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Walter Scheel kritisiert „Das Amt“ : „Diffamierungen ohne jeden Beleg“

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Der frühere Bundespräsident Walter Scheel (FDP) stand von 1969 bis 1974 auch dem Auswärtigen Amt vor. Nun widerspricht der 92 Jahre alte Scheel den Ergebnissen des von Historikern publizierten Buches „Das Amt und die Vergangenheit“ Bild: dpa

Die Behauptung, im Außenministerium seien Spuren der NS-Vergangenheit vertuscht worden, sei „schlichtweg Unsinn“, schreibt der frühere Bundespräsident Walter Scheel in einem F.A.Z.-Gastbeitrag als Reaktion auf das neue Vorwort zum Buch „Das Amt und die Vergangenheit“.

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          Der frühere Bundespräsident und ehemalige Außenminister Walter Scheel hat das Buch „Das Amt und die Vergangenheit“, das sich mit der nationalsozialistischen Geschichte des Außenministeriums befasst, scharf kritisiert.

          „Diese Streitschrift vieler Autoren darf nicht zum Standardwerk zur Geschichte des Auswärtigen Amts avancieren, aus dessen Haushalt es finanziert ist“, schreibt Schell in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z. - Mittwochsausgabe).

          „Im Widerspruch zu meiner Erfahrung“

          Das Bild, das der Kommissionsbericht vom Auswärtigen Dienst der Nachkriegszeit zeichne, „steht im Widerspruch zu meiner Erfahrung.“ Scheel, der von 1969 bis 1974 Außenminister war, äußert, er habe keinen Mitarbeiter erlebt, „der die Ansicht vertrat, das Amt sei in den zwölf Jahren ein Hort des Widerstandes gewesen, oder der dessen Verstrickung in die Aggressions- und Vernichtungspolitik des NS-Staats geleugnet hätte.“

          Er fügt aber hinzu: „Die Behauptung, selbst jüngere Generationen im Dienst hätten gesucht, belastende Spuren der Vergangenheit zu vertuschen, ist schlichtweg Unsinn.“

          Ganz im Gegenteil: „Heute blicken wir mit Stolz zurück auf eine große diplomatische Aufbauleistung“, schreibt der einstige Außenminister in der F.A.Z. Scheel vermisst zudem bei den Autoren der Studie „Diskussionskultur“. Es sei „bedauerlich, dass man die Archivare des Amtes ohne jeden Beleg öffentlich diffamieren kann.“

          Es erstaune, dass die vier Herausgeber des Berichts der unveränderten Neuauflage „eine neue, polemische Einleitung geben, die in nichts zurücksteckt.“ Scheel meint, die Streitschrift könne nur „Pflichtlektüre in den Händen unseres Nachwuchses für den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik“ bleiben, „wenn ihr ein kritischer Kommentar der Fachwissenschaft zur Seite gestellt wird.“


           

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