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Gaucks politisches Erbe : Weites Herz, endliche Möglichkeiten

  • -Aktualisiert am

Bundespräsident Joachim Gauck nach seiner Presseerklärung am Montag Bild: AFP

Joachim Gauck strahlt Ruhe und Souveränität aus, und er gilt als die Verkörperung von Überparteilichkeit. Wie der Bundespräsident nach zwei gescheiterten Vorgängern die Würde des Amtes wiederherstellte – und warum er trotz seiner Beliebtheit nicht wieder antreten will.

          Bis zum Ende hat er die Ruhe und Souveränität durchgehalten, die so sehnlich von ihm erhofft worden war. Am Montagmittag, Punkt 12 Uhr, betrat Joachim Gauck den Großen Saal des Schloss Bellevue und sagte, was die Spatzen schon seit Tagen vom Schlossdach pfiffen: „Heute nun möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich entschlossen habe, nicht erneut für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.“ Allein die Formulierung dieser Botschaft, verziert lediglich mit einem winzigen „nun“, das inhaltlich zwar überflüssig war, aber gut zum erzählerischen Vortragsstil Gaucks passt, ließ den nicht einmal fünf Minuten währenden Auftritt ganz und gar unaufgeregt erscheinen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Man musste schon mit der Lupe suchen, um einen kleinen Moment zu finden, bei dem das Stutzen erlaubt war. Ganz am Anfang hatte er gesagt, dass er sein Amt mit „Respekt und auch mit Freude“ ausübe. Und dann: „Und ich werde es weiter ausüben.“ Doch bevor der Zuhörer überhaupt Anlauf zum Staunen nehmen konnte, folgte der zweite Teil des Satzes: „Bis zum 17. März 2017.“ Die Spatzen hatten also recht gehabt. Joachim Gauck belässt es bei einer Amtszeit.

          Auch die Begründung war frei von Überraschungen. Natürlich war Gauck kein junger Kerl mehr, als er 2012 das Amt übernahm, sondern ein im und am Leben gereifter Mann von 72 Jahren. Doch selbst Auftritte in drückender Berliner Sommerhitze absolvierte er ohne größere körperliche Probleme. Es waren wohl nicht seine Ärzte, die ihm von einer zweiten Amtszeit abgeraten haben. „Ich bin dankbar, dass es mir gut geht“, sagte Gauck am Montag.

          Keine ideale Entscheidung

          Gleichwohl hat der nüchterne Blick auf sein gegenwärtiges Alter ihm klar gemacht, dass eine weitere fünfjährige Amtszeit vom Februar nächsten Jahres an eine andere Qualität haben würde als die zu Ende gehende. Ihm sei bewusst, dass „die Lebensspanne zwischen dem 77. und 82. Lebensjahr eine andere ist als die, in der ich mich jetzt befinde. Gauck wollte und will für ein weiteres halbes Jahrzehnt nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, „für die ich nicht garantieren kann“. Der Sieg der Vernunft über die vermutlich auch vorhandene Verlockung, weiter im höchste deutschen Staatsamt zu bleiben, in dem Gauck sich erkennbar wohlfühlt.

          Eine ideale Entscheidung Gaucks gab es für Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht. Natürlich wusste er längst, dass sie und viele andere Spitzenpolitiker eine zweite Kandidatur befürwortet hätte. Gauck wäre – frei von Parteiengezänk – mit einer großen Mehrheit für eine weitere Amtszeit gewählt worden. Doch andererseits hat Merkel in ihrer Zeit als Kanzlerin zwei aus ihrer Sicht fürchterliche Erfahrungen mit dem vorzeitigen Ende der Amtszeit von Bundespräsidenten gemacht. Am 31. Mai 2010 hatte Merkel der völlig überraschende Rücktritt des von ihr zusammen mit dem damaligen FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle noch zu Oppositionszeiten ins Amt manövrierten Horst Köhler zu Beginn seiner zweiten Amtszeit wie ein Schlag aus heiterem Himmel getroffen.

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