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Tarek Al-Wazir : Der Offenbacher Debattierer

  • -Aktualisiert am

„Kluges Bürschchen” Tarek Al-Wazir Bild: dpa

Tarek Al-Wazirs demonstrative Distanz zum Wunschkoalitionspartner hat sich gelohnt. Man merkt, dass dem Spitzenkandidaten der hessischen Grünen Politik Spaß macht; in Debatten gibt er sich nicht staatsmännisch, sondern lieber vorwitzig. Und Koch schätzt ihn als „eigentlichen“ Oppositionsführer im Landtag.

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          Dass der Spitzenkandidat der hessischen Grünen ein „kluges Bürschchen“ sei, bestreiten auch die politischen Gegner von Tarek Al-Wazir nicht. Schief an dieser Charakterisierung ist höchstens das Wort Bürschchen, das auf einen gerade – am 3. Januar – 38 Jahre alt gewordenen Familienvater nicht mehr recht passt. Eine gewisse Jungenhaftigkeit hat sich Al-Wazir, trotz graumelierter Haare, allerdings erhalten: Man merkt, dass ihm Politik Spaß macht; in Debatten gibt er sich nicht staatsmännisch, sondern lieber vorwitzig – das Wort von der vermaledeiten „Ausschließeritis“ in hessischen Koalitionsangelegenheiten hat er erfunden, ohne sich ganz daran zu halten: Eine Koalition mit der CDU unter dem Ministerpräsidenten Koch hat er jedenfalls abgelehnt.

          Bei den Landtagswahlen 2008 hatten die hessischen Grünen schlecht abgeschnitten: Von 10,1 waren sie auf 7,5 Prozent gesunken, was Al-Wazir darauf zurückführt, dass seine Partei in der Großkonfrontation zwischen Koch und Ypsilanti untergegangen sei. Das sollte den Grünen (und ihm selbst) dieses Mal nicht passieren, und so wurde er gleich am Anfang des kurzen Wahlkampfs 2009 vorsorglich zum künftigen Ministerpräsidenten ausgerufen.

          Verachtung für die „handwerklichen Fehler“ der SPD

          Doch schon vorher hatte Al-Wazir versucht, seine Partei in den Vordergrund zu rücken. Zwar hat er alles getan, was in der Macht der Grünen stand, um eine von der Linken geduldete rot-grüne Regierung zustande zu bringen. Aber das war verbunden mit Ermahnungen an die SPD, ihre Truppen zusammenzuhalten und die Linken so gut wie möglich vertraglich einzubinden. Im Wahlkampf machte er dann kein Hehl aus seiner Verachtung für die „handwerklichen Fehler“ der SPD-Führung; die demonstrative Distanz zum Wunschkoalitionspartner hat sich, wie das Ergebnis zeigt, gelohnt.

          Als Bürgerschreck taugt der gebürtige Offenbacher nicht, auch wenn er im Wahlkampf 2008 Koch einmal den Handschlag verweigerte, als dieser seine Kampagne darauf zuspitzte, es gelte „Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten“ zu verhindern. Dem Sohn eines jemenitischen Geschäftsmanns und ehemaligen Diplomaten und einer Lehrerin ist nicht zu verdenken, dass er diese Parole als ausländerfeindlich empfand. Der Zwischenfall ist – das versichern Koch und Al-Wazir – begraben, Respekt hatten die beiden ohnehin voreinander. Al-Wazir erkennt, bei allen politischen Differenzen, die professionellen Qualitäten Kochs an; der wiederum schätzt den Debattierer und „eigentlichen“ Oppositionsführer im Landtag.

          Al-Wazir hat nach dem Abitur in Frankfurt Politikwissenschaft studiert, gibt aber frank und frei zu, dass das eher eine Nebenbeschäftigung war, denn schon 1992 wurde er Vorsitzender der von ihm mitgegründeten Grünen Jugend Hessen. 1995 wurde er erstmals in den Landtag gewählt, 2000 wurde er Fraktionsvorsitzender. Bis heute sitzt er auch im Stadtrat von Frankfurts proletarischer Nachbarstadt Offenbach, Anhänger der Kickers ist er sowieso.

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