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Reaktionen in Berlin : „Schwarz-Gelb ist nicht gewollt in diesem Land“

Bild: reuters

Mit der Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung in Thüringen und einen SPD-Ministerpräsidenten im Saarland sprechen Steinmeier und Müntefering von einem „guten Wahlabend“. Die Linkspartei verzichtet auf Schadenfreude, bei der FDP mischen sich laute Freude und stilles Entsetzen, die Grünen sehen den „Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels“.

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          Aus wenig viel oder doch wenigstens das Beste zu machen, hat an diesem Wahlabend der Auftrag an die Rechenkünstler und Politik-Interpretatoren der Volksparteien gelautet. Jede der drei Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und in Thüringen sowie die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen wäre in den Berliner Parteizentralen für sich genommen als regionales Ereignis ohne ausschlaggebende bundespolitische Bedeutung gewertet worden.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Das Zusammenfallen der Wahlen und der Termin vier Wochen vor der Bundestagswahl aber ließ die politischen Stäbe vibrieren. Sie wussten, dass die Ergebnisse die Schlussphase des Wahlkampfes prägen würden, von dem manche sagten, er beginne eigentlich erst jetzt. Chancen für Schwarz-Gelb? Niedergang der SPD? Rot-Rot in einem westdeutschen Bundesland? Rot-Rot-Grün? Die Prognosen waren zu diffus, als dass sich die Leute des Berliner Binnenbetriebes vorab hatten festlegen wollen, welche Signale aus dem Gemischtwarenladen der Ergebnisse abzuleiten seien.

          CDU: „Licht und Schatten“

          Besonders schwierig war die Erläuterung der Ergebnisse für die Union, weil sie für die CDU noch schlechter ausfielen, als es im Adenauer-Haus erwartet worden war. „Licht und Schatten“ lautete dann die schichte Metapher, die Generalsekretär Pofalla benutzte. Für etwas Licht sorgte Sachsen. „Dort wird es zu Schwarz-Gelb kommen“, sagte Pofalla. Der Schatten fiel aus Sicht der CDU auf Thüringen, was erwartet worden war, aber mehr noch auf das Saarland, was so düster niemand hatte kommen sehen. Der zweistellige Absturz der CDU in den beiden Ländern, in denen sie seit zehn Jahren allein regiert hat, sorgte im Adenauer-Haus für Stille. (Siehe auch: CDU geschockt: Das hat niemand kommen sehen)

          „Unser Land kann mehr“, haben die Manager der SPD hinter den Rednermikrophonen plakatiert, an denen später Frank-Walter Steinmeier, der Kanzlerkandidat, und Franz Müntefering, der Parteivorsitzende Mut und Aufbruchstimmung verbreiten sollten. Und anders als vor den Ferien - nach der Europa-Wahl - geben sich die jungen Leute im Atrium des Willy-Brandt-Hauses alle Mühe mit dem Klatschen und dem Jubeln. Immer wenn aus den umstehenden Monitoren Hinweise zu hören sind, die CDU habe verloren und Schwarz-Gelb habe keine Mehrheiten, rufen sie ihr „Jawoll“, und manche strecken im Überschwang auch die Faust in die Luft. „Auch hier reicht es nicht für Schwarz“, ist aus dem Saarland zu hören. „Gut so.“ Althaus sei ohne Mehrheit: „Jawoll“. Björn Böhning, der Sprecher der Parteilinken, kennt schon das, was später Steinmeier und Müntefering intonieren werden: „Schwarz-Gelb hat in Deutschland keine Mehrheit.“

          „Die Botschaft scheint verstanden“

          Sphinxartig und anders hatte sich Kajo Wasserhövel, der SPD-Bundesgeschäftsführer, zuletzt noch geäußert, die Wahlen hätten eine „enorme Bedeutung - für die Lage in den Ländern“. Nach zwei Fehlstarts in ihrem Wahlkampf - zunächst hatte sie bei der Europa-Wahl schlechter als von ihr erwartet abgeschnitten, dann wurde die Präsentation des „Deutschland-Plan“ des Kanzlerkandidaten von der Dienstwagen-Angelegenheit Ulla Schmidts medial überlagert - erhoffte sich die Führung der SPD Rückenwind von den Landtagswahlen am Sonntag.

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