https://www.faz.net/-ge2-13g6b

Saar-SPD-Chef Heiko Maas : „Wir halten uns alle Optionen offen“

Wirft Ministerpräsident Müller vor, weitere Grundschulschließungen im Saarland zu planen: Heiko Maas (SPD) Bild: AP

Der saarländische SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas hat gute Chancen, am 30. August Peter Müller als Ministerpräsident abzulösen und als erster westdeutscher Politiker eine Regierung mit der Linkspartei zu bilden. Im Interview spricht Maas über neue Zuversicht, alte Fehler - und künftige Koalitionsoptionen.

          5 Min.

          Der saarländische SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas hat gute Chancen, am 30. August Peter Müller als Ministerpräsident abzulösen und als erster westdeutscher Politiker eine Regierung mit der Linkspartei zu bilden. Im Interview spricht Maas über neue Zuversicht, alte Fehler - und künftige Koalitionsoptionen.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Herr Maas, im Bund muss die SPD jede Woche neue Horrorzahlen verkraften. Bei der saarländischen SPD hingegen wird die Stimmung umso besser, je näher die Landtagswahl rückt. Woher rührt diese Euphorie? Von der unerwarteten Schwäche Oskar Lafontaines?
          Das liegt vor allem daran, dass wir einen guten Wahlkampf führen und die richtigen Themen besetzen, die die Menschen im Land interessieren und bei denen die CDU Defizite hat - Bildung und Arbeitsplätze. Zudem haben wir durch unser gutes Ergebnis bei der Kommunalwahl deutlich mehr Ortsvorsteher und Beigeordnete in den kommunalen Parlamenten, was die Partei motiviert. Vor allem aber herrscht eine ausgeprägte Wechselstimmung im Land. Immer mehr Menschen können und wollen Peter Müller nicht mehr sehen.

          Haben Sie keine Angst, dass die schlechte Stimmung vom Bund auf den letzten Metern noch auf das Saarland durchschlägt?
          Ich bin kein ängstlicher Mensch. Aber natürlich kann man so etwas nie ausschließen. Umso mehr haben wir uns in den vergangenen Monaten auf unsere eigenen Stärken besonnen und die Menschen mit unseren Themen zu überzeugen versucht. Wir hier im Saarland sind selbst stark genug, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Aber ich bin auch zuversichtlich, dass die SPD im Bund Boden gut machen wird.

          Der Landtagswahlkampf ist bislang erstaunlich farblos - auffällig sind eigentlich nur die Medien-Duelle der Spitzenkandidaten, eine inhaltliche Auseinandersetzung findet kaum statt. Welche Akzente will die SPD in den letzten zwei Wochen noch setzen?
          Wir werden das Thema Bildung weiter zuspitzen, vor allem die weiter drohenden Grundschulschließungen im Land, wenn Müller an der Regierung bleibt. Die Menschen müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass die CDU nicht nur viele Schulen geschlossen hat, sondern sogar noch weitere Schulschließungen plant - das geht aus dem Schulordnungsgesetz hervor, das die Müller-CDU beschlossen hat. Dadurch würden die Klassen im Land noch größer und die Bildungsqualität in den Grundschulen noch schlechter. Diesem Unsinn wird eine von mir geführte Regierung ein Ende bereiten - und das Schulordnungsgesetz wieder ändern um kleineren Schulen Zukunft zu geben. Daneben stellen wir unsere Pläne für eine Reform des G-8-Murkses, die Abschaffung der Studiengebühren und die Einführung echter Ganztagsschulen. Das wird auf den letzten Metern ein ganz entscheidendes Thema.

          „Der neue Mann”: Kantiger, selbstbewusster, wählbarer will Heiko Maas sich in seiner Kampagne präsentieren
          „Der neue Mann”: Kantiger, selbstbewusster, wählbarer will Heiko Maas sich in seiner Kampagne präsentieren : Bild: AP

          Sie glauben, Peter Müller würde als wiedergewählter Ministerpräsident weitere Schulen schließen?
          Eindeutig ja. Fünf Tage vor der Landtagswahl 2004 hat der damalige Kultusminister auf Nachfrage erklärt, Schulschließungen werde es nicht geben. Nach der Wahl wurden dann über 100 Grundschulen zugemacht. Die CDU hat die Menschen schon einmal betrogen und ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Die Gelegenheit für ein zweites Mal wird sie nicht bekommen.

          Sie haben in einem Interview gesagt, die Schaffung von 50.000 Arbeitsplätzen in den nächsten zehn Jahren sei für das Saarland realistisch - ist das nicht ein Wunschtraum?
          Unser Ziel im Saarland, wie im Übrigen das jedes vernünftigen Politikers, ist Vollbeschäftigung. Nur so können auch die anderen wichtigen Ziele erfüllt werden, etwa die Sicherung der Sozialversicherungssysteme. Und ich glaube fest daran, dass Vollbeschäftigung im Saarland machbar ist. Wir wissen, dass vor allem im Bereich der Energieinstitute viel Potential steckt - Studien sprechen allein dort von 25.000 möglichen Arbeitsplätzen. Wenn wir darüber hinaus einen klaren Innovationsschwerpunkt für das Saarland entwickeln, in dem Bereiche wie Forschung und Entwicklung, Neue Materialien oder Nanotechnologie zusammengeführt werden, sind 50.000 neue Jobs binnen zehn Jahren mehr als realistisch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.