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Roland Koch : Lammfromm und krisensicher

  • -Aktualisiert am

„Roland Koch”:Zwischenstopp des Wahlkampfbusses des hessischen Ministerpräsidenten in Linden Bild: Daniel Pilar

Die SPD hat Roland Koch eine zweite Chance „geschenkt“. Dieser ist im Wahlkampf nicht wiederzuerkennen. „Der Koch ist ja sanft wie ein Lämmchen geworden,“ konstatiert ein langjähriger CDU-Wähler. Bloß keinen Fehler machen, lautet die Devise.

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          An jedem dieser anstrengenden Wahlkampftage freut sich Roland Koch wie ein kleiner Junge auf die Belohnung am späten Abend. Dann geht es nach dem letzten Termin in Limburg, Darmstadt oder Kassel zur örtlichen Filiale von McDonalds. Dort lädt der hessische Ministerpräsident und Spitzenkandidat der CDU dann seine Truppe zu einer Runde Big-Mac mit Pommes und Cola ein. An diesem eiskalten Januarabend macht der schwarze Bus mit dem Schriftzug „In Zeiten wie diesen“ und dem etwas zu bläulich geratenen Konterfei Kochs im mittelhessischen Linden Station. Mit entspanntem Lächeln berät Koch die mitgereisten Journalisten bei der Wahl der Burger: „Der Royal TS mit Käse ist sehr gut.“ Seit seinen Tagen als damals schon machtbewusste Führungsfigur der Jungen Union Anfang der achtziger Jahre kennt der heute 50 Jahre alte Koch fast alle mit dem Auto erreichbaren Standorte der amerikanischen Fastfood-Kette in Hessen.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Damals trafen sich Koch und sein Hauptverbündeter Volker Bouffier zusammen mit den späteren Ministern Volker Hoff, Jürgen Banzer, Franz Josef Jung und Karlheinz Weimar, um konspirativ Mehrheiten für Parteitage zu organisieren oder Strategien zur Verjüngung der von Alfred Dregger und Manfred Kanther straff geführten Hessen-CDU auszubrüten. Erst die Schaltstellen in der Honoratiorenpartei CDU erobern, dann die Macht der damals alles noch beherrschenden SPD knacken, lautete die Devise der „Tankstelle“ genannten Jungmännerriege mit der späteren Kultusministerin Karin Wolff in der Mitte.

          Der größte Fehler seiner politischen Laufbahn: die Kriminalitäts-Kampagne

          Die SPD-Mehrheit schien Koch seit 1999 nach einem nur kurzen Regierungsgastspiel der CDU unter Walter Wallmann zwölf Jahre zuvor geknackt zu haben. Doch vor einem Jahr wäre es fast vorbei gewesen mit der von Koch nach seinem Wahltriumph 2003 angestrebten Dauerherrschaft der CDU im früheren Stammland der Sozialdemokraten. Die von dem leidenschaftlichen Wahlkämpfer schon zweimal niedergerungene SPD hatte mit ihrer die Wählerherzen wärmenden Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti den Ministerpräsidenten derart in die Defensive gedrängt und verunsichert, dass dieser den bisher wohl größten Fehler in seiner politischen Laufbahn beging.

          Koch, überlebensgroß: Der hesssiche Ministerpräsident hat seine Selbstsicherheit wiedergefunden
          Koch, überlebensgroß: Der hesssiche Ministerpräsident hat seine Selbstsicherheit wiedergefunden : Bild: AP

          Spätestens seit November 2007 ahnten Koch und sein engster Berater Dirk Metz, dass es eng werden würde bei der Landtagswahl am 27. Januar. Die Werte für die CDU kamen seit Monaten nicht über 40 Prozent hinaus, und die von Ministerin Wolff überhastet verordnete Verkürzung der gymnasialen Schulzeit (G 8) sorgte für wachsenden Unmut bei Eltern und Schülern. Dazu blieben die persönlichen Beliebtheitswerte für Koch für einen seit Jahren regierenden Landesvater erschreckend niedrig. Zudem drohte die SPD mit einer Unterschriften-Kampagne zur flächendeckenden Einführung eines Mindestlohns: eine scharfe Wahlkampfwaffe, die sich die SPD ausgerechnet bei Koch und Metz aus deren erfolgreicher Unterschriftenkampagne zur doppelten Staatsbürgerschaft im Wahlkampf 1999 entliehen hatte.

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