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Deutschland und Frankreich : Darum ist der Aachener Vertrag eine große Chance

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Bayern braucht ebenso wie seine Partnerregion Grand Sud ein zeitgemäßes Bildungsangebot, sie muss ihre regionale Wirtschaft entwickeln oder Maßnahmen für mehr Umweltschutz entwickeln. Hier kann regelmäßiger Austausch Synergien schaffen: Er hilft dabei, ähnliche Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam Lösungskonzepte zu finden.

2. Zivilgesellschaft: Wie kann, wie soll sich die deutsch-französische Freundschaft im Leben eines Azubis, einer Bürgermeisterin, eines Firmenchefs oder einer Fußballtrainerin widerspiegeln? Die regionale und lokale Vernetzung ist ein Katalysator für die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich, sie macht die Verbundenheit beider Länder spürbar: Schulaustausch kann tiefe Freundschaften entstehen lassen, wirtschaftliche Beziehungen erschließen neue Märkte und Schnupper-Praktika im Nachbarland prägen ganze Karrieren.

Diese Formen der Zusammenarbeit, insbesondere in Grenzgebieten, müssen gefördert werden: Ein eigener Fonds für zivilgesellschaftliche Initiativen sollte finanzielle Unterstützung leisten; eine juristische Angleichung der Vereinswesen beider Länder – oder gar ein europäisches Vereinsrecht – würde gemeinsame Projekte vereinfachen; und von der länderübergreifenden Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen würden endlich nicht nur junge Menschen in Ausbildung profitieren, sondern auch die Unternehmen.

3. Jugend: Nicht nur die anstehenden Wahlen des Europäischen Parlaments machen 2019 zu einem Schlüsseljahr für die EU. Auch Deutschland und Frankreich können mit dem Aachener Vertrag entscheidende Weichen für eine erfolgreiche europäische Zukunft stellen. Wer dem Vorwurf, Europa sei ein Elitenprojekt, etwas entgegensetzen will, muss alle mitnehmen: Nicht nur junge Menschen, denen weder finanzielle noch sprachliche oder soziale Hürden den Zugang zu Schulaustausch, Gap-Year und Erasmus-Semester verbauen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron im November 2018 bei einem Treffen des Deutsch-Französischen Jungendwerks in Berlin

Jeder muss, darf, soll spüren, was es heißt, Europäer zu sein. Eine Bäckerei-Auszubildende aus Duisburg-Marxloh soll Kolleginnen und Kollegen in Calais kennenlernen, ein Berufsschüler aus der Pariser Vorstadt einen Sprachkurs in Deutschland machen und ein junger Arbeitssuchender aus Lyon ein Praktikum in der Partnerstadt Leipzig absolvieren können.

Jugendaustausch zwischen Deutschland und Frankreich, aber auch mit anderen Ländern der EU und ihren Nachbarn kommt hier eine entscheidende Rolle zu: Er vermittelt interkulturelle und sprachliche Kompetenzen, schafft Offenheit und ein Bewusstsein für europäische Werte und ist so nicht nur ein persönlicher oder beruflicher Gewinn für jeden Jugendlichen, sondern für unsere ganze Gesellschaft. Es gilt ihn daher gezielt auszubauen: Wir müssen erfolgreiche Angebote, wie etwa den deutsch-französischen Freiwilligendienst, stärken und neue Formate schaffen, in denen alle jungen Menschen die Zukunft Europas aktiv mitgestalten können und mit ihren Ideen und Bedürfnissen gehört werden.

Der Aachener Vertrag ist eine große Chance. Ihn mutig zu gestalten ist eine Pflicht und seine Aufgabe keine geringere als diese: Menschen in Deutschland und Frankreich müssen wieder Lust haben, die deutsch-französischen Beziehungen zu intensivieren und den Mut, an Europa zu glauben.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) wurde 1963 mit dem Élysée-Vertrag geschaffen und hat den Auftrag, „die Beziehungen zwischen der deutschen und französischen Jugend innerhalb eines erweiterten Europas zu fördern“. Seitdem haben knapp nein Millionen junge Menschen aus Deutschland und Frankreich an über 320.000 Austauschprogrammen teilgenommen.

Béatrice Angrand leitet das DFJW seit 2009 als Generalsekretärin.

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