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Sportausschuss : Gienger für Danckert im Spiel?

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Mitten in der Turnübung: Eberhard Gienger könnte vom Vizepräsidenten für Leistungssport im DOSB zum Sportausschussvorsitzenden im Bundestag werden Bild: ddp

Peter Danckert (SPD) will Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag bleiben - und lautstarker Antipode des DOSB. Das wollen die Sportpolitiker der Regierungskoalition unbedingt verhindern. Danckert könnte durch den ehemaligen Turnweltmeister Eberhard Gienger ersetzt werden.

          So schnell soll der deutsche Sport seinen Kritiker nicht loswerden: Peter Danckert, in der letzten Legislatur-Periode als Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag lautstarker Antipode des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat noch nicht aufgegeben. „Vielleicht kommt es so, wie es der Sport will, aber noch sind die Ausschüsse nicht vergeben“, sagte der SPD–Politiker am Montag auf Anfrage. „Falls wir den Zuschlag kriegen, wäre ich wieder bereit.“ Zum Ende der Woche beginnen die Verhandlungen.

          Danckerts Chancen, noch einmal vier Jahre lang aus Berlin Sportpolitik zu betreiben, die dem DOSB unter Präsident Thomas Bach selten gefiel, sind allerdings gering. Nach Informationen des „Deutschlandfunks“ wollen die Sportpolitiker der neuen Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP unter allen Umständen eine Wiederholung dieser Konstellation verhindern. Demnach will die Union den Vorsitz übernehmen. Unterstützung erhält sie aus der DOSB–Zentrale.

          Der Sport könnte doppelt profitieren: Der unbequeme Danckert soll durch den früheren Turn-Weltmeister am Reck, Eberhard Gienger, ersetzt werden. Der CDU-Politiker hat bei der Bundestagswahl zum dritten Mal nacheinander seinen Wahlkreis gewonnen. Er müsste seinen Posten als Vizepräsident für Leistungssport im DOSB zwar räumen, würde aber in Berlin als Anspielstation des Sports kaum so widerborstig wie Danckert agieren. Gleichzeitig erfüllte der DOSB den dringenden Wunsch seiner Mitgliedsverbände, wie es am Montag gegenüber dieser Zeitung hieß, den ehrenamtlichen Leitungsposten für den Spitzensport neu zu besetzen.

          Defensivtaktik: Peter Danckert möchte den Vorsitz im Sportausschuss behalten

          Gienger für Danckert, das hält man im Sport für einen guten Abgang. Vor dieser noch nicht zu Ende geturnten Übung hatte sich der DOSB schon über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen gefreut: „Es ist aus der Sicht des Sports sehr zu begrüßen, da es die gesellschaftliche Bedeutung und die partnerschaftliche Förderung unserer wesentlichen Ziele festschreibt“, sagte DOSB-Chef Bach.

          DOSB sieht gute Basis

          Die Autonomie des Sports und seiner Verbände werde festgeschrieben. Es gebe eine gute Basis, um weitere Anliegen des Sports in der kommenden Legislaturperiode mit der neuen Bundesregierung zu verfolgen. Als ein Beispiel nannte Bach die Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes: „Kinderlachen beim Sport darf nicht gleichgesetzt werden mit Industrielärm.“ Auch die Erweiterung des Grundgesetzes um „Sport als Staatsziel“ steht für den DOSB auf der Agenda. Die Bundesregierung wolle mit den anderen Fraktionen im Bundestag sowie mit den Ländern Gespräche dazu aufnehmen.

          „Angesichts der Tatsache, dass sich neben der FDP besonders SPD, aber auch Linke und Grüne für eine Aufnahme des Sports ins Grundgesetz ausgesprochen haben, ist der DOSB zuversichtlich, dass diese Gespräche zu einem positiven Ergebnis führen werden.“ Bach würdigte den scheidenden Bundesinnenminister (und damit Sportminister) Wolfgang Schäuble als „verlässlichen Freund des Sports“. Der neue Innenminister Thomas de Maizière sei, so Bach, „sportbegeistert“.

          Zu den sportpolitischen Eckpunkten des Koalitionsvertrags der neuen Regierungskoalition gehören die Fortführung der Spitzensportförderung „auf hohem Niveau“, die Unterstützung für die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 sowie zusätzliche Anstrengungen in der Doping-Bekämpfung. Die Integrationsbemühungen und die Förderung des Ehrenamts durch den Sport werden ausdrücklich gewürdigt.

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