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Benedikt XVI. : Feierliche Amtseinführung für den neuen Papst

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„Wir müssen da gerade auch in Deutschland etwas Kurskorrektur durchführen", sagte Lehmann mit Blick auf Stimmen, die wegen der konservativen Ausrichtung des neuen Papstes die Chancen auf Reformen in der Kirche schwinden sehen. In Deutschland habe man sich nicht richtig mit den Schriften Ratzingers beschäftigt, der ein „genialer Theologe“ und Garant für die Fortsetzung des Zweiten vatikanischen Konzils sei. Das Konzil bemühte sich in den Jahren 1962 bis 1965 um eine Erneuerung der katholischen Kirche.

Kamphaus: „Wir haben uns nichts erspart“

„Er hat mir nichts erspart, und ich habe ihm auch nichts erspart. Wir sind fair miteinander umgegangen, aber unterschiedlicher Meinung geblieben“, sagte der Limburger Bischof Franz Kamphaus über seine Auseinandersetzung in Sachen Schwangerenkonfliktberatung mit dem bisherigen Präfekten der römischen Glaubenskongregation war.

Der suspendierte Saarbrücker Priester und emeritierte Hochschulprofessor Gotthold Hasenhüttl rechnet durch den neuen Papst mit einer noch stärkeren Maßregelung der deutschen Theologie. „Ich sehe Kardinal Ratzingers Wahl als Rückschritt, der Reformstau wird noch größer werden“, sagte Hasenhüttl der Zeitung „Thüringer Allgemeine“. Er rechne eher mit einer Verschärfung des Kurses gegen die moderne katholische Theologie.

„Kein Signal für eine offenere Kirche“

Es sei eine „Katastrophe“, daß es kein Signal für eine offenere Kirche gegeben habe, sagte Hasenhüttl. Gleichwohl warnte er vor einer schnellen Vorverurteilung des neuen Papstes; „es wäre ja möglich, daß Joseph Ratzinger als Papst eine Wandlung vollzieht“.

Als längst überfälligen Schritt für den ökumenischen Dialog mit den Protestanten nannte Hasenhüttl die Aufhebung der Exkommunikation Luthers. Hasenhüttl war von seinem Priesteramt suspendiert worden, weil er 2003 am Rande des Ökumenischen Kirchentags in Berlin ein gemeinsames Abendmahl mit Protestanten gefeiert hatte.

„Kein engstirniger, verschlossener Mensch“

Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, begrüßte das Bekenntnis Benedikts XVI. zur Ökumene. Die Tatsache, daß Joseph Ratzinger sich in seiner ersten Predigt als Kirchenoberhaupt zum Dialog mit anderen Konfessionen verpflichtet habe, zeige, daß er „kein engstirniger, verschlossener Mensch“ sei, sagte Kasper in Radio Vatikan.

Aus einer starken Position heraus habe Ratzinger immer wieder theologische Kontroversen geführt, das werde er „als Papst nicht mehr in der gleichen Weise tun können“. Der Limburger Bischof Franz Kamphaus erhofft sich vom neuen Papst eine Stärkung der katholischen Bischöfe. Ratzinger sei als Theologe dafür eingetreten, das Gewicht der Kirchen vor Ort zu stärken, sagte Kamphaus der „Frankfurter Rundschau“. „Ich erinnere mich noch gut an die entsprechenden Vorlesungen. Es wäre gut, wenn das jetzt umgesetzt würde.“

Huber hofft auf Fortschritte in der Ökumene

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, äußerte abermals seine Hoffnung auf Fortschritte in der Ökumene. Evangelische und katholische Christen seien in ihren Wurzeln aufs Engste miteinander verbunden, so der Berliner Bischof in einem Brief an den Papst.

Viele Christen sehnten sich nach einer vertieften Gemeinschaft der Kirchen. Besonders Menschen in evangelisch-katholisch gemischten Familien wünschten sich, gemeinsam Eucharistie oder Abendmahl miteinander feiern zu können.

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