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Hessen : www.hessen-ist-schon-wieder-im-wahlkampf.de

Schäfer-Gümbel im „Videodialog” auf der Internetseite Youtube Bild:

Nicht nur Barack Obama setzte bei seinem Wahlkampf auf das Internet - auch in Hessen haben die Strategen das Medium entdeckt. Sowohl Thorsten Schäfer-Gümbel als auch Roland Koch präsentieren sich auf Portalen wie Youtube, um junge Wähler zu gewinnen.

          Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel kennt 508 Leute. Und zwar nicht nur Genossen, sondern stinknormale Hessen, dazu ein paar Rheinland-Pfälzer und etliche Bewohner Baden-Württembergs. Zudem hört der 39 Jahre alte SPD-Politiker mit dem „Beziehungsstatus: verheiratet“ gerne die Musik von Pink, Madonna, Herbert Grönemeyer und Phil Collins. Zu seinen Lieblingsfilmen zählen das „Schweigen der Lämmer“ und „Herr der Ringe“. Als seine Lieblingsbücher nennt der SPD-Politiker Henning Mankells „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ und Isabel Allendes „Das Geisterhaus“.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Diese nur bedingt politischen Informationen über den Herausforderer von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kann jedes der inzwischen fünf Millionen Mitglieder des Internet-Portals „Wer-kennt-wen.de“ der persönlichen Seite des SPD-Politikers in dem derzeit am schnellsten wachsenden deutschen „Social network“ entnehmen. Erwünscht ist auch die persönliche Kontaktaufnahme mit „Thorsten“ über einen Link zu dessen Homepage bei der hessischen SPD.

          Schäfer-Gümbel setzt auf das Internet

          Wie kein anderer SPD-Politiker bisher setzt Schäfer-Gümbel bei der Neuwahl des Hessischen Landtags am 18. Januar auf das Internet als schnelle und kreative Kommunikationsform. Und das nicht nur mit Blick auf die begehrte Zielgruppe der Jungwähler, für die Plakatwerbung, Fernsehspots und Infostände von gestern sind. Da gut 60 Prozent der Hessen den immer noch weitgehend unbekannten Kandidaten nicht kennen, nutzt Schäfer-Gümbel in den verbleibenden vier Wochen bis zur Wahl alle Kanäle, um auf sich und seine politischen Botschaften aufmerksam zu machen.

          Roland Koch in seiner Weihnachts- und Neujahrsbotschaft, ebenfalls auf der Internetseite Youtube

          Dabei präsentiert sich Schäfer-Gümbel im Internet auch bewusst als Gegenmodell zu Amtsinhaber Koch, der diesmal ganz den erfahrenen Staatsmann gibt. Als hemdsärmeliger Politiker, der sich im Büro vor einer unansehnlichen Bücherwand für den Wortbruch der SPD-Vorsitzenden Ypsilanti entschuldigt, ist Schäfer-Gümbel in einem Videoclip auf der Plattform Youtube zu sehen.

          Für einen deutschen Politiker hat er damit die äußerst respektable Quote von bisher mehr als 52.000 Aufrufen erreicht. In seinem ersten „Videodialog“, dem weitere kleine Auftritte im Netz gefolgt sind, präsentiert sich der Sozialdemokrat ohne Jackett und als „Kandidat zum Anfassen“.

          Koch reagiert mit Wahlkampfblog

          Aber auch die CDU schläft nicht. Schon ihren Landesparteitag in Hofheim übertrug die CDU anders als die SPD ihr Delegiertentreffen in Alsfeld für Politiksüchtige und Koch-Fans störungsfrei und ohne Ruckelbilder im Internet. Als eigenes Internet-Angebot hat die Union auch einen Wahlkampfblog ins Netz gestellt. Unter der Adresse www.webcamp09.de unterstützen Freiwillige aus der Jungen Union in der Internet-Wahlkampfzentrale die Mutterpartei mit Videobeiträgen, Texten und Bildern. Koch selbst richtet – anders als „TSG“ in der klassischen Pose eines Regierungschefs mit Jackett und vor durchgestyltem Regal – unter dem Kürzel „RoKo“ einen auch auf Youtube eingestellten Weihnachts- und Neujahrsgruß an seine Anhänger.

          Und auch mit der Veralberung des SPD-Kandidaten durch selbstproduzierte Videos sind CDU-Anhänger im Internet unterwegs. So ist auf Youtube der „Schäfer-Gümbel-Song“ ein kleiner Hit, der sich der Elemente des im Internet erfolgreichen „Obama-Girls“ bedient. In einem langsam groovenden Hip-Hop-Stück wird Schäfer-Gümbel als „Obama aus Hessen“ verspottet. „Bis gestern kannte dich kein Schwein, Gümbel-Baby, lass es sein.“

          Mit einem „Tschüssilanti und auf Wiedersehen“ wird dem SPD-Mann von einem Sänger der Schwarzen geraten, gegen Koch den Rückzug anzutreten. Doch von den Dimensionen und wohl auch von der Wirkung der erfolgreichen Internetkampagne Barack Obamas im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf sind die hessischen Parteien noch weit entfernt.

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