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Annette Gümbel im Porträt : „Der Thorsten hat das sehr geschickt gemacht“

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War erst nicht begeistert von der Kandidatur ihres Mannes: Annette Gümbel Bild: Helmut Fricke

„Er ist witzig. Er weiß sehr viel. Und ich finde es toll, dass er so zuverlässig ist“, sagt Annette Gümbel über ihren Mann. Sie ist nicht erstaunt, wie gut er sich als Spitzenkandidat der SPD macht. Er rufe jetzt nur sein Potential ab, das immer da war.

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          Bismarck war schuld. Kennengelernt hat Annette Gümbel ihren Mann Thorsten nämlich im Wintersemester 1994 an der Universität Gießen im Hauptseminar über den Eisernen Kanzler. Liebe auf den ersten Blick? „Bei ihm ja“, erinnert sich Annette Gümbel, „ich hatte damals noch einen Freund, aber der Thorsten hat gekämpft, das hat er sehr geschickt gemacht.“ Seit zehn Jahren sind die beiden verheiratet und haben drei Kinder – Svenja (zehn Jahre), Gregor (sechs) und Charlotte (anderthalb). Was sie an ihrem Mann schätzt? Die Antwort beim Treffen im Frankfurter Café Laumer – die Presse in ihre Privatsphäre lassen wollte sie nicht – kommt spontan: „Er ist witzig. Er weiß sehr viel. Und ich finde es toll, dass er so zuverlässig ist.“

          Frisch und unverkrampft

          Dr. Annette Gümbel, 36 Jahre alt, hat etwas Frisches und Unverkrampftes, ist ziemlich schlank, trägt Stiefel zum braunen, unauffälligen Kostüm. Sie ist auf zurückhaltende Art attraktiv, hat ein gewinnendes Lächeln mit ebenmäßigen Zähnen und trägt außer dem Ehering keinen Schmuck. Die Fingernägel sind unlackiert, aber ehe der Fotograf ein paar Aufnahmen schießt, geht sie sich schnell schminken, schon ein bisschen Profi.

          Annette Gümbel und ihr Mann Thorsten Schäfer-Gümbel

          Auch über die Frage, wie sie damals, als sie noch nicht ahnen konnte, dass ihr Mann die Nummer eins der hessischen SPD werden würde, den Wortbruch Andrea Ypsilantis fand, denkt sie bestimmt zwanzig Sekunden nach. Um dann eine Antwort wie aus Politikermund zu geben: „Da Sie mich das damals nicht gefragt haben, möchte ich es auch heute nicht beantworten.“ Bei der Frage, wie sie eigentlich Roland Koch findet, kommt die Antwort wieder schneller: „Als Frau und als Wählerin sagt er mir nicht besonders zu.“

          Ihre spontane Reaktion am Freitag, 7. November, als sie am Telefon – sie war auf der Couch eingeschlafen – von ihrem Mann erfuhr, dass er die SPD in den Wahlkampf führen sollte, will sie nicht verraten. Besonders erfreut scheint sie nicht gewesen zu sein, schlagartig ist ihr wohl klargeworden, dass eine solche Kandidatur ihr Leben ändern würde. „Er hat gesagt, ich solle noch wach bleiben, und nach 23 Uhr haben wir dann geredet. Viel Zeit blieb ja nicht, und mit drei Kindern konnten wir auch nicht in Klausur gehen, unsere Charlotte ist morgens zwischen fünf und sechs schon wieder auf den Beinen.“

          Während des Nominierungsparteitags hat sie dann ihre beiden Großen vor den Fernseher geholt und auf N24 zugeschaut, wie ihr Mann vor den Kameras agierte. Inzwischen sagt sie: „Er hat meine volle Unterstützung.“ Und ein bisschen beeindruckt von dem Mann, der erst seit 2003 im Landtag den Wahlkreis 19 für die Bürger in Allendorf, Buseck, Grünberg, Hungen, Langgöns, Laubach, Lich, Linden, Pohlheim, Rabenau und Reiskirchen vertritt, ist sie auch: „Ich kann nicht sagen, dass ich erstaunt bin, dass er es so gut macht. Er ruft jetzt aus sich ein Potential ab, das immer da war – da bin ich schon sehr stolz drauf.“ Hat er sich verändert, seitdem er Spitzenkandidat ist? „Klar“, sagt sie lachend, „er hat eine neue Brille und sieben, acht Kilo abgenommen.“

          „Wo bleibt die Chancengleichheit?“

          Annette Gümbels Elternzeit wird im September zu Ende gehen, dann arbeitet sie wieder für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, als Referentin für gesellschaftliche Verantwortung der Dekanate Hungen, Kirchberg und Grünberg in Lich. Sie vertritt evangelische Positionen in der Öffentlichkeit, etwa im Dialog mit Politik, Gewerkschaften und Arbeitgebern, und Spaß macht das auch noch.

          Annette Gümbel ist Historikerin, promoviert wurde sie mit einer Arbeit über den Autor von „,Volk ohne Raum‘ – Hans Grimm zwischen nationalkonservativem Denken und völkischer Ideologie“. Sie hat, ehe sie für die Kirche arbeitete, Schulbücher verfasst und die Kinder großgezogen, wobei es bei der ersten Tochter der Vater war, der die „Elternzeit“ in Anspruch nahm und sich ums Baby kümmerte, er war damals Referent beim Gießener Sozialdezernenten.

          Ihre Kinder wollen sie von jeder Öffentlichkeit fernhalten, auch zu den SPD-Festen werden sie jetzt nicht mehr mitgenommen, sie wollen ihnen jeden Rummel ersparen. Morgen am Wahlsonntag werden die Kinder auch daheim in Lich bleiben, die Nachbarin passt auf. Annette Gümbel wird ihren Mann in den Landtag begleiten, sie glaubt an seinen Sieg, wegen der vielen Unentschlossenen. Und wenn „der Thorsten“ tatsächlich gewönne, welches Politikfeld würde sie ihm ans Herz legen? Da kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Bildung! Es kann doch nicht normal sein, dass ich mit unserer Großen, die nicht faul ist, vor den Arbeiten bis abends spät pauken muss. Was soll denn mit den Kindern geschehen, denen daheim niemand hilft? Wo bleibt denn da die Chancengleichheit?“

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