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Hessen-SPD : Die Kampfkandidatin

  • -Aktualisiert am

Hofft auf Wahl in den Landtag: Astrid Starke Bild: Dieter Rüchel

Auch wenn sich Astrid Starke politisch links von ihrer Vorgängerin verortet, dürfte Andrea Ypsilanti ebenso wenig Freude an ihr haben wie an Dagmar Metzger.

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          Bei der hessischen Landtagswahl am 27. Januar dieses Jahres war Dagmar Metzger im Wahlkreis 50 für die SPD ein fulminanter Sieg gelungen. Die Darmstädter SPD-Kommunalpolitikerin hatte Kultusministerin Karin Wolff das Direktmandat mit 41,2 Prozent der Erststimmen abgenommen. Die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende und enge Weggefährtin von Ministerpräsident Roland Koch war mit einem Ergebnis von nur 31,8 Prozent von der bis dahin landespolitisch unbekannten Sozialdemokratin regelrecht deklassiert worden.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Durch ihr entschlossenes Nein zu einer Wahl ihrer Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin mit Hilfe der Linkspartei war Frau Metzger jedoch Anfang März innerhalb weniger Tage in Hessen und dem Rest Deutschlands bekannter geworden als die glücklose CDU-Ministerin: Ihr Widerstand gegen Frau Ypsilantis Wortbruch hatte ihr zwar außerhalb der sozialdemokratischen Funktionärsebene bei einfachen Parteimitgliedern und Wählern viel Anerkennung und Respekt eingebracht.

          Wenig Freude für Ypsilanti

          Doch wegen der feindseligen Stimmung, die ihr in den vergangenen Monaten und zuletzt nach der Unterstützung der drei Fraktionskollegen Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch aus Teilen der SPD entgegenschlug, verzichtete Dagmar Metzger auf den Versuch, abermals am 18. Januar für den Landtag zu kandidieren.

          Die Abweichler: Silke Tesch (vorn links), Jürgen Walter (vorn rechts), Dagmar Metzger (hinten links) und Carmen Everts
          Die Abweichler: Silke Tesch (vorn links), Jürgen Walter (vorn rechts), Dagmar Metzger (hinten links) und Carmen Everts : Bild: ddp

          An ihrer Stelle will nun Astrid Starke im Revanche-Duell gegen die von der CDU abermals nominierte Karin Wolff den Wahlkreis für die SPD verteidigen. Mit einer Mehrheit von 93,7 Prozent ist die Kommunalpolitikerin und Leiterin des Sozialamtes in Pfungstadt am Wochenende von der Wahlkreiskonferenz der SPD-Unterbezirke Darmstadt-Stadt und Darmstadt-Dieburg zur neuen Kandidatin bestimmt worden. Im Kampf um die Landtagskandidatur war die 44 Jahre alte Krankenschwester und Politikwissenschaftlerin vor anderthalb Jahren noch Dagmar Metzger unterlegen. Auch wenn sich Astrid Starke politisch „links“ von ihrer Vorgängerin verortet, dürfte Andrea Ypsilanti ebenso wenig Freude an ihr haben wie an Dagmar Metzger.

          Bitter enttäuscht von der Führung

          Denn in ihrer Bewerbungsrede vor den Delegierten warf sie der SPD-Fraktions- und Landesvorsitzenden vor, bei der Führung der Partei und der Integration beider Parteiflügel versagt zu haben. Andrea Ypsilanti müsse angesichts der entstandenen Lage nun „Opfer“ bringen und „Verantwortung“ übernehmen. Sowohl von Andrea Ypsilanti als auch vom früheren Fraktionsvorsitzenden Walter ist Astrid Starke „bitter enttäuscht“. Durch die von beiden geschürte "Links-rechts-Auseinandersetzung" seien die Inhalte der SPD in der öffentlichen Wahrnehmung untergegangen.

          Sie schätze und möge Andrea Ypsilanti sehr, versichert Astrid Starke. Aber angesichts der „Zerreißprobe“, in der sich die hessische SPD derzeit befinde, sei es gut, wenn sich Andrea Ypsilanti „demokratisch legitimiert“. Deshalb werde sie auf dem Landesparteitag der SPD in Alsfeld am 13. Dezember gegen Frau Ypsilanti um Platz zwei der Landesliste kämpfen. „Demokratie heißt: wählen können“, begründet Frau Starke ihre Bewerbung.

          Voll des Lobes ist die Sozialdemokratin indes über den neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. „Er macht seine Sache sehr gut. Ich würde mir wünschen, dass er eines der Spitzenämter in Partei oder der Fraktion erhält.“ Dass es schwer sein wird, die eigenen Anhänger in einem zweiten ungemütlichen Winterwahlkampf und nach den Querelen der vergangenen Wochen zu mobilisieren, weiß die Verwaltungsfachfrau sehr genau: „Das Chaos in der SPD hat die Leute schon sehr geschmerzt.“ Dennoch rechnet sie sich gute Chancen aus, den Wahlkreis für die SPD zu halten, der neben dem südlichen Teil von Darmstadt auch die ländlich geprägten Kommunen Mühltal, Ober-Ramstadt, Roßdorf und Modautal umfasst. Vor allem der aus ihrer Sicht immer noch vorhandene Unmut vieler Wähler über die Schulpolitik der im Frühjahr als Kultusministerin zurückgetretenen Karin Wolff werde der SPD helfen, hofft Frau Starke.

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