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Thorsten Schäfer-Gümbel : Der fröhliche Verlierer

  • -Aktualisiert am

Schlagfertig: Thorsten Schäfer-Gümbel Bild:

In Hessen zeichnet sich der SPD-Spitzenkandidat durch Galgenhumor aus. Katastrophenprognosen oder ein mieses Presse-Echo verderben Schäfer-Gümbel nicht die gute Laune. Dabei ist ihm klar, dass mehrere Wunder gleichzeitig geschehen müssen, damit er Koch ablösen kann.

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          Für die Jungs im Fußballtrikot ist der große Mann mit dem roten Schal und der Brille mit den kleinen Gläsern ein Champion. „Schä-fer-Güm-bel, Schä-fer-Güm-bel“, skandieren sie, als der hessische SPD-Spitzenkandidat auf sie zugeht. Er ist begleitet von Kamerateams und Fotografen und über so viel Begeisterung erstaunt. Aber der Empfang geht für Schäfer-Gümbel erfreulich weiter. „Ich möchte mich bei Ihnen bedanken im Namen der Raunheimer Jugendlichen.“ Dann überreicht der Mannschaftsbetreuer der Jugendlichen, die zumeist aus Einwandererfamilien stammen, ein rotes T-Shirt, bedruckt mit der Zahl Eins. Und der Kandidat gibt sich locker und unverkrampft. Er flachst mit den Jungs, die aufgeregt sind, weil sie mit einem Promi ins Fernsehen kommen.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          In der südhessischen Stadt Raunheim hat etwa ein Drittel der gut 15.000 Einwohner einen „Migrationshintergrund“. Hier, im Neubaugebiet Ringstraßensiedlung, scheint die sozialdemokratische Welt in Hessen noch so wie früher; hier kann der einstige Mitarbeiter des Gießener Baudezernenten im Gespräch mit Bürgern und SPD-Lokalpolitikern über das Thema „soziale Stadterneuerung“ brillieren, über die Bedeutung von guten Bildungsangeboten für eine erfolgreiche Integrationsarbeit referieren.

          Gute Nachrichten sehe anders aus

          Nach gut einer Stunde ist der Besuch im Viertel vorbei, in dem mit Hilfe des Bundesprogramms „Soziale Stadt“ Sportplätze entstanden und triste Fassaden verschönert wurden. Aufmunternd wird Schäfer-Gümbel von seinen Gastgebern schon als nächster Ministerpräsident verabschiedet. Nimmt man die Stimmung in dieser kleinen Runde als Politbarometer für seine Chancen bei der Neuwahl des Landtags am 18. Januar, könnte man fast meinen, Amtsinhaber Roland Koch und seine CDU kämpften ebenso wie vor einem Jahr gegen eine täglich stärker werdende Sozialdemokratie.

          Doch das Gegenteil ist der Fall. In den jüngsten Umfragen wird der hessischen SPD der Absturz von 36,7 Prozent bei der letzten Landtagswahl am 27. Januar auf ein Ergebnis zwischen 23 und 26 Prozent vorausgesagt. Und Schäfer-Gümbel selbst erntete vor und nach Weihnachten vernichtende Reaktionen für seinen nicht mit der SPD-Spitze abgestimmten Vorschlag, die Milliarden für die Konjunkturpakete mal eben durch eine Zwangsanleihe bei den „Reichen“ zu finanzieren. Nachdem auch führende SPD-Linke den Vorstoß mit eisigem Schweigen bedachten, stellte Schäfer-Gümbel die von der IG Metall entliehene Idee zurück. Gute Nachrichten zur Motivation der demoralisierten Basis drei Wochen vor der Wahl sehen anders aus.

          Einen derart fröhlichen Verlierer wie Thorsten Schäfer-Gümbel aber hat die deutsche Politik wohl noch nie vor einer Wahl gesehen. Selbst der für Ironie und Gelassenheit bekannte bayerische SPD-Chef Franz Maget kann es nicht mit seinem in Bayern geborenen Parteifreund bei der heiteren Vorwegnahme einer vermutlich historischen Wahlniederlage aufnehmen. Durch Katastrophenprognosen oder ein mieses Presse-Echo lässt sich Schäfer-Gümbel die gute Laune jedenfalls auch an diesem ungemütlichen Wahlkampftag kurz vor Weihnachten nicht verderben. „Ich weiß, dass die Wetten auf mich nicht sehr groß sind. Ich sag’ dann immer, wenn man auf mich wettet, kann man sehr reich werden.“

          Er muss seinen Bekanntheitsgrad mindestens verdoppeln

          Dabei ist auch dem 39 Jahre alten Politikwissenschaftler klar, dass mehrere Wunder gleichzeitig geschehen müssen, damit er den nach der letzten Wahl eigentlich schon politisch totgesagten Koch ablösen kann. Ein kleines Wunder hat Schäfer-Gümbel immerhin bereits geschafft. Die nach seiner Nominierung geführte Debatte über sein angeblich linkisches Aussehen samt früherer altmodischer Brille hat er mit Selbstironie einen für ihn positiven Dreh gegeben.

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