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Warnung vor Terror : Botschaften im Jemen geschlossen

Verlassen: Die amerikanische Botschaft in Sanaa am Mittwoch. Bild: Reuters

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich schließen wegen des Vorrückens der Houthi-Milizen im Jemen ihre Botschaften in der Hauptstadt Sanaa. Die deutsche Regierung hat eine andere Lageeinschätzung.

          Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Frankreich schließen ihre Botschaften in Sanaa und rufen ihre Bürger auf, den Jemen zu verlassen. Der im britischen Außenministerium für den Mittleren Osten zuständige parlamentarische Staatssekretär Tobias Ellwood sagte am Mittwoch, die Lage in dem arabischen Land habe sich in den vergangenen Tagen so sehr verschlechtert, dass die Angehörigen der Botschaft hätten abgezogen werden müssen. Nach Angaben des Außenministeriums in Washington wurden die amerikanischen Botschaftsmitarbeiter am Mittwoch außer Landes gebracht. Paris kündigte an, die Botschaft am Freitag zu schließen und den Botschafter abzuziehen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Dienstag war es schiitischen Houthi-Rebellen gelungen, große Teile der Provinz Baida im Süden des Landes zu erobern. Unterstützt wurden sie dabei nach Angaben von Militärs in Sanaa offenbar von Angehörigen der Republikanischen Garde, die dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih die Treue halten.

          Die Regierung in Berlin forderte deutsche Bürger im Jemen auf, das Land zu verlassen, will aber mit Blick auf eine Schließung der Botschaft vorerst abwarten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Mittwoch: „Wir beobachten die Situation im Jemen sehr aufmerksam. Die Sicherheitslage im Jemen ist schon längere Zeit angespannt. Wir haben unsere bereits hohen Sicherheitsmaßnahmen laufend angepasst und werden dies im Lichte der weiteren Entwicklungen weiterhin tun.“ Gleiches gelte auch für die Reise- und Sicherheitshinweise, die am Dienstag abermals aktualisiert wurden. In vergleichbaren Situationen – wie zuletzt etwa in Libyen – bewertet das Auswärtige Amt täglich neu, ob es eine Schließung der Botschaft für geboten hält. Zunächst werden die diplomatischen Vertretungen in solchen Situationen auf eine Kernmannschaft reduziert, Angehörige werden schon vorher ausgeflogen.

          In einer Fernsehansprache hatte der Anführer der Houthi-Rebellen, Abd al Malik al Houthi, die sunnitischen Golf-Staaten am Dienstagabend davor gewarnt, „Chaos“ im Land zu erzeugen, um der Wirtschaft und der Bevölkerung zu schaden. Seine Rebellen, die der zaiditischen Minderheit im schiitischen Islam angehören, werden unterstützt vom schiitischen Regime in Iran, die Regierung des entmachteten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi stützt sich auf Hilfe Saudi-Arabiens und anderer Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC). Auch der UN-Sonderbeauftragte für den Jemen, Jamal Benomar, der am Mittwoch in Sanaa weiter versuchte, die Konfliktparteien zu einer friedlichen Lösung der Krise zu bewegen, beharrt auf einer Rückkehr Hadis ins Amt.

          Das aber scheint fünf Monate nach dem Einmarsch der Houthi-Rebellen in die Hauptstadt kaum noch realistisch. Benomar sagte, das Land befinde sich am „Scheideweg“. Erst am Wochenende hatte Abdul Malik al Houthi das Parlament für aufgelöst erklärt und die Einsetzung eines eigenen Präsidialrats verkündet. Für Mittwoch, den Jahrestag des Aufstands gegen Präsident Salih, rief er seine Anhänger zu abendlichen Jubelfeiern in der Hauptstadt auf. Versammlungen von Gefolgsleuten des weiter unter Hausarrest stehenden abgesetzten Hadi hatten Houthi-Milizionäre in den vergangenen Wochen immer wieder gewaltsam aufgelöst

          Houthi-Milizen in Sanaa am Mittwoch.

          Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA, der seine Aktivitäten im Jemen zumindest teilweise von dem Botschaftsgelände in Sanaa aus koordinierte, äußerte sich am Mittwoch nicht dazu, ob er ebenfalls Mitarbeiter abziehe. Das Pentagon teilte mit, dass sich nach wie vor Sondereinsatzkräfte im Land befänden, die Antiterroroperationen durchführen könnten. In Washington heißt es, auch der Einsatz von Drohnen werde fortgesetzt. Die CIA soll seit dem Putsch der antiamerikanischen Houthi drei Drohnenangriffe im Jemen geführt und dabei nach französischen Angaben einen hohen Führer der Gruppe Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) getötet haben, der den Anschlag von Paris öffentlich bejubelt hatte.

          Das französische Außenministerium bestätigte am Mittwoch, dass bei einem amerikanischen Drohnenangriff im Süden des Jemen am 2. Februar vier Aqap-Terroristen getötet wurden. Unter den Toten ist demnach Harith Al Nadhari, der in einer Videoaufzeichnung die Terroranschläge im Januar in Frankreich als Akt der Vergeltung feierte und mit neuen Angriffen drohte. Al Nadhari soll die Kouachi-Brüder ausgebildet haben, die Terroristen, die ein Blutbad in der Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ angerichtet hatten, hieß es in Paris.

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