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Manuela Schwesig : Eine steile Karriere

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Kühle Blonde? Der gebürtigen Brandenburgerin wird ein ruhiges Naturell zugeschrieben Bild: AP

Sie ist mit 35 Jahren Deutschlands jüngste Ministerin und soll frischen Wind in den Wahlkampf der SPD bringen: Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig rückt ins Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Steinmeier. Ein Porträt.

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          Sie ist mit 35 Jahren Deutschlands jüngste Ministerin und soll frischen Wind in den Wahlkampf der SPD bringen: Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig rückt ins Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, um Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Stirn zu bieten.

          Als berufstätige Mutter eines zwei Jahre alten Jungen nimmt die gebürtige Brandenburgerin eine ähnliche Rolle wie Frau von der Leyen ein. Auch bei den politischen Prioritäten gibt es Übereinstimmungen: Chancengleichheit, frühkindliche Förderung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die Themen der Landesministerin. Letzteres will Schwesig nicht nur auf die Frauen bezogen wissen. „Würden Sie das auch meinen Mann fragen?“ konterte sie einmal auf die Frage, wie sie die Doppelrolle als Mutter und Ministerin meistert.

          Die Tochter eines Schlossers betont aber auch die soziale Komponente. Als Vorbild hat sie einmal die verstorbene Sozialministerin von Brandenburg, Regine Hildebrandt, genannt. „Es greift zu kurz, die Familienpolitik auf Demographiepolitik zu verengen“, sagte sie der Tageszeitung „Die Welt“ „Natürlich ist das Elterngeld wichtig. Aber wir müssen uns auch um all die Kinder kümmern, die schon da sind“.

          Anfang Oktober 2008 wurde sie als Ministerin für Soziales und Gesundheit in Schwerin vereidigt

          Ruhig und gelassen

          Bei Manuela Schwesig, in Frankfurt (Oder) geboren, hat sich ihr Leben lang auch gerne mit Geld und Zahlen beschäftigt. Sie ist Finanzwirtin, arbeitete zunächst in den Finanzämtern ihrer Heimatstadt und Schwerins. 2002 wechselte sie ins Finanzministerium von Mecklenburg-Vorpommern. In den vergangenen sechs Jahren hat eine steile Karriere hingelegt, wie es in der SPD selten ist. 2003 trat sie in die SPD ein, 2005 wurde sie Mitglied im Landesvorstand der SPD, 2007 sogar im geschäftsführenden Vorstand.

          Zugleich engagierte sie sich in der Schweriner Kommunalpolitik. Sie wurde 2007 Fraktionsvorsitzende der SPD in der Stadtvertretung. Ihre politische Bewährungsprobe hatte sie nach dem Hungertod der vier Jahre alten Lea-Sophie. Die Kommunalpolitik war aufgeregt, Frau Schwesig blieb die Ruhe selbst, was ohnehin ihr Naturell ist. Inwieweit es ihr politisches Geschick war, der CDU eine Falle zu stellen, ist für Außenstehende schwer zu beurteilen. Jedenfalls wollte die SPD-Fraktion sich zunächst daran beteiligen, den für das Jugendamt zuständigen Sozialdezernenten Hermann Junghans abzuwählen. Bei der Abstimmung jedoch fehlten dafür die Stimmen. Das war kein Versehen, denn fortan konnte sich aller Unmut auf den Oberbürgermeister entladen.

          Sie war maßgeblich an der Arbeit des Untersuchungsausschusses beteiligt, der Versäumnisse des Jugendamtes in dem Fall aufdeckte. Wegen des Vorwurfs schlechten Krisenmanagements wurde im April 2008 Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) abgewählt.

          Frau Schwesig galt zwischenzeitlich zwar als Kandidatin für die Nachfolge Claussens, rückte stattdessen aber einige Monate später in die Landespolitik auf. Ihren Posten als Ministerin für Soziales und Gesundheit bekam sie im Zuge einer kleinen Kabinettsumbildung des neugewählten Ministerpräsidenten Uwe Sellering (SPD) im Oktober 2008.

          Ob der Schweriner Regierungschef nach der Bundestagswahl auf seine Vorzeige-Ministerin wird verzichten müssen, ist ungewiss. Denn bislang ist nicht in Sicht, wie die SPD zwei Monate vor der aus ihrem Umfragetief herauskommen soll. Aber sollte Manuela Schwesig in Schwerin bleiben, wird auch dort ihre Karriere nicht so schnell beendet sein.

          Die Spekulationen um ihre Berufung in das SPD-Kompetenzteam wollte Schwesig bislang „nicht kommentieren“. Sie lobte aber Steinmeiers Interesse an der Familien- und Bildungspolitik. „Ich halte sehr viel von Frank-Walter Steinmeier. Er wäre und wird ein sehr guter Bundeskanzler sein.“

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