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Generationswechsel in Hessen? : Von weiblich-liberal bis männlich-jungdynamisch

  • -Aktualisiert am

Bettina Wiesmann: Eine hessische Ursula von der Leyen? Bild:

Bettina Wiesmann und Astrid Wallmann: Zwei Frauen, die für eine personelle Erneuerung bei der CDU stehen - doch der Neuanfang in der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag fällt mickriger als, als von Roland Koch angekündigt. Beim künftigen Koalitionspartner FDP schaffen es nur zwei Frauen ins Parlament - und Nicola Beer hat es in den eigenen Reihen schwer.

          Eine personelle Erneuerung der hessischen CDU in der nächsten Legislaturperiode hatte ihr Landesvorsitzender Roland Koch vor Beginn des Wahlkampfs angekündigt. Doch die Auffrischung der neuen CDU-Fraktion in der 18. Legislaturperiode mit neuen, wenn möglich auch jungen Köpfen fiel dann doch deutlich magerer aus als von vielen in der Union erhofft. Von den 46 in den Wiesbadener Landtag gewählten Abgeordneten der CDU sind nur drei wirkliche Neuzugänge. Die übrigen saßen entweder schon im vorigen Landtag oder sind Rückkehrer nach einer relativ kurzen Politikpause im Jahr der „hessischen Verhältnisse“.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Immerhin – als Politikerin mit viel Potential wird schon jetzt in der CDU die neu hinzugekommene Frankfurter Abgeordnete Bettina Wiesmann gehandelt, die von ihrem Profil und Werdegang her an das Erfolgsmodell Ursula von der Leyen erinnert. Nach der Wahl nannte der CDU-Generalsekretär Michael Boddenberg ausdrücklich Frau Wiesmanns Namen, als er davon sprach, dass es „personelle Möglichkeiten“ gebe, „einige neue Akzente zu setzen“.

          Eingedrungen in rot-grün orientierte Milieus

          Der 42 Jahre alten Unternehmensberaterin und Mutter von vier Töchtern ist das Kunststück gelungen, mit einem modernen, ungewöhnlichen Wahlkampf den strukturell rot-grünen Frankfurter Wahlkreis 38 zu erobern. Zwar schnappten sich in den zum Wahlkreis gehörenden Stadtteilen Nordend, Ostend und Bornheim die Direktkandidaten von SPD und Grünen wieder einmal gegenseitig die Stimmen weg. Der knappe Wahlsieg der gebürtigen Berlinerin ist für die Hessen-CDU mit dem Ruf des konservativsten Landesverbandes der Union dennoch überaus wertvoll. Denn Bettina Wiesmann gelang der Sieg auch deshalb, weil sie mit einer ausgesprochen liberalen, wenig parteipolitisch orientierten Ansprache der Wähler in großstädtische, ursprünglich rot-grün orientierte Milieus eindringen konnte.

          Engagiert beim Thema beim Thema Umwelt: Astrid Wallmann - die Nichte des früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann

          Unter der Internetadresse „ichkennediesefrau-de“ zielte die Kommunalpolitikerin, die sich auf Bundesebene seit Jahren bei der Erneuerung der CDU-Programmatik etwa in der „Herzog-Kommission“ engagiert, auf junge Familien und berufstätige Mütter. So formulierte sie als politische Grundüberzeugung auf ihrer Homepage: „Die überwältigende Mehrheit der Mütter und Väter wünscht sich mehr Spielraum und Gestaltungsmöglichkeiten bei der Erziehung ihrer Kinder. Damit dies möglich wird, brauchen wir bessere und flexiblere Betreuungsangebote sowie eine Modernisierung der Arbeitsbedingungen für Eltern.“ Die Familienpolitik liege ihr „am Herzen“. Aber auch in der Bildungspolitik gebe es „Anliegen, denen ich als Abgeordnete meine Stimme verleihen will“.

          Attraktiver Effekt für abgewanderte Wählerschichten

          Einen ähnlich attraktiven Effekt auf diese der Union bisher eher abgewandten Wählerschichten hatte in Wiesbaden Astrid Wallmann. Die Nichte des früheren Ministerpräsidenten Walter Wallmann und Tochter des früheren Wiesbadener Bürgermeisters Wilhelm Wallmann eroberte in der Landeshauptstadt den innerstädtischen Wahlkreis 30 von der SPD zurück. Die 29 Jahre alte Abgeordnete und Verwaltungsfachfrau, die auch im Stadtparlament sitzt, will in der neuen Fraktion erst einmal schauen, was sich bei der Besetzung der Ausschüsse ergibt. „Ich werde die Aufgaben, die ich bekomme, wahrnehmen.“

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