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Rechtsterrorismus : Der Plan hinter den Morden

Tatwaffe: Mit einer solchen Pistole mordete Tobias R. in Hanau. Bild: Askild Antonsen

Rechtsterroristen morden nicht ohne Hintergedanken. Sie wollen einen Bürgerkrieg auslösen. Der Täter von Hanau folgte ihrer Strategie. Manche nennen sie die „Werwolf“-Methode.

          8 Min.

          Ein Mann geht mit einer Pistole in eine Shisha-Bar und drückt ab. Seine Opfer kennt er nicht. Er will sie nur deshalb töten, weil sie Migranten sind oder die Kinder oder Enkel von Migranten. Der Mann ist ein Rassist und psychisch krank. Er glaubt an Außerirdische, an Gedankenübertragung und an die Überlegenheit der weißen Rasse. Selbst in der Logik seines Wahnsinns ergibt die Tat keinen Sinn. Er träumt davon, die halbe Welt zu vernichten. Er will weite Teile Nordafrikas, Zentralasiens, Südostasiens sowie des Nahen und Mittleren Ostens entvölkern. Was hilft es ihm, zehn Unschuldige in Hanau zu ermorden?

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Widerspruch kehrt immer wieder. Rechtsterroristen nehmen keine Verbandspräsidenten als Geisel oder fordern die Freilassung politischer Gefangener. Sie stellen auch keine Ultimaten oder entführen Flugzeuge. Sie nehmen einfach wahllos einfache Bürger, die sie für minderwertig halten, an alltäglichen Orten ins Visier. Beim NSU war es der Blumenverkäufer am Straßenrand oder der Besitzer eines Internetcafés. Bei Stephan B. in Halle waren es Juden in der örtlichen Synagoge und Passanten. Bei Tobias R. in Hanau waren es Besucher von Shisha-Bars. Danach erschießen sich die Täter oder werden verhaftet. Wozu das alles? Es wirkt, als wären ihre Verbrechen nicht nur moralisch, sondern auch in der Logik ihrer Verblendung ohne Sinn und Verstand begangen worden. Als wäre es nur Mordlust gewesen, die sie trieb.

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