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Kommunistische Partei : Die Letzten ihrer Art

  • -Aktualisiert am

Gerd Schulmeyer ist 67 Jahre alt und der Chef der Kommunisten. Bild: Ricardo Wiesinger

Die Deutsche Kommunistische Partei führt ein Schattendasein. Nur nicht in Mörfelden-Walldorf. Da drängt sich eine einfache Frage auf: Warum?

          6 Min.

          Wer in Zeiten, da die kommunistische Idee weithin als gescheitert gilt, am Gedanken der Revolution festhält, kann womöglich gar nicht anders, als im Kleinen zu beginnen. Mit zwei Feuerwehrgerätehäusern im Südhessischen zum Beispiel. Es ist ein Donnerstagmittag in Mörfelden-Walldorf, als Gerd Schulmeyer, 67 Jahre alt und der Chef der Kommunisten im Ort, mit einem Stapel der Parteizeitung in seiner roten Umhängetasche zum Wochenmarkt aufbricht. Eine Handvoll Genossen, mit Ausnahme eines jungen Mannes ergraute Herren, hat gegenüber der Gemüseverkäuferin schon den Infostand aufgebaut. Auf mit Klebefilm zusammengehaltenen Blättern steht die Parole der Stunde: „Für den Erhalt der beiden Feuerwehrgerätehäuser in Mörfelden und Walldorf.“

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Sache mit den Feuerwehrgerätehäusern ist ein Aufreger in der Doppelstadt, schon weil alles, was den vor vierzig Jahren fusionierten Orten Mörfelden und Walldorf an Eigenständigkeit nimmt, hier ein Aufreger ist. Der SPD-Bürgermeister und die Koalition aus Sozialdemokraten, Liberalen und Freien Wählern in der Stadtverordnetenversammlung wollen die Gerätehäuser in den Ortsteilen schließen und stattdessen ein neues, zentrales Gebäude bauen. Das sei günstiger. Nicht nur die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) widerspricht, aber bei ihr fügt sich das in eine größere Erzählung, nachzulesen in der September-Ausgabe des „blickpunkts“, den die Genossen auf dem Walldorfer Marktplatz verteilen: Demnach ist das Vorhaben nur ein Baustein in der langfristigen Strategie der Koalition, „um unsere Stadt weiter neoliberal umzukrempeln“.

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