https://www.faz.net/-ge2-137sz

Grillen mit Lauterbach : Ein glühender Sozialdemokrat

Der Mann am Grill: Karl Lauterbach wirbt für sich und die SPD Bild: Foto Edgar Schoepal

Karl Lauterbach sitzt als Gesundheitsexperte für die SPD im Bundestag. Nun will er sich als Fachmann für gesundes Grillen profilieren. In Zeiten des Wahlkampfs propagiert er Magerfleisch.

          4 Min.

          Neulich bekam Karl Lauterbach von Wolfgang Thierse ein Buch über die Psyche des Kampfgrillers geschenkt. Es ist nicht ganz klar, ob er ihn damit ärgern oder ihm eine Freude bereiten wollte. Bei einem Kampfgriller handelt es sich um jemanden, der seinen Grill aus dem Schuppen holt, sobald der letzte Schnee getaut ist, und ihn erst wieder wegräumt, wenn der erste Schnee fällt. Karl Lauterbach ist aber kein Kampfgriller. Er ist Bundestagsabgeordneter der SPD und sagt: „Ich bin ein Gelegenheits- und Einladungsgriller.“

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Er steht vor einem Kugelgrill im Garten der Buchheimer Selbsthilfe e. V. in seinem Wahlkreis Köln-Mülheim, den er bei der letzten Bundestagswahl direkt gewonnen hat. Es ist ein Wahlkreis, in dem viele Menschen mit Geldsorgen leben und in dem Karl Lauterbach seit einigen Wochen Straßenwahlkampf macht, weil er von Plakatwahlkampf nicht viel hält. An diesem schwülen Tag hat er ein paar Parteigenossen eingeladen, den Bezirksbürgermeister zum Beispiel, am Himmel donnern Flugzeuge vorbei, und Karl Lauterbach wendet ein Stück Lachs.

          „Alles Spießer“

          Er trägt eine SPD-Schürze und seine rote Fliege. Manchmal hüllt ihn weißer Rauch ein, dass nur sein Kopf noch herausschaut. Er musste viel grillen in letzter Zeit, bei privaten Gartenfesten, in Vereinen, die Menschen laden ihn gern ein. Und er musste viel über das richtige Grillen reden, weil er, genauso wie für den Gesundheitsfonds, für die Pflegeversicherung, die Rente und die Sozialpolitik, seit diesem Sommer auch für das richtige Grillen Experte ist.

          Karl Lauterbach: Am Grill auch mal mit Schürze. Die Fliege darf aber nicht fehlen
          Karl Lauterbach: Am Grill auch mal mit Schürze. Die Fliege darf aber nicht fehlen : Bild: AP

          Es war Anfang Mai, als Karl Lauterbach seine Mitbürger zum ersten Mal öffentlich vor den Gefahren des Grillens warnte. Da hatte die Grillsaison noch gar nicht richtig begonnen. Er sprach von gesundheitsschädlichen Stoffen, die sich beim falschen Grillen ins Fleisch schlichen, von Darmkrebs und Gefäßverengungen, von Schlaganfall und erhöhtem Herzinfarktrisiko. Karl Lauterbach provoziert gern, in seiner Partei freut sich darüber nicht jeder. Auf Bundesebene befürchteten Kritiker, er könnte Griller und damit Wähler verprellen. Die „Bild“-Zeitung nannte ihn „Prof. Spaßbremse!“. Karl Lauterbach sagt: „Alles Spießer.“

          „Marinade à la Lauterbach“

          Er selbst besitzt einen günstigen Kugelgrill. Der Kugelgrill sei Grundvoraussetzung für ein gesundes Grillen. Das Modell, an dem er gerade mit zwei Zangen hantiert, ist von „Plus“ und hat zwanzig Euro gekostet. Das Grillgefühl, sagt er, stelle sich bei einem billigen Grill stärker ein. Er findet, man verbrenne sich leichter und es knistere lauter. Eigentlich sollte in der Mitte des Kugelgrills eine Schale liegen, die das tropfende Fett auffängt und auf diese Weise verhindert, dass es sich mit der Kohle verbindet und als schädlicher Rauch um das Grillgut legt. Aber der Grill ist mit Kohle gefüllt, die bis an den Rost heranreicht. So gehe es schneller, sagt Karl Lauterbach. Das erste Stück Lachs wird schwarz.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im trauten Kreis: Olaf Scholz (Mitte) umringt von Hubertus Heil (links), Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in Berlin

          Sonderparteitag : SPD tagt zum Koalitionsvertrag

          In der SPD sind nicht alle zufrieden mit dem Koalitionsvertrag. Einige wollen in letzter Sekunden verhindern, dass ein FDP-Politiker Finanzminister wird.