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Milbradts Nachfolger Stanislaw Tillich : Ein Sorbe für Sachsen

Bild: ddp

Folgt der sächsische Landtag dem Vorschlag Georg Milbradts, wird Stanislaw Tillich der erste gebürtige Sachse als Ministerpräsident in der Nachwende-Geschichte des Freistaats sein. Der Sorbe war bislang Finanzminister in Milbradts Kabinett und soll auch den CDU-Vorsitz übernehmen.

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          Wenn in den vergangenen Jahren in Sachsen spekuliert wurde, wer Ministerpräsident Georg Milbradt im Amt nachfolgen könne, fielen meist die Namen Thomas de Maizière und Steffen Flath. De Maizière hat viele Jahre im Freistaat diverse Ministerämter bekleidet, 2005 wechselte er als Kanzleramtsminister nach Berlin. Flath ist Kultusminister und stellvertretender CDU-Vorsitzender.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Nur wenige hatten dagegen Stanislaw Tillich auf der Rechnung. Dabei war früh sichtbar, dass Milbradt den 1959 in Neudörfel geborenen Tillich förderte. Und im engsten Kreis um den Ministerpräsidenten galt lange als ausgemacht, dass er seine Ämter an Tillich abgeben werde - freilich erst nach der Landtagswahl 2009.

          „Ein geordneter und harmonischer Übergang“

          Nun soll es schon deutlich früher so kommen, weil Milbradt, der seit Monaten wegen des Debakels der Sächsischen Landesbank (Sachsen LB) angeschlagen ist, seinen Rücktritt für Ende Mai angekündigt hat. Ihm sei „ein geordneter und harmonischer Übergang wichtig“, sagte Milbradt am Montag und empfahl Tillich ausdrücklich als neuen Ministerpräsidenten und neuen Vorsitzenden der sächsischen CDU.

          Als 2001 im Ringen um den Vorsitz der Union und damit auch um die Biedenkopf-Nachfolge ein Kandidat gesucht wurde, hielt sich der Diplomingenieur für Konstruktion und Getriebetechnik, der seine politische Karriere im März 1990 als Abgeordneter der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer begann, vornehm zurück. Tillich hatte früh erkannt, dass es damals auch darum ging, den bei Biedenkopf in Ungnade gefallenen Milbradt zu verhindern.

          Im ersten Kabinett Milbradt war Tillich dann der einzige Gewinner unter den jungen Ministern Biedenkopfs und stieg vom Bundes- und Europaminister ohne echtes Ressort und Zuständigkeit zum mit umfangreichen Kompetenzen ausgestatteten Chef der Staatskanzlei auf.

          Milbradt schätzt seine Fähigkeiten

          Als einen Rückschlag mag Tillich empfunden haben, dass er nach der Landtagswahl 2004, bei der die CDU ihre absolute Mehrheit einbüßte und eine Koalition mit der SPD bilden musste, von Milbradt nur noch zum Umwelt- und Landwirtschaftsminister berufen wurde.

          Wie hoch Milbradt Tillichs Fähigkeiten einschätzt, wurde schließlich im September deutlich, als er ihn zum Nachfolger von Finanzminister Horst Metz (CDU) ernannte, der wegen der Landesbankkrise zurückgetreten war.

          Für dieses Amt prädestinierte Tillich, dass er 1998 als erster christlicher Demokrat aus Deutschland Berichterstatter für den Haushalt der Europäischen Union geworden war. Vier Jahre zuvor war er als direkt gewählter Abgeordneter ins Europaparlament eingezogen.

          Tillich kann sich nicht nur auf westeuropäischen Parkett mühelos bewegen. Der Sorbe vermag es zudem, sich auch mit den Nachbarn in der Tschechischen Republik und Polen ohne Dolmetscher zu verständigen.

          Folgt der Landtag dem Vorschlag Milbradts, wird Tillich der erste in Sachsen geborene Ministerpräsident in der Nachwende-Geschichte des Freistaats sein. Milbradt gibt seiner Partei damit ein wichtiges Signal: Die tiefen Wunden, die der Streit um die Biedenkopf-Nachfolge geschlagen hat, können endgültig verheilen.

          Tillich sagte am Montag in Dresden, der wolle der „Ministerpräsident aller Sachsen sein“. Es gehe ihm darum, politische Gräben zu überwinden: „Wirtschaftlicher Aufschwung und soziale Gerechtigkeit sind für mich zwei Seiten einer Medaille.“

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