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Unions-Wahlkampf : Das starke Ende soll noch kommen

  • -Aktualisiert am

Beliebtheit überträgt sich nicht: Angela Merkel steht in der Wählergunst weit vor ihrer Partei. 2005 war das nicht so Bild: ddp

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl wollen sich die guten Umfragewerte für Angela Merkel noch immer nicht auf CDU und CSU übertragen. Der Union fehlt das zündende Thema. Da könnte die SPD mit ihrem „Deutschlandplan“ doch einen Schritt voraus sein.

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          Fromme hatte ihn schon. Kokert wird ihn nicht bekommen. Kokert hätte ihn auch gern gehabt, weil „er“ das „wirklich hervorragend macht“. Aber der Terminkalender von „ihm“ ist nun mal zu voll. „Er“ ist Karl-Theodor zu Guttenberg, jener Mann, der zwar zur CSU gehört, dessen Hauptfunktion es derzeit aber ist, der Schwesterpartei CDU Mut und Schwung für den Wahlkampf zu geben.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Seit es Guttenberg gibt, ist die sonst so oft zu hörende Klage in der CDU „wir haben ja keinen Friedrich Merz mehr“ verstummt. Jung, gutaussehend, dynamisch, wirtschaftskompetent und noch dazu eloquent – alle Löcher mit einem einzigen Korken gestopft. Die CDU jubelt. Diese Höchstbewertung des jungen Wirtschaftsministers sagt vielleicht mehr über den Zustand der Partei Angela Merkels im Wahlkampf aus als über Guttenberg selbst.

          Guttenberg hoch zehn: Merkels Kompetenzteam

          Kaum hatte SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier sein schulklassengroßes Kompetenzteam vorgestellt, da leistete sich „die tageszeitung“ einen hübschen Scherz. Unter der Überschrift „Das Team Merkel“ veröffentlichte das Blatt ein Bild der CDU-Vorsitzenden, umringt ausschließlich von zehn Guttenbergs. Selbst wenn der Wirtschaftsminister durch seinen selbstbewussten Einsatz einer Anwaltskanzlei beim Gesetzeformulieren ein paar Schrammen abbekommen sollte, wird das an der Begeisterung der CDU für ihn so schnell nichts ändern.

          Langsam in Fahrt: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der niedersächsische CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende David McAllister am Samstag auf dem CDU-Landesparteitag in Hildesheim

          Denn nicht nur die SPD hat Not, ein großes, werbewirksames Thema für den Wahlkampf zu finden nach dem Motto: Wer das will, muss uns wählen. Auch die CDU ist noch nicht fündig geworden. Lange Zeit hieß das Großthema der Union schlicht und ergreifend Angela Merkel. Jetzt heißt es Merkel und Guttenberg. Manche in der Union äußern (noch halblaut) die Befürchtung, dass die SPD mit ihrer Konzentration darauf, Arbeitsplätze zu schaffen, schon einen kleinen Schritt weiter sein könnte.

          Zehnmal Merkel: Hauptgewinn im hohen Norden

          Doch zunächst zu Fromme. Jochen-Konrad Fromme ist ein niedersächsischer CDU-Bundestagsabgeordneter mittleren Bekanntheitsgrades. Offenbar hat er Guttenberg kräftig bearbeitet. Schließlich kam der vor zwei Wochen nach Wolfenbüttel zu Fromme. Der glückliche Gastgeber zeigte sich vor Hunderten Gästen „dankbar“, dass der Wirtschaftsminister angereist war. „Dass Wirtschaftspolitik in der Union gut aufgehoben ist, war klar. Aber es war nicht immer so erkennbar.“ Ein Schelm, wer daraus eine Kritik an der Kanzlerin ableiten wollte.

          Vincent Kokert kann sich nicht auf die Wahlkampfhilfe des CSU-Ministers freuen, weil dessen Terminkalender das nicht hergibt. Dafür hat der Generalsekretär der mecklenburg-vorpommerschen CDU ja den Hauptpreis gezogen. Zu seinem Landesverband gehört Angela Merkel, hier ist ihr Wahlkreis. Von „unserer schärfsten Waffe“ spricht Kokert, wenn er die Rolle der Kanzlerin für den Wahlkampf beschreibt. Für die CDU ist Mecklenburg-Vorpommern Merkel-Land. Allein zehn Großauftritte der Kanzlerin werden hier vom 21. August an stattfinden.

          Unaufdringlicher: Wahlwerbung im Internet

          Und wie will die CDU im Norden für sich werben, wenn die Kanzlerin gerade mal nicht da ist? „Wir werden keine Plakatschlacht machen“, sagt Kokert. Ein schwach besiedeltes Land wie Mecklenburg-Vorpommern, in dem die Wahlkreise bis zu 120 Kilometer Ausdehnung haben, lässt sich schon aus technischen wie finanziellen Gründen nicht zutapezieren. Außerdem will man die Touristen, die in diesem Sommer besonders zahlreich sind, nicht verschrecken mit zu viel Wahlkampfoptik und -akustik.

          Also machen es die Christdemokraten im Norden so wie alle anderen Parteien in allen anderen Teilen Deutschlands auch: Sie setzen dieses Mal noch mehr als bei der vorigen Bundestagswahl auf das Internet. Man habe den eigenen Leuten sehr deutlich gemacht, dass es besser sei, immer mal wieder auf ein Plakat zu verzichten und sich stattdessen um die Qualität und Aktualität des Internetauftritts zu kümmern.

          Offensive à la Obama

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