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Wahlschlappe der Union : Merz macht Merkel mitverantwortlich

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Niemand hat Merz ins „Kompetenz-Team” gerufen Bild: picture-alliance/ ZB

Kurz vor der dritten Sondierungsrunde zu einer großen Koalition hat der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz das Personalangebot der Union für ihr schlechtes Abschneiden bei der Wahl verantwortlich gemacht - und damit auch Angela Merkel und ihr „Kompetenzteam“. In der Gunst der Wähler profitiert Merkel vom Ringen ums Kanzleramt.

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          Kurz vor der dritten Sondierungsrunde zu einer großen Koalition hat der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz Angela Merkel indirekt für das schwache Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht.

          In einer Kolumne für die „Wirtschaftswoche“ rechnete Merz vor, etwa 2,6 Millionen Wähler, die der Union die Erststimme gegeben hätten, mochten die Union mit der Zweitstimme nicht wählen. Merz schrieb: „Das Potential der CDU kommt in den Erststimmen mit 40,8 Prozent zum Ausdruck. Nur 35,2 Prozent bei den Zweitstimmen sind eine überdeutliche Antwort der Wähler auf Wahlprogramm und personelles Angebot der Union.“

          Merz skeptisch über große Koalition

          Merz selbst war nicht in Merkels sogenanntes Kompetenzteam berufen worden, was auf die schlechte Beziehung zwischen der Kanzlerkandidatin und ihm zurückgeführt wird. Als Schatten-Finanzminister hatte Merkel statt dessen den früheren Verfassungsrichter Paul Kirchhof vorgestellt, der auch in der Union vielfach für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht wurde.

          Friedrich Merz war mal Vorsitzender der Fraktion

          Trotzdem habe die Union, „wenn auch erheblich geschwächt in ihrer Position“, „den Auftrag zur Regierungsbildung“, schrieb Merz, ohne hierbei Merkel zu nennen. Die Chancen einer großen Koalition beurteilt Merz skeptisch. Der Erfolg „steht und fällt mit der Lösung des Beschäftigungsproblems.“ Zwischen Union und SPD seien jedoch gerade die entscheidenden Arbeitsmarktfragen „höchst strittig“. Wenn aber abzusehen sei, daß der neuen Regierung die Lösung des Beschäftigungsproblems nicht bald gelinge, „dann sollte man ihr schon am Anfang ein schnelles Ende wünschen. Alles andere kostet nur noch mehr Zeit“.

          Umfrage: 34 Prozent wollen Merkel als Kanzlerin

          Ohne Klärung der Kanzlerfrage sind SPD und CDU am Mittwoch nachmittag in Berlin zu einem dritten Sondierungsgespräch über die Chancen einer großen Koalition zusammengetroffen. Spitzenpolitiker beider Lager bekräftigten vor dem Treffen den Anspruch ihrer Kandidaten auf das Kanzleramt. (Siehe auch: Sondierung: Die Union besteht auf ihrer Kanzlerkandidatin)

          Nach einer Umfrage des Instituts Forsa wünschen sich mittlerweile 34 Prozent der Deutschen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel als Kanzlerin. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als in der Woche zuvor. 26 Prozent wünschen sich Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) auch künftig als Kanzler (Vorwoche: 28 Prozent). 22 Prozent (Vorwoche: 23 Prozent) favorisieren einen anderen Politiker als Bundeskanzler, fand das Institut im Auftrag des Senders NTV heraus. Es befragte dafür am 4. Oktober 1002 Personen.

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