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Saarland : Müllers Machterhalt ist nun Verhandlungssache

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Auf dem Weg in eine große Koalition? Der saarländische CDU-Ministerpräsident Peter Müller (l.) mit dem SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas im Wahlstudio Bild: dpa

Im Saarland hängt nun vieles von den Grünen ab, deren Einzug in den Landtag fast bis zur letzten Minute unsicher war : Entscheiden sie sich für Jamaika oder für Rot-Rot-Grün? Doch auch eine große Koalition ist möglich.

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          Um 18.29 Uhr beginnt für Peter Müller das Erklären einer Wahlniederlage, wie sie in seiner Partei befürchtet, aber bis zur Schließung der Wahllokale als Möglichkeit verdrängt wurde. Als der Ministerpräsident zusammen mit Ehefrau Astrid und bedrängt von Kamerateams und Fotografen die Saarbrücker Congresshalle betritt, ist ihm anzusehen, dass er nun angesichts der fehlenden schwarz-gelben Mehrheit und eines Verlusts von fast 13 Prozent für seine Partei in den nächsten Tagen um den Machterhalt im Saarland wird bitten und verhandeln müssen.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Und so gelten seine ersten Angebote für Sondierungs- und spätere Koalitionsgespräche im Wahlstudio der ARD sowohl der SPD als auch den Grünen für ein Jamaika-Bündnis. Optionen, die Müller vor dem Wahltag mit Widerwillen begegnet war. Ganz staatstragend mit Blick auf das Szenario einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei von Oskar Lafontaine appellierte auch sein Fraktionsvorsitzender Jürgen Schreier an SPD und Grüne, sich nicht der roten Versuchung hinzugeben: „Es geht nicht um eine Machtoption, sondern um eine Verantwortungsoption.“

          Lafontaine: „Da freuen wir uns“

          Wesentlich mehr Zeit als der Wahlverlierer Müller ließ sich der Überraschungssieger an diesem Wahlabend. Erst um 19.40 Uhr fuhr Oskar Lafontaine mit seiner silbergrauen Mercedes-Dienstlimousine vor und schritt zusammen mit Gattin Christa Müller wie ein zurückgekehrter Herrscher durch das Spalier aus Kameras und Mikrofonen. Sichtlich zufrieden über das von kaum jemanden vorhergesagte Traumergebnis für die Linkspartei von rund 21 Prozent lächelte der frühere SPD-Ministerpräsident ihn fragende Journalisten an: „Da freuen wir uns.“

          Lachender Dritter: Hubert Ulrich von den saarländischen Grünen
          Lachender Dritter: Hubert Ulrich von den saarländischen Grünen : Bild: Reuters

          Im Fernsehinterview des Saarländischen Rundfunks wenige Minuten später präsentierte sich Lafontaine als der Retter der 25-Prozent-Partei SPD seines früheren Staatssekretärs Heiko Maas: „Ich freue mich, dass durch mein Engagement die SPD wieder eine Machtperspektive hat.“ Er werde, erst noch von Saarbrücken aus und dann in Berlin, alles dafür tun, dass es im Saarland zu einer Regierung unter Beteiligung der Linkspartei komme. „Ich habe immer gesagt, dass ich als Ministerpräsident hier kandidiere. Und wenn es nicht reicht, werde ich meine Arbeit von Berlin aus fortsetzen.“

          Erleichterung beim Ur-Pils

          Den Saarbrückener Grünen war erst eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale klar, dass für sie das Ergebnis reichen würde zum Einzug in den Landtag. Und dass es auf die kleinste der Parteien im kleinsten Flächenbundesland ankommt, ob der nächste Ministerpräsident wieder Müller oder erstmals Maas heißt. Junge Grüne schleppten zusätzliche Biertische an, um für den Ansturm jubelnder Gäste gewappnet zu sein. Auch die Anreise des Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir aus Berlin deutete darauf hin, dass die Grünen-Parteispitze nicht vorhatte, schlechte Wahlergebnisse zu kommentieren. Als dann die Zahlen in beiden Sendern die Grünen im Saarland deutlich über fünf Punkten sahen, war den rund 40 Aktivisten der Grünen beim Anstoßen mit Ur-Pils die Erleichterung anzusehen.

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