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Der Wahlabend im Fernsehen : Die Linke dominiert alles

  • -Aktualisiert am

Althaus Leid, der Linken Freud: Die Thüringer CDU verliert ihre absolute Mehrheit Bild: AP

An diesen Sonntagabend im Fernsehen wird man sich vielleicht erinnern, als den Abend, an dem sich der Linkspartei alles unterordnete - außer Hans-Dietrich Genscher. Maybrit Illner verpasst eine große Chance, Sabine Christiansen und Stefan Aust scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.

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          Auch Jörg Schönenborn kann es nicht lassen, mit seinem Herrschaftswissen zu prahlen. Die ARD war gerade erst auf Sendung gegangen, da ließ der WDR-Chefredakteur um kurz nach halb sechs durchblicken, „einige Zahlen“ zu kennen, die er leider nicht verraten dürfe. Aber gut. Zum Einen verfuhr Schönenborn hier um Einiges diskreter als der „Twitter“-Nutzer, der einige der Wahlprognosen schon um halb fünf durch die Republik geflötet haben soll. Zum Anderen ist man als Fernsehzuschauer ja für fast alles dankbar, was auf einen spannenden, aber zügigen Verlauf eines Wahlabends hindeutet: für jede Prognose, die sich im Groben halten lässt, für jeden Interviewpartner, dem nichtssagende Floskeln misslingen, für jeden Fernsehsender der um- und abschaltet, wenn vorerst alles gesagt ist.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Lafontaine passt die „Tagesschau“ ab

          So gesehen, war man an diesem Wahlabend im Ersten tatsächlich nicht schlecht aufgehoben. Um zwanzig Uhr, pünktlich zur „Tagesschau“, schien hier alles gesagt. Zwar fehlte noch Oskar Lafontaine, der die „Tagesschau“ abpassen wollte und eine clever arrangierte Live-Schaltung bei Anne Will. Auf Lafontaine aber kam es, Triumph im Saarland hin oder her, nicht an - sondern zunächst auf das, was Sozialdemokraten und Grüne zum künftigen Umgang mit der Linken sagte. Und die sagten durchweg, auch wenn Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie das Blitzinterview mit dem Ersten dazu nutzte, Bodo Ramelow einen Moment lang den Sauerstoff zu entziehen (Matschie verlor sich kurz darauf noch einmal ins Studio, um sich in einem zweiten Anlauf nebulöser zu geben): Denkbar ist alles, was Schwarz-Gelb verhindert. Dass führende Sozialdemokraten die Zusammenarbeit auf Bundesebene weiter ausschlossen wie Müntefering, Heil und später Sigmar Gabriel, fiel nicht weiter ins Gewicht.

          Journalisten waren zu desinteressiert, wenn es um das Erfolgsgeheimnis der FDP ging

          Trotzdem hatte dieser Abend im Ersten einen Mangel: Sicher gelang das Kunststück, Ergebnisse von gleich drei Landtagswahlen zu melden, den Spitzenkandidaten knappe Stellungnahmen zu entlocken, fortlaufend aktualisierte Zahlen einzublenden und zwischendrin eine „Berliner Runde“ zu inszenieren, in der Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke ebenfalls um Freundlichkeiten in Richtung Linke bemüht war.

          Nur Guido Westerwelle macht weiter

          Der rasante Abend aber war wömöglich zu fixiert auf die Frage nach der Linken, zu desinteressiert, wenn es um das Erfolgsgeheimnis der FDP, die Grünen und alternative Koalitionsmöglichkeiten ging, und zu abgelenkt, um erfolgreich nach den Spuren zu suchen, die er bei jenen Christdemokraten hinterließ, die schockiert in die Kamera hineinschauten. Alle, schien es gleich nach den ersten Hochrechnungen der ARD, selbst die Journalisten, sehnten sich danach, über dieses Wahlergebnis erst einmal in Ruhe schlafen zu dürfen.

          Nur Guido Westerwelle machte weiter. Er schüttelte bei „Anne Will“ den Kopf, als Sigmar Gabriel die Aufregung um die Linke herunterzuspielen suchte, er drückte den Rücken durch, während Günther Oettinger ohne Leidenschaft von „gewissen Verschleißerscheinungen“ der CDU „auf Länderebene“ sprach, er nutzte die stille Ratlosigkeit, um sich abermals mit Blick auf das Ergebnis der Landtagswahlen eine Fernsehdebatte aller demokratischen Parteien zu fordern. Beim nächsten Talkshow-Auftritt wird er sich vermutlich noch dicker wappnen müssen.

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