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In Bedrängnis : Der Zweifrontenkrieg des Heiko Maas

  • -Aktualisiert am

Heiko Maas hat die CDU vor der Nase und die Linkspartei im Rücken Bild: ddp

Der Vorsitzende der Saar-SPD will im Sommer Ministerpräsident Peter Müller ablösen. An dieser Wahl entscheidet sich Heiko Maas' politische Karriere. Es werden Erfolge erwartet, aber Lafontaines Linkspartei sitzt ihm im Nacken.

          Es könnte schönere Zeiten als diese geben für Heiko Maas. Noch gut acht Monate sind es bis zur Landtagswahl Ende August 2009, bei der der saarländische SPD-Vorsitzende Ministerpräsident Peter Müller (CDU) ablösen will. Doch die Chancen dafür stehen nicht eben gut: Um gut zwanzig Prozent ist die SPD seit dem Regierungswechsel 1999 abgesackt und liegt nun deutlich hinter der CDU, obwohl auch diese Einbußen im zweistelligen Bereich hinnehmen musste.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Was Maas aber viel mehr schmerzt: Die Linkspartei von Oskar Lafontaine, der zehn Jahre nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident ebenfalls wieder in die Saarbrücker Staatskanzlei drängt, liegt in Umfragen nur knapp hinter den Genossen, mitunter sogar vor ihnen.

          Die Linkspartei auf Augenhöhe mit der Sozialdemokratie - so etwas gab es bislang in keinem anderen westdeutschen Flächenland. Keine guten Voraussetzungen also für Maas, auch wenn er immer wieder auf die Verluste der CDU verweist und darauf, dass es im Land eine strukturelle Mehrheit für eine linke Politik unter seiner Führung gebe. Für den 42 Jahre alten Spitzenkandidaten geht es im Sommer um nichts weniger als seine politische Zukunft. Seit knapp zehn Jahren ist er nun Landesvorsitzender und Oppositionsführer - und gilt noch immer als „junges Talent“, seit er 1998, mit nur 32 Jahren, unter Reinhard Klimmt jüngster deutscher Minister wurde.

          Ob Rot-Rot-Grün funktionieren kann, wird vor allem an ihm hängen: Oskar Lafontaine

          „Der Neue Mann“

          Nun aber werden endlich Erfolge erwartet. Maas muss Müller ablösen, will er nicht endgültig scheitern und seine Machtbasis verlieren. Denn immer wieder gibt es in der Partei Unmut über ihren Vorsitzenden, wenngleich er nicht offen geäußert wird: Zu brav, zu verhalten, zu wenig zugespitzt sei dieser mitunter in der politischen Auseinandersetzung, zumal gegenüber rhetorisch so versierten Gegnern wie Lafontaine.

          Lediglich 25 Prozent erreichte die SPD im Oktober in einer Infratest-Umfrage - nur zwei Prozent mehr als die Linkspartei und deutlich weniger als die CDU, die auf 38 Prozent kam. So mancher in der Partei lastet Maas diese Situation persönlich an.

          Der gelernte Jurist hat die Gefahr offenkundig erkannt. In jüngster Zeit bemüht er sich verstärkt um einen Imagewandel, weg vom Schwiegersohn und hin zum Macher. Im vergangenen Sommer nahm Maas, ein ambitionierter Freizeitsportler, an einem Triathlon-Wettbewerb in Hamburg teil und ließ danach nicht nur seine mehr als passable Zeit über die Medien verbreiten, sondern sich auch mit nacktem, gut definiertem Oberkörper ablichten. Und auch auf seiner Homepage präsentiert er sich unter dem Wahlslogan „Heiko Maas - Der neue Mann“ jetzt deutlich kantiger, mit Dreitagebart und offenem Hemdkragen. Die Botschaft: Seht her, ich bin härter, als ihr denkt.

          Derlei Profilbildung kommt an im Land; schließlich ist Maas in einer Zwickmühle, eingezwängt zwischen rechts und links. Ausgeschlossen ist nach den derzeitigen Umfragen, dass eine schwarz-gelbe Koalition aus CDU und FDP eine Regierung bilden kann. Auch eine absolute Mehrheit, wie Müller sie noch 2004 erringen konnte, ist kaum mehr zu erwarten.

          Die Linkspartei kann man nicht mehr ignorieren

          Da eine Ampelkoalition rechnerisch selbst dann nicht möglich wäre, wenn FDP und Grüne, die in den Umfragen bei sechs und fünf Prozent liegen, den Einzug in den Landtag schafften, und eine Zusammenarbeit mit der FDP überdies unwahrscheinlich ist, bleiben für Maas nur zwei Machtoptionen: Juniorpartner in einer großen Koalition zu sein - oder aber mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten. Beide Szenarien sind für Maas überaus unangenehm, zumal nach dem Debakel von Andrea Ypsilanti in Hessen. Nicht umsonst macht in Saarbrücken das Wort vom zermürbenden „Zweifrontenkrieg“ die Runde.

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