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Saarland : Müllers Machterhalt ist nun Verhandlungssache

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Am Samstag vor der Wahl hatten in Berlin und im Saarland zunächst noch Zahlen der Meinungsforscher in den Parteizentralen die Runde gemacht, wonach sich der Abwärtstrend für die Grünen verfestigt habe – mit ungewissem Ausgang.

Telefonate im Stundentakt

Im Stundentakt, erst nervös, dann zunehmend sicherer, telefonierten der Grünen-Vorsitzende Hubert Ulrich und Maas den ganzen Sonntag über. Die Aussichten für eine rot-rot-grüne Mehrheit wuchsen – für Maas die einzig realistische Option, um im zweiten Anlauf Ministerpräsident zu werden. Mit ihrem Einzug in den Landtag sind die Grünen in den nächsten Tagen, wenn die ersten Sondierungsgespräche stattfinden, nun das Zünglein an der Waage . 1999 verdankte der damalige CDU-Oppositionsführer Müller seinen knappen Wahlsieg noch der chronischen Schwäche der Grünen an der Saar.

Nervenstärke und einen guten Ruhepuls für die Zitterpartie nach 18 Uhr hatte sich Maas schon vor seiner Stimmabgabe antrainiert. Bevor er um 13 Uhr in seiner Heimatstadt Saarlouis wählen ging, joggte der Amateur-Triathlet fünf Kilometer in Saarbrücken an der Saar entlang, um mit einem symbolischen Zieleinlauf auch dem letzten Wähler seinen unbedingten Willen zur Ablösung Müllers zu demonstrieren. Für dieses Ziel hatte Maas in den letzten Tagen vor der Wahl die Erlaubnis der SPD-Bundesspitze erhalten, im Falle einer ernsthaften Chance auf einen Machtwechsel Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei und den Grünen schon vor der Bundestagswahl abzuschließen.

Die grüne Sphinx und ihr Koalitionsrätsel

Ob die Grünen sich überhaupt auf eine Koalition mit Oskar Lafontaines Linkspartei einlassen werden, darüber war schon in den Wochen vor der Wahl gerätselt worden. Wie eine Sphinx hatte der Grünen-Vorsitzende Ulrich sich bedeckt gehalten, ob er und seine Partei eine rot-rot-grüne oder eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP bevorzugen, falls die ohnehin unrealistische Lieblingsoption Ampel nicht zustande käme. Nur eines war Ulrich deutlich anzumerken: seine Abneigung gegen den Überraschungswahlsieger Oskar Lafontaine, der seine Linkspartei auch mit einem Vernichtungswahlkampf gegen die Grünen auf 20 Prozent plus X gehievt hatte.

Schon am Wahlabend begann bei CDU und FDP das direkte Buhlen um die Grünen. So sprach der saarländische FDP-Generalsekretär Jorgo Chatzimarkakis auch im Namen seines Vorsitzenden Christoph Hartmann, als er den Erhalt der 2006 von der CDU eingeführten Studiengebühren nicht zur Bedingung machte, sondern schon einmal das Hamburger Gebühren-Modell der dortigen schwarz-grünen Koalition als Kompromiss in Spiel brachte: „Wir wollen eine Koalition der Vernunft“.

Für die Grünen jedenfalls ist die im Wahlkampf versprochene Abschaffung der Studiengebühren ein „Veto-Thema“, wie Christian Bohr, Mitglied der grünen Jugend und im Landesvorstand der Partei, sagt. Und auch Heiko Maas will sich am Wahlabend noch nicht auf die Marschrichtung Rot-rot-grün festlegen oder gar seine Wahl zum Ministerpräsidenten zum Hauptkriterium für eine Koalition machen: „Wir müssen schauen, wer der verlässlichere Partner ist“.

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