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Vor der Bundestagswahl : Der Machtkampf um den Sport

Wettlauf der Kandidaten: Sportminister? Austauschvorsitzender? Der Machtkampf um den Sport steckt vor der Wahl im Endspurt Bild: AP

Für den allgegenwärtigen Sportpolitiker Peter Danckert könnte die Wahl den Abschied aus dem Bundestags-Sportausschuss bringen - oder einen unverhofften Aufstieg. Diskutiert wird in Berlin auch der Posten eines Staatsministers für Sport. Aufwertung oder Unsinn?

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          So leicht soll es keiner mehr haben mit den Schlagzeilen. Die politischen Rivalen und die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind der ständigen Präsenz des Peter Danckert in den Medien überdrüssig. Der Strafverteidiger aus Berlin war der gegenwärtigste Vorsitzende des Sportausschusses, seit der 6. Deutsche Bundestag das Gremium mit Blick auf die Olympischen Spiele von München 1972 gründete. Sosehr Danckert sich als parlamentarische Opposition, als Ein-Mann-Institution und als ständiges Ärgernis des organisierten Sports etablierte, so sehr hat er auch dafür gesorgt, dass Resonanz und Bedeutung der Sportpolitik von der Wahl 2005 bis zur Wahl 2009 an diesem Sonntag gewachsen sind. Damit hat ausgerechnet Danckert, der Buhmann, dafür gesorgt, dass nicht mehr hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird, was er einfordert: ein Bundesministerium allein für den Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wenn ich die Chance bekäme, würde ich gerne weitermachen als Ausschussvorsitzender“, sagt Danckert. Das ist womöglich so bescheiden gemeint, wie es klingt. Denn selbstverständlich weiß der 69 Jahre alte Politiker, dass Union und Liberale sich einig darin sind, eine zweite Amtszeit von Danckert zu verhindern. Selbstverständlich ist ihm auch bekannt, dass die sportpolitische Sprecherin seiner Fraktion, Dagmar Freitag, in den Auswärtigen Ausschuss wechseln wird, wenn er dieses Amt noch einmal einnimmt. Das aber wird die SPD wohl nicht wollen, hat doch Kanzlerkandidat Steinmeier die Abgeordnete aus Iserlohn, Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, in sein Kompetenzteam berufen.

          Deshalb macht Danckert keinen Hehl aus seinem Plan, sollte ihn der Wahlkreis Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming III, Oberspreewald-Lausitz I zum vierten Mal direkt in den Bundestag wählen - was nicht ernsthaft in Frage steht - sich um die Mitgliedschaft im Haushaltsausschuss zu bemühen.

          Hatte es leicht mit den Schlagzeilen: Peter Danckert, Ein-Mann-Institution und ständiges Ärgernis des organisierten Sports
          Hatte es leicht mit den Schlagzeilen: Peter Danckert, Ein-Mann-Institution und ständiges Ärgernis des organisierten Sports : Bild: picture-alliance/ dpa

          Meinungsfreudig und bisweilen unsachlich

          Die Ära Danckert im Sportausschuss wird dann Geschichte sein. Er war es, der den Sportausschuss als ersten und einzigen des Deutschen Bundestages öffentlich tagen ließ. Mit der tagesaktuellen Reaktion auf die großen und kleinen Themen des Sports machte er das Parlament zum Zentrum der sportpolitischen Debatte. Es gab Tage, an denen Danckert von Interviews auf dem Flur in die Sitzung des Sportausschusses eilte, sich donnernd zu sportpolitischen Themen äußerte – er tat das stets, indem er die Leitung der Sitzung seinem Stellvertreter und Vorgänger Peter Rauen von der CDU übertrug und ankündigte, er spreche nun als Abgeordneter. Er habe niemals eine Pressemitteilung zum Sport veröffentlicht, antwortet Danckert, da ihm Eitelkeit und Missbrauch des Amtes vorgeworfen werden. Er habe stets nur Fragen beantwortet.

          Meinungsfreudig und bisweilen unsachlich ging Danckert jeden und alles an. Der Strafverteidiger, der Steffi und Peter Graf sowie Alexander Schalck-Golodkowski vertrat, gab seinen sportpolitischen Einstand kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, acht Wochen nachdem er den Vorsitz des Sportausschusses übernommen hatte. Da griff er die Kritik der Stiftung Warentest an den Sicherheitsmaßnahmen der deutschen Stadien auf und berief die erste einer Reihe von öffentlichen Anhörungen ein. Franz Beckenbauer verlangte daraufhin, die Stiftung möge sich auf Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsauger konzentrieren. Danckert hielt dagegen – und war schlagartig in ganz Deutschland bekannt.

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