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Lafontaine verzichtet auf Direktmandat : Oskar spart sich das Tingeln

Verzichtet auf die Kandidatur im Wahlkreis Saarbrücken: Oskar Lafontaine Bild: dpa

Oskar Lafontaine will im August im Saarland Ministerpräsident Peter Müller ablösen - und wollte eigentlich auch im Wahlkreis Saarbrücken für den Bundestag kandidieren. Nun hat er seine Kandidatur zurückgezogen - und das Spekulieren über die Gründe begonnen.

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          Die Meldung verbreitete sich über die Ticker wie eine Sensation: Der Linkspartei-Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine zieht seine Kandidatur für ein Bundestags-Direktmandat im Saarland zurück - „überraschend für Freund und Feind“, wie der Internetdienst „Spiegel Online“ schrieb. Eigentlich sollte die Partei Lafontaine an diesem Freitagabend bei einer Mitgliederversammlung zum Direktkandidaten des Wahlkreises 296 in Saarbrücken küren - und damit auch seiner Beliebtheit in der Landeshauptstadt Rechnung tragen. Nun zieht sich Lafontaine zurück - aus Zeitgründen, wie es heißt. An seine Stelle dürfte der Saarbrücker Bundestagsabgeordnete und Rentenexperte Volker Schneider treten.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Doch so hoch die Wellen auch schlagen: Für die Linkspartei kommt der Schritt wohl nicht überraschend. Schon lange wurde in der saarländischen Landespartei darüber spekuliert, wie Lafontaine die Mehrfachbelastung zwischen Bundestags- und Landtagswahlkampf und dem Saarbrücker Wahlkreis bewältigen würde, in dem „der Oskar“ mehr als irgendwo sonst geschätzt wird.

          Demonstrative Gelassenheit

          Entsprechend bemüht man sich in Saarbrücken um Gelassenheit: „Das haben wir schon vor drei Wochen entschieden“, sagt Volker Schneider, der nun wohl für Lafontaine kandidiert. Ursprünglich, so Schneider, sei er für die Direktkandidatur im Wahlkreis Saarlouis eingeplant gewesen. Als Lafontaine ihn dann gefragt habe, ob er an seiner Stelle den Wahlkreis Saarbrücken übernehmen könne, habe er sofort zugesagt. Dass der Bundesfraktionsvorsitzende „aus Kapazitätsgründen“ abgesagt habe, sei mehr als verständlich. „Oskar Lafontaine macht im Wahlkampf 50 Veranstaltungen im Saarland, da kann er nicht noch durch den Wahlkreis tingeln.“

          Soll anstelle von Lafontaine kandidieren: der Saarbrücker Linken-Bundestagsabgeordnete Volker Schneider

          Auch die Bundespartei in Berlin beschwichtigt. „Oskar Lafontaine kandidiert als Spitzenkandidat für die Bundes- und Landtagswahl und hat daher ein sehr begrenztes Zeitbudget“, sagt Parteisprecher Hendrik Thalheim. Darüber hinaus im Saarbrücker Wahlkreis so Präsenz zu zeigen, wie es notwendig wäre, sei schlicht nicht mehr machbar. Und noch ein anderer Grund wird in der saarländischen Linkspartei für Lafontaines Rückzug genannt: Der Verzicht beweise den letzten Zweiflern, wie ernst Lafontaine es mit seinem Engagement im Land meine. „Es gibt viele im Saarland, die ihm seine Bewerbung um das Amt des Ministerpräsidenten nicht abnehmen und sagen“, sagt Volker Schneider. „Jetzt beweist er allen das Gegenteil.“

          SPD: „Lafontaine kneift“

          Zu hören ist aber auch, dass Lafontaine nicht abermals eine Schlappe wie im Jahr 2005 erleiden will - auch wenn das den aktuellen Umfragen nach unwahrscheinlicher als damals ist. Seinerzeit verlor er den Wahlkreis Saarbrücken gegen die SPD-Abgeordnete Elke Ferner und konnte erst über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag einziehen - Munition, die die SPD dankbar aufgreift. „Die Sache ist klar: Lafontaine kneift, weil er damals schon einmal verloren hat“, sagt SPD-Sprecher Thorsten Bischoff. „Das ist nur ein weiterer Hinweis auf die Gefechtslage im Land.“ Doch eine Hintertür hält Lafontaine sich sowieso offen: Auf der saarländischen Landesliste will er weiter antreten - damit ist der Weg Richtung Bundestag weiter frei.

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