pontifex die letzte Ehre zu erweisen, sagte der Protokollchef des Auswärtigen Amtes.

          Zwei Millionen zogen am aufgebahrten Papst vorbei - nun sind die Tore zu Bilderstrecke

          Der Besuch am Katafalk mit dem Leichnam des Papstes habe etwa zehn Minuten gedauert. Köhler sei von einer kleinen Delegation begleitet worden, hieß es.

          Johannes Paul II. dachte an Rücktritt

          Papst Johannes Paul II. hat im Jahr 2000 zeitweise an einen Rücktritt gedacht. Dies bekennt der Pontifex in seinem am Donnerstag veröffentlichten Testament, das nach Angaben des Vatikans aus 15 losen Blättern besteht. Seine Eintragungen stammen aus den Jahren 1979 bis 2000.

          „Jetzt, wo mein Lebensalter auf die 80 zugeht“, müsse man sich die Frage nach einem Rückzug stellen, heißt es in einem Eintrag vom 17. März 2000. Er hoffe aber, Kraft zu haben, sein Amt fortzuführen. Im Jahr 2000 wurde wegen schwerer gesundheitlicher Probleme des Papstes mehrfach über einen Rücktritt spekuliert. Grundsätzlich meinte der Heilige Vater bereits 1980 zu seiner Amtszeit: „Die Zeiten, in denen wir leben, sind unsagbar schwierig und unruhig.“ (Siehe auch: Dokumentation: Das Testament Johannes Pauls II.)

          „Ich hinterlasse keinerlei Eigentum“

          Der Papst ordnet in dem Dokument an, daß seine gesamten persönlichen Notizen verbrannt werden. Dies solle sein Privatsekretär Stanislaw Dziwisz überwachen. Zudem schrieb er: „Ich hinterlasse keinerlei Eigentum, über das verfügt werden müßte.“ Er wünsche sich, wie Papst Paul VI. 1978, in einem normalen Sarg in der Erde beigesetzt zu werden, und nicht - wie in der Vergangenheit bei Päpsten häufig üblich - in einem Sarkophag.

          In dem Testament geht der Papst auch auf das Attentat auf dem Petersplatz ein, bei dem er 1981 schwer verletzt wurde. „Die Göttliche Vorsehung hat mich auf wundersame Weise vor dem Tod gerettet.“ Danach habe er sich seinem Amt noch mehr verpflichtet gefühlt. Der Papst deutete auch an, das Überleben des Attentats sei auch ein Grund gewesen, später doch nicht zurückzutreten.

          Klage über Verfolgung der Kirche

          Auch die politische Konfrontation vor dem Fall des Kommunismus erwähnt der Papst: „Gelobt sei die göttliche Vorsehung dafür, daß die Zeit des sogenannten 'Kalten Krieges' ohne gewalttätigen nuklearen Konflikt zu Ende gegangen ist.“

          In einer Eintragung aus dem Jahr 1980 beklagt der Pontifex zudem eingehend die Verfolgung der Kirche. „In einigen Ländern befindet sich die Kirche in der Phase einer derartigen Verfolgung“, die nicht geringer als in den ersten Jahrhunderten des Christentums sei. Der Grad „der Unmenschlichkeit und des Hasses“ sei heute sogar noch höher.

          In einem undatierten Kapitel beschäftigt sich der Pontifex auch mit seinen schweren körperlichen Leiden in den letzten Jahren. Trotz großer Schwäche, „habe ich das größte Vertrauen in den Herrn, daß er mir alle notwendige Gnade gibt, mich nach seinem Willen jeder Aufgabe, jeder Prüfung und allen Leiden zu stellen“. Eindringlich heißt es an die Adresse der Gläubigen: „Nach meinem Tod bitte ich um Heilige Messen und Gebete.“

          Kampf mit der Pilgermasse

          Unterdessen bevölkern inzwischen beinahe vier Millionen Gläubige am Freitag die Ewige Stadt, um der Beisetzung von Johannes Paul II. in den Grotten des Vatikans so nahe wie möglich zu sein oder sogar noch persönlich Abschied an der Bahre zu nehmen. Trotz des größten Stroms christlicher Pilger in der Geschichte herrsche in Rom noch Ordnung im Chaos, sagen Polizisten. „Die Situation ist unter Kontrolle.“

          Noch einmal zogen am Donnerstag mehrere hunderttausend Menschen an dem im Petersdom aufgebahrten Papst vorbei. Nachdem die Wartezeit am Mittwoch zeitweise 24 Stunden erreicht hatte, sperrte die Polizei in der Nacht für mehrere Stunden den Zugang zu der Warteschlange. Viele Pilger waren bitter enttäuscht, daß ihnen der Gang in den Petersdom verwehrt blieb.

          Rom ist überfüllt

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof

          F.A.Z. exklusiv : Scheuer gerät wegen Stuttgart-21-Risiken unter Druck

          Die wirtschaftliche Lage der Bahn sei „besorgniserregend“, schreibt der Bundesrechnungshof. Die Prüfer kritisieren das Wegschauen von Minister Andreas Scheuer. Risiken, Termine, Kosten und die Finanzierung des Projekts müssten neu bewertet werden.

          Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

          Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

          Nicht die Jungen überzeugen : Der FC Bayern und seine alte Achse

          Löw hat’s gesehen: Die Münchener spielen gegen Leipzig zumindest eine herausragende erste Halbzeit. Das liegt vor allem an den Routiniers. Neuer, Boateng, Müller und Lewandowski halten die Zeit an.
          Der Hausarzt: Klaus Reinhardt in seiner Bielefelder Praxis

          Neuer Ärztepräsident : Der doppelte Reinhardt

          Der Mann ist Hausarzt mit Leidenschaft. Aber Klaus Reinhardt ist immer nur montags in seiner Bielefelder Praxis. Sonst macht er Politik in Berlin – als Präsident der Bundesärztekammer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.