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Deutschland und Frankreich : Darum ist der Aachener Vertrag eine große Chance

  • -Aktualisiert am

Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt im Juli 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bild: dpa

Mehr denn je ist die deutsch-französische Freundschaft auf gesellschaftliches Engagement angewiesen. Dafür muss der Aachener Vertrag konkrete Anreize schaffen. Ein Gastbeitrag der Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

          Vor über einem halben Jahrhundert legten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit dem Élysée-Vertrag den Grundstein für ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben zwischen Deutschland und Frankreich – ein politisches Wunder nach zwei Weltkriegen mit Millionen Toten und inmitten des Kalten Krieges.

          Doch selbst gute Freunde können sich auseinanderleben und etwa in Verteidigungs- oder Wirtschaftsfragen ist man sich dies- und jenseits des Rheins seit Jahren uneins. Die Neuauflage des Freundschaftsvertrags ist daher alles andere als nur symbolisch. Nur wenn es die Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs zukunftssicher macht, kann Europa die gewaltigen Herausforderungen meistern, vor denen es steht.

          Nicht nur ein „Weiter so!“

          Denn auch heute noch ist eine enge deutsch-französische Kooperation zentral: Sie sorgt für Stabilität innerhalb der Union. Damit stärkt sie die europäische Position in der Welt. Und als Labor des interkulturellen Lernens ist sie auch Inspirationsquelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in anderen Regionen, wie etwa auf dem Balkan, wo 2016 nach dem Vorbild des Deutsch-Französischen Jugendwerks das Westbalkan-Jugendwerk gegründet wurde.

          Generalsekretärin Béatrice Angrand

          Ein „Weiter so!“ wäre daher nicht genug. Es käme einer schulterzuckenden Kapitulation vor Europaskepsis, Politikverdrossenheit und Nationalismus gleich. Identifikation mit der europäischen Idee kann nur durch eine starke Einbindung der Bürgerinnen und Bürger entstehen. Es muss daher maßgeblicher Bestandteil des neuen Vertrags sein, gesellschaftliches Engagement zu fördern. Und zwar durch dreierlei: durch neue politische Rahmenbedingungen, Anreize für Initiativen aus der Zivilgesellschaft und die Einbindung derer, die die deutsch-französische Freundschaft in Zukunft gestalten werden: junge Menschen verschiedenster sozialer und geografischer Herkunft.

          1. Politik: Mit mehr als 2000 Städtepartnerschaften sind Deutschland und Frankreich so eng vernetzt wie mit sonst kaum einem anderen Land. Sie sind eines der wirksamsten Instrumente, um den europäischen Zusammenhalt quer durch alle Gesellschaftsschichten hinweg zu stärken, wie die Bertelsmann-Stiftung Anfang letzten Jahres darlegte. Doch die Zusammenarbeit der Bundesländer und der französischen Regionen erstreckt sich auch auf wirtschaftliche Beziehungen, gemeinsame Projekte in der Forschung und im Umweltschutz oder etwa auf sportlichen und kulturellen Austausch. Hier liegt ein enormes Potential, das es auszuschöpfen gilt.

          Während der Élysée-Vertrag die Regierungen auf Bundesebene bereits zu regelmäßigen Treffen und Absprachen in Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik verpflichtet, beruht die Zusammenarbeit auf Länderebene noch zu sehr auf Einzelinitiativen. Der Aachener Vertrag sollte Rhythmus, Zeitpunkt und Intensität des deutsch-französischen Austauschs daher auch auf regionaler Ebene festschreiben und dort nachhaltig im Alltag verankern.

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