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Essen im Kanzleramt : Ich war auf Ackermanns Party

  • -Aktualisiert am

Sie kennen sich schon länger: Angela Merkel und Josef Ackermann im November 2006 Bild: AP

Als ich eine Einladung der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zum Abendessen mit Josef Ackermann bekam, habe ich nicht abgesagt. Doch eine solche Einladung hat ihren Preis. Ein Bekenntnis von Frank Schirrmacher.

          Es ist Zeit für ein Bekenntnis: ich war dabei. Ich habe gegessen und ich habe geredet, allerdings kaum getrunken. Ich habe, als ich eine Einladung der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zum Abendessen mit Josef Ackermann bekam, nicht abgesagt. Ich habe auch nicht danach gefragt, wer das Essen zahlt.

          Josef Ackermann habe ich vorher höchstens dreimal in meinem Leben gesprochen, und weil ich ihn mag, sah ich eine gute Gelegenheit, nicht nur ihn, sondern auch die Räume der Kanzlerin kennenzulernen. Es sollte, so erfuhr ich, an diesem Abend auch um Kultur gehen, und also ging auch ich, begierig zu hören und vielleicht auch zu reden. Der Abend war interessant, was vor allem an den anderen Gästen und der klugen Tischordnung lag. Ich glaube, kann es aber nicht beschwören, dass es Spargel gab.

          Weit entfernt saßen verstreut die journalistischen Kollegen, die ich sowieso schon kannte, Mathias Döpfner, Kai Diekmann und Stephan Sattler. Mir gegenüber saß Wolfgang Schürer, Vorsitzender der Stiftung des Lindauer Nobelpreisträgertreffens, der interessant von der Begegnung von Studenten mit Nobelpreisträgern erzählte. Rechts davon, wenn ich mich recht erinnere, sogar mir direkt gegenüber, saß Klaus-Dieter Lehmann, der Chef des Goethe-Instituts, in seiner Nähe (was ich daraus folgere, dass ich mit ihm über Genetik sprach, er also nicht sehr weit weg gewesen sein kann) Jürgen Hambrecht, der Chef der BASF. Frau Schavan blickte freundlich von links herüber, daneben die damals noch nicht arme Frau Schaeffler, die auf meine Frage an Frau Schavan, warum wir den „Dipl.Ing“ abgeschafft haben, sehr interessant über Ingenieure aus China berichtete.

          Ich habe sehr profitiert

          Der Bankier Friedrich von Metzler und der Unternehmer Arend Oetker waren ebenfalls unter den Eingeladenen. Simon Rattle, für den, glaube ich, noch ein Stuhl freigehalten worden war, musste offenbar in letzter Minute absagen. Auch ausländische Gäste waren da. Der Direktor der London School of Economics, und natürlich auch Unternehmer, viele von ihnen kannte ich leider nicht. Frau Merkel moderierte das Gespräch. Auch hier versagt mein Gedächtnis für alle Details. Wir befanden uns vor der Krise. Aber - Herr Lehmann war hier federführend - sehr viel wurde über Bildung gesprochen und über die Präsentation deutscher Kultur im Ausland. Ich habe sehr profitiert. Niemand schien betrunken. Es wurde nicht getanzt. Petra Roth erwähnte Goethe.

          Hätte ich gewusst, dass es nötig werden würde, ich hätte mir Notizen angelegt. Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich ähnliche Geburtstagsessen auch schon beim Bundespräsidenten erlebt habe, zum Beispiel bei Hans Magnus Enzensbergers siebzigstem Geburtstag, wo das Essen, wie mir schien, in jedem Fall nicht schlechter war. Ich habe nicht gesehen: Udo Walz, Sabine Christiansen oder Til Schweiger. Frank Elstner war da, aber der gehört in eine andere Kategorie.

          Auch das wird mir nichts helfen. Ich weiß es. Aber man möge in meinem Fehlverhalten auch eine Chance sehen. Wer wird sich jetzt noch von der Bundeskanzlerin einladen lassen? Und wenn er sich einladen lässt, wird er doch wenigstens bei der legendären Frau Baumann fragen: „Wer zahlt?“ Welcher der ausländischen Gäste wird nicht betreten sein, wenn er jetzt merkt, dass er ein Zechpreller gewesen ist? Als Ackermann wenig später auf Druck von Frau Merkel einen Preis nicht angenommen hatte (nach der Krise), dachte ich mir: Einladungen ins Kanzleramt haben auch ihren Preis. Ich weiß nicht, ob man bei Frau Merkel Geldkarten annimmt, aber wenn ich je wieder eingeladen werden sollte, nehme ich meine mit. Macht nichts ungeschehen.

          Anders als manche meiner journalistischen Kollegen, die sich niemals zum Essen einladen lassen und jedes Büffet verschmähen, bin ich schwach geworden. Wir sind weit gekommen, in der Beschädigung der Würde nicht nur der Politiker, sondern auch der Verfassungsorgane, aber alles hat seinen Preis. Verzeihung kann ich nicht erwarten, aber Verständnis. Mit keinem Mitschuldigen habe ich geredet. Mein Bekenntnis kommt aus freiem Willen. Ich habe bekannt, nun richtet mich.

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