https://www.faz.net/-ge2-11n8t

Anke Koch im Porträt : „Dürfte ich meinen Mann auf die Insel mitnehmen?“

Musste sich mit ihrer neuen Rolle erst anfreunden: Anke Koch Bild: Helmut Fricke

Anke Koch hütet sich vor Zuspitzungen. Zur Politikerin hätte sie wohl nicht getaugt. Was nicht heißt, dass sie das Geschäft nicht verstünde. An der Seite ihres Mannes schätzt sie vor allem die Möglichkeiten, interessante Menschen kennenzulernen.

          Uneitel ist das Wort, das Anke Koch wohl am besten beschreibt. Ungeschminkt wie meistens kommt sie zum Gespräch. Keine Pose für den Fotografen. Mit offenem, zugleich skeptischem Blick harrt sie der Fragen. Anke Koch antwortet kurz und verbindlich, sie wirft dabei keine Bälle in die Luft, die der Gesprächspartner aufnehmen könnte.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Seit mehr als dreißig Jahren sind Anke und Roland Koch ein Paar. Schon als Schüler haben sie sich kennengelernt, auf der Party eines gemeinsamen Freundes kamen sie sich näher. Es folgte, was Roland Koch einst in einem Interview als einen „wochenlangen Nervenkampf mit fürsorglicher Belagerung meinerseits“ beschrieben hat. Sie sagte: „Er war wirklich sehr beharrlich.“

          Sie kennt die Fallen, die Journalisten stellen

          Anke Koch hat, praktisch Alleinerziehende, zwei Söhne aufgezogen, die nun erwachsen sind. „Meine Kinder waren keine Musterschüler“, sagt sie. Wie sie es sagt, klingt weder Koketterie durch noch gekränkter mütterlicher Ehrgeiz. Überhaupt hütet sich Frau Koch vor Zuspitzungen und auch vor Verallgemeinerungen. Zur Politikerin hätte sie nicht getaugt. Was nicht heißt, dass sie das Geschäft nicht verstünde. Vorsichtig wird sie, wenn es um Karrierefragen ihres Mannes geht. Sie kennt die Fallen, die Journalisten stellen. Angesprochen auf ein angebliches Zitat, wonach sie inständig hoffe, dass ihr Mann niemals als Kanzler nach Berlin gehe, weil dann noch weniger gemeinsame Zeit bliebe, schüttelt sie den Kopf und fixiert ihr Gegenüber mit leicht zusammengekniffenen Augen. „Das hätte ich nie gesagt.“ Im Übrigen stimme es auch nicht.

          Anke Koch mit ihrem Mann Roland auf dem Ball des Sports 2008

          Noch so ein Gerücht: In Wiesbaden war zu hören, in der Nacht nach dem Wahldebakel habe Anke Koch ihren Mann von Rücktrittsgedanken abgebracht. Sie schüttelt den Kopf. „Nein, so war es nicht“, sagt sie knapp und macht dazu eine Miene, die sagt, dass es mehr dazu eigentlich auch nicht zu sagen gebe. Sie nickt aber zu den Worten: „Also waren Sie einfach an seiner Seite und haben ihn in den schweren Stunden gestützt.“

          Anke Koch war nach dem Studium wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanistischen Seminar der Frankfurter Universität. Für die beiden Söhne hat sie den Beruf aufgegeben. Sie bereut es nicht. Sie wollte für die Kinder da sein. Doch sie akzeptiere es, wenn sich andere Frauen anders entschieden. Wie Anke Koch das sagt, klingt es ehrlich, nicht nach einem politisch gefärbten Bekenntnis, das niemand verletzen soll. Sie legt aber Wert darauf, dass die Frauen, die daheim bleiben, nicht als Dummchen am Herd verunglimpft werden.

          „Politik ist nicht das ganze Leben“, sagt Anke Koch. Ihr Mann sagt das auch gern, allerdings glaubt man es ihm nicht. Ihre Lippen umspielt jedoch ein stolzes Lächeln, wenn sie darauf hinweist, er könne morgen wieder als Anwalt arbeiten oder anderswo ein Auskommen finden. Sie weiß diese Unabhängigkeit zu schätzen.

          Auf die Frage, welches Buch sie auf die berühmte einsame Insel mitnähme, nennt sie keinen bestimmten Titel. „Ich habe fast jeden Tag einen neuen Lieblingsautor.“ Dann macht Anke Koch eine Pause. Und fragt ihrerseits: „Dürfte ich meinen Mann mit auf die Insel nehmen?“ Als die Antwort positiv ausfällt, lächelt sie und sagt: „Das freut mich, alleine wäre das sicher schrecklich.“ Ihr abwesender Gatte darf sich über das Kompliment freuen. Auf die Frage nach der Musik für die Insel antwortet sie übrigens doch noch konkret: Mozarts Requiem sollte es sein.

          Sie hat die Gabe, Dinge zu nehmen, wie sie kommen

          Die Möglichkeiten, interessante Menschen kennenzulernen, schätzt sie schon am Leben an der Seite eines Spitzenpolitikers. Allerdings bleibe oft wenig Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Und auch von einem gewissen Abnutzungseffekt weiß sie zu berichten. „Wenn man den Dalai Lama zum zehnten Mal trifft, dann nimmt man die Sache so hin, von der andere ein halbes Jahr lang zehren würden.“

          Andere Menschen müssen allerdings auch noch nach ihrer Mitte suchen. Anke Koch hat dagegen die Gabe, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Damals, im Februar 1999, kam er eines Wahlkampfabends nach Hause und berichtete ihr, dass die Stimmung zu seinen Gunsten kippte. Sie macht kein Geheimnis draus, dass sie damals von der Aussicht, bald First Lady von Hessen zu sein, nicht begeistert gewesen sei. „Aber dann habe ich meinen Frieden damit gemacht.“

          Was wäre, wenn einer der beiden Söhne ankündigte, Politiker zu werden? Würde sie abraten? Es sehe nicht danach aus, dass einer wolle, sagt Anke Koch. Dann lächelt sie kurz und sagt, nein, sie würde nicht abraten. „Es muss ja schließlich Politiker geben.“ Noch eine letzte Frage: „Hat Ihnen Frau Ypsilanti eigentlich irgendwann leidgetan?“ Frau Koch schaut kurz auf, dann sagt sie: „Nein, im Ergebnis nicht. Wer etwas so unerbittlich will, der muss mit den Konsequenzen klarkommen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Rückschlag für Paris : Neymar macht Tuchel das Leben schwer

          Paris ist schon seit einiger Zeit nicht mehr das Fußball-Paradies für den deutschen Trainer. Seine Reputation in der Öffentlichkeit und die Autorität innerhalb des Klubs sind beeinträchtigt. Und dann ist da ja noch Neymar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.