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Im Gespräch: Renate Künast : „Eine Einladung der Union schlagen wir nicht aus“

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„Die größte Schnittmenge haben wir mit der SPD”: Renate Künast Bild: dpa

Die Grüne-Spitzenkandidatin Renate Künast kann sich durchaus vorstellen, nach der Bundestagswahl mit der Union an einem Tisch zu sitzen - für Gespräche. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht sie über die Nordostpassage, grüne Katholiken und die Liebe der Sozialdemokraten zur Kohle.

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          Die Grüne-Spitzenkandidatin Renate Künast kann sich durchaus vorstellen, nach der Bundestagswahl mit der Union an einem Tisch zu sitzen - für Gespräche. Im F.A.S.-Interview spricht sie ansonsten über die Nordostpassage, grüne Katholiken und die Liebe der Sozialdemokraten zur Kohle.

          Sagt Ihnen die Nordostpassage etwas, Frau Künast?

          Die liegt doch hoch im Norden: Sie fahren Norwegen hoch und kommen an der Beringstraße wieder heraus.

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          Genau. Durch die Klimaveränderung ist das Eis so geschmolzen, dass jetzt große Frachtschiffe dort durchfahren können. Auf dem Weg von Asien nach Europa sparen sie auf diese Weise 5000 Kilometer und viel Sprit. Hat die Klimaerwärmung nicht auch etwas Gutes?

          Das ist der Kollateralnutzen eines großen Schadens: der Klimaerwärmung. Für die Unternehmer und Reeder mag das gut sein. Aber während man im Norden neue Schifffahrtsrouten bekommt, gehen im Süden ganze Inseln unter.

          Vom Klimawandel reden längst auch andere Parteien. Sogar die Union will die Umwelttechnik zum Wirtschaftsmotor machen.

          Wenn sich die Union jetzt grüne Punkte ins Gesicht malt und sich endlich dem Umweltschutz widmet, ist mir das nur recht. Aber es reicht nicht. Sie muss auch ihre Politik danach ausrichten. Wir Grüne wollen, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 um vierzig Prozent und bis 2050 um achtzig Prozent verringert wird. Wo bleibt da die Union?

          Die überholt die Grünen auch auf anderen umweltpolitischen Feldern. Keiner kämpft so entschieden gegen die Gentechnik wie die CSU.

          Das stimmt nicht. Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer hat 2005 als Allererstes den gentechnisch veränderten Mais MON 810 als Saatgut zugelassen. Als sich dann die Bauern und die Konsumenten gegen die CSU gewendet haben, hat er seine Meinung plötzlich geändert.

          Sind Schwarze und Grüne sich trotz allem nicht inzwischen nah genug, um auch im Bund mal gemeinsam zu regieren?

          Das sehe ich nicht. Bei der Bundestagswahl wollen wir Schwarz-Gelb verhindern. Das wird gelingen. Allerdings darf die SPD das Kämpfen dafür nicht einstellen, wie es Peer Steinbrück schon getan hat, indem er sich für die Fortsetzung der großen Koalition ausspricht. Wer Steinmeier als Kanzler will, muss mit der Zweitstimme Grün wählen.

          Eine Jamaika-Koalition hat Ihre Partei schon ausgeschlossen. Jetzt sagt Spitzenkandidat Jürgen Trittin, Sondierungsgespräche darüber wollten Sie nach der Wahl aber führen. Was gilt nun?

          Es geht nicht um gemeinsame Sondierungen mit Union und FDP. Eine höfliche Einladung der Union werden wir nicht ausschlagen. Wir haben ein kompliziertes Sechsparteiensystem, das macht es für alle schwierig. Realistischerweise muss man aber sagen, dass wir mit Parteien, die Steuern für Reiche senken und den Neubau von Atomkraftwerken wissenschaftlich untersuchen lassen, nicht auf einen grünen Nenner kommen.

          Manche sagen schon, die Grünen würden zur Volkspartei. Sie werden nicht nur von alternativen Krawallmachern gewählt, sondern auch von bürgerlichen Latte-macchiato-Trinkern. Haben Sie nicht Angst, die mit Ihrem immer stärkeren Linkskurs wieder zu verlieren?

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