https://www.faz.net/-ge2-13u0v

Linksbündnisse : Versuchslabor Saarland

Die Linke im Saarland: wenn es gutgeht, wird es ein Modell für den Bund sein Bild: REUTERS

Mit dem Saarland wird wohl erstmals ein westdeutsches Bundesland von einem Linksbündnis regiert werden - wenn es gutgeht, ein Modell für Berlin. Ermöglicht hat das ausgerechnet jener Mann, der Rot-Rot im Bund bislang im Weg steht: Oskar Lafontaine. In der SPD schmiedet man schon Pläne für die Zeit nach ihm.

          4 Min.

          Nun ist also nicht Hessen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach das kleine Saarland das Laboratorium der Republik. Dort wird wohl erstmals ein Linksbündnis ein westdeutsches Bundesland regieren - und wenn es gutgeht, wird es ein Modell für den Bund sein. Das ist nicht frei von Ironie: Ermöglicht hat das jene Person, die einem solchen auf Bundesebene im Wege steht. Auch ohne Oskar Lafontaine wäre die Linkspartei mutmaßlich in den kleinen Landtag am Saarufer eingezogen, sie hätte aber unmöglich fast 22 Prozent der Stimmen erhalten. Peter Müller könnte womöglich in einem schwarz-gelben Bündnis weiterregieren. Die SPD muss in diesen Tagen mit dem Widerspruch leben, dass der Türöffner von der Saar das Hindernis an der Spree sein soll.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In der SPD-Linken wird deshalb an einem Nach-Oskar-Szenario gearbeitet. Björn Böhning, Sprecher der SPD-Linken, konstatiert einen „säkularen Trend zu einer rot-rot-grünen Mehrheit im Bund“. Der bayerische SPD-Vorsitzende Pronold entwirft Pläne für ein Linksbündnis „auf lange Sicht“, aber ohne Lafontaine.

          „Er ist einer, der der SPD schaden will“

          Ottmar Schreiner ist konkreter: „Wenn ein Linksbündnis im Saarland zustande kommt, wird das auch helfen, die Hürden im Bund dafür irgendwann zu nehmen.“ Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel wiederum formuliert recht philosophisch, die Zukunft sei offen. Und selbst der SPD-Vorsitzende Müntefering sagt mit Blick auf die Linkspartei im Bund nur noch, bis 2013 werde da „nichts gehen“, und er erwähnt die Schwierigkeit Lafontaine: „Er ist ein Spieler, und er ist einer, der der SPD schaden will.“ Dieser wird in zwei Wochen 66 Jahre alt. Wenn es nach der SPD geht, soll es aber dann mit Lafontaine politisch nicht anfangen, sondern recht bald aufhören.

          SPD-Architekten eines Linksbündnisses sind zwei jüngere Genossen, die manche Erfahrung mit Oskar Lafontaine teilen. Für beide war er einst Mentor - für Heiko Maas im Saarland und für Andrea Nahles im Bund. Der eine legt nun an der Saar vor, die andere beobachtet die dortigen Vorgänge, die ihr dereinst als Folie dienen können, aufmerksam. Beide verbindet ein doppeltes Oskar-Trauma. Das erste, die Flucht Lafontaines im Frühjahr 1999, ist bekannt und bedarf keiner weiteren Erwähnung.

          Für Maas folgte 2004 das zweite, das schlimmere Trauma, da es diesmal nicht um Lafontaines Karriere ging, sondern um seine. Als linker SPD-Spitzenkandidat machte er seinerzeit Wahlkampf gegen Peter Müller - mit wohldosierter Kritik am Agenda-Kurs Gerhard Schröders. Lafontaine unterstützte seinen früheren Staatssekretär. Mittendrin aber ging es mal wieder mit ihm durch, er schüttete Hasstiraden über Schröder aus und verhagelte so seinem Zögling die Wahl.

          Andrea Nahles' zweites Oskar-Trauma folgte einige Monate später, im Frühsommer 2005. Aus Protest gegen die Hartz-Reformen hatten Gewerkschafter und ehemalige Sozialdemokraten die WASG gegründet. Da deren Frontleute nicht mit großem Charisma gesegnet waren, umwarben sie Lafontaine, es ihnen gleichzutun, die SPD zu verlassen und zur WASG zu kommen. In dieser Zeit wurde Andrea Nahles von der SPD-Führung beauftragt, Kontakt zu Lafontaine aufzunehmen und vorzufühlen, was der Mann so vorhabe. Das verbat sich für Müntefering - von Schröder ganz zu schweigen.

          Lafontaine bleibt eine Rückkehr ins Saarland erspart

          Weitere Themen

          Minister Schmal

          Außenamtschef Heiko Maas : Minister Schmal

          Heiko Maas ist nicht unbeliebt, aber eine prägende Rolle spielt der Außenminister nicht. Zuletzt hat er vor allem mit fragwürdigen Auftritten für Aufregung gesorgt.

          „Ich habe keine Minute angeschaut“ Video-Seite öffnen

          Trump poltert über Anhörung : „Ich habe keine Minute angeschaut“

          Donald Trump hat die live übertragenen Anhörungen im Repräsentantenhaus zur Ukraine-Affäre mit scharfen Worten kritisiert. Er sprach von Hexenjagd und Schwindel und betonte, er habe sich die Anhörung nicht angeschaut.

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen am 12. November in Paris

          Anhörungen im Parlament : Tag der Wahrheit für Ursula von der Leyen

          An diesem Donnerstag entscheidet sich, ob Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin am 1. Dezember antreten kann. Wird sie zum Opfer eines Kleinkriegs zwischen den Europaabgeordneten und Macron? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Treffen in Washington : Trumps Lob und Erdogans Tadel

          Der Versuch des amerikanischen Präsidenten, die Probleme mit der Türkei wegzulächeln, misslingt. Der Gast aus Ankara zeigt in Washington kein Entgegenkommen – und führt Trump zuweilen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.