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Der neue Papst : Ratzingers theologische Ausrichtung

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Als Glaubenshüter im Vatikan hat Joseph Ratzinger in den vergangenen 24 Jahren die theologische Ausrichtung der katholischen Kirche wesentlich mitgeprägt. Seine Positionen zu umstrittenen Fragen in Stichworten von A-Z.

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          Als Glaubenshüter im Vatikan hat Joseph Ratzinger in den vergangenen 24 Jahren die theologische Ausrichtung der katholischen Kirche wesentlich mitgeprägt. Seine Position zu umstrittenen Fragen in Stichworten:

          Abtreibung: Um eine indirekte Mitwirkung der Kirche an Abtreibungen auszuschließen, setzte sich Ratzinger erfolgreich für einen Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung ein.

          Aufklärung und Moderne: Ratzinger ist skeptisch gegenüber dem Freiheitsdenken der Moderne und warnt vor einem Abgleiten in einen zügellosen Liberalismus.
          Befreiungstheologie: Der lateinamerikanischen Befreiungstheologie warf Ratzinger eine marxistische Gesinnung vor; Theologen wie Leonardo Boff wurden gemaßregelt.

          Bibel: Der katholische Glaube orientiert sich nicht nur an der Heiligen Schrift, sondern auch an der kirchlichen Tradition. An diesem Unterschied zur reformatorischen Theologie hält Ratzinger fest.

          Frauen: Zum Priesteramt sollen weiterhin nur Männer zugelassen werden. Den Feminismus lehnt Ratzinger ab.

          Kirchenlehrer: Ratzingers theologische Vorbilder sind platonisch geprägte Kirchenlehrer wie Augustinus und Bonaventura, weniger der aristotelisch gesinnte Kirchenlehrer Thomas von Aquin.

          Kollegialität: Ratzinger wandte sich zuletzt gegen einen übersteigerten römischen Zentralismus und sprach sich für mehr Mitsprache der Bischöfe und Ortskirchen aus.

          Krieg und Frieden: Mit der Wahl seines Papstnamens Benedikt XVI. knüpft Ratzinger an die pazifistische Tradition von Benedikt XV. an, der sich während des Ersten Weltkriegs um Frieden bemühte.

          Laien: Trotz des zunehmenden Priestermangels sollen Laien nicht predigen oder Messfeiern leiten dürfen.

          Liturgie: Ratzinger schätzt die alte lateinisch-römische Messform, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil durch volkssprachliche Gottesdienste ersetzt wurde.
          Ökumene: Ratzinger betont den Vorrang der katholischen Kirche vor anderen christlichen Kirchen und lehnt gemeinsame Eucharistiefeiern ab.

          Pille und Kondom: Ratzinger lehnt künstliche Empfängnisverhütung ab und hält eheliche Treue für den besten Schutz vor AIDS.

          Scheidung: Ratzinger ist gegen eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion.

          Unfehlbarkeit: In Glaubens- und Sittenfrage ist der Papst unfehlbar - an diesem Lehrsatz des Ersten Vatikanischen Konzils hält Ratzinger fest.

          Wissenschaft: Ratzinger betont den Vorrang des römischen Lehramts vor der Freiheit der Theologie.

          Zölibat: An der vorgeschriebenen Ehelosigkeit von Priestern will Ratzinger nicht rütteln.

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