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Wahlkampf : Und immer wieder zieht es sie nach Wilkes-Barre

Im Kirby Center: John Kerry Bild: AP

Soccer-Moms, Kids mit Zahnspangen, Schulbands in weinroten Kostümen: Kerry und Bush am Ground Zero des amerikanischen Wahlkampfs. Warum die unscheinbare Gemeinde besonders beliebt im Stimmenfang ist.

          Wilkes-Barre. Die Sandwiches, die sie ihm aus dem nahe gelegenen Westmoreland Club gebracht haben, läßt der Kandidat erst einmal links liegen. Die Agenten des Secret Service, die ihn seit geraumer Zeit beschützen - beinahe so, als sei er schon Präsident der Vereinigten Staaten, aber eben nur beinahe -, untersuchen das Essen noch, da läuft John Kerry hinaus auf die Bühne, hinein in den Jubel von Leuten, die er nicht mehr überzeugen muß, die seinen Namen rufen und mit ihm einig sind in dem einen heißen Wunsch, den sie jetzt skandieren: "Two more weeks, two more weeks!"

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In den letzten Tagen eines amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs glichen noch alle Kandidaten politischen Fallschirmjägern: Von ihren Wahlkampfstrategen auf Grundlage der jüngsten Umfragen und einer hochkomplizierten Wahlarithmetik in immer kürzeren Abständen in einer immer kleiner werdenden Anzahl von Bundesstaaten abgesetzt, erfüllen sie diszipliniert ihre Mission - eine Rede im Sportstadium hier, ein Jagdausflug für die Fotografen da. Und das nur, damit in den Sechs-Uhr-Nachrichten zum Beispiel Anchorwoman Lyndall Stout vom Regionalsender WBRE den Kandidaten in einem Meer von Rot, Weiß und Blau zeigen und verkünden kann: "Präsident Bush führte der Wahlkampf heute abermals in unsere Region..."

          Die eigentümliche Vorliebe

          Manchen Gemeinden des Landes wird so eine geradezu beängstigende Aufmerksamkeit zuteil, auch sonst eher so unauffälligen wie Wilkes-Barre in Pennsylvania mit seinen 42000 Einwohnern. Wer sich in der vergangenen Woche hier aufhielt, konnte am Dienstag Kerry vor 1800 Loyalisten erleben, auf der Bühne des "F.M. Kirby Center", wo sonst Illusionisten und Musical-Truppen aus New York gastieren.

          In der „Wachovia Arena”: George W. Bush

          Am Freitag dann trat George Bush in der "Wachovia Arena", wo normalerweise das lokale Eishockeyteam, die "Penguins", seine Spiele gewinnt, vor mehr als 10000 Fans; zweimal zuvor war er schon dagewesen - einmal sogar auf der gleichen Theaterbühne wie nun Kerry. Die eigentümliche Vorliebe der politischen Klasse hat einen Grund: Pennsylvania gehört zu jenen Bundesstaaten, die beide Kandidaten unbedingt gewinnen müssen. Bushs Besuch in der "Arena" war sein 41. im "Keystone State", dem "Schlußstein-Staat", seit er ins Amt kam, nur im heimatlichen Texas war er öfter; Kerry war schon mehr als zwanzigmal da.

          Spiel, Satz, Sieg!

          Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, schon laufen im Fernsehen des Staates Wahlwerbespots mit bedrohlicher Musikuntermalung: "John Kerry und die Linken im Senat haben einen Plan für das Gesundheitswesen..." Fast könnte man denken, Bush und Kerry kandidierten für den Stadtrat, so allgegenwärtig scheinen sie zu sein. Marie Gottschalk, die an der University of Pennsylvania Politikwissenschaften unterrichtet, formuliert es drastischer: "Wir kommen uns hier vor, als seien wir der Ground Zero dieses Wahlkampfes."

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