https://www.faz.net/-ge2-13r26

Erleichterung bei der CDU : Alle huldigen der Kanzlerin

  • -Aktualisiert am

Termin im Kanzleramt mit dem künftigen Koaltionspartner Westerwelle Bild: dpa

Irgendwie entfesselt fühlen sich viele in der CDU - trotz des durchwachsenen Wahlergebnisses. Denn sie hoffen nun, in einer schwarz-gelben Koalition mit Westerwelles FDP könne auch Angela Merkel endlich klarer ihren eigenen Weg gehen. Die Stellung der Kanzlerin ist so stark wie noch nie.

          4 Min.

          Am Morgen nach der Wahl geht es in Präsidium und Bundesvorstand der CDU da weiter, wo die Nacht im Adenauer-Haus endete. Es wird zwar nicht mehr getanzt zu „Unchain my heart, let me go my way “ and „Simply the best“. Aber irgendwie entfesselt fühlen sich viele in den höchsten Parteigremien trotz magerem Wahlergebnis durchaus. Denn sie hoffen nun, in einer schwarz-gelben Koalition könne die CDU endlich klarer ihren eigenen Weg gehen. Die Stellung der Bundeskanzlerin an der Spitze von Land und Partei wird zu keiner Minute des Montagvormittags offen angezweifelt.

          Sie bekommt Beifall, erhält und verteilt Blumensträuße. Sie lobt und lobt, sogar die Vorsitzenden von Junger Union und Seniorenunion, Philipp Mißfelder und Otto Wulff, für prächtigen Wahlkampfeinsatz und ihren Schatzmeister Eckart von Klaeden für fleißiges Spendensammeln. Sie dankt Johanna Wanka, die als CDU-Vorsitzende Brandenburgs dort wider den Trend das Ergebnis ihrer krisengeplagten Landespartei bei der Landtagswahl am Sonntag verbesserte und so die Chance erhöhte, dass die CDU das Land weiter mitregiert. Besonderes Lob spendet Frau Merkel dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU), der nachts um halb drei endlich Gewissheit hatte, dass auch er fortan mit der FDP anstatt der SPD Schleswig-Holstein wird regieren können. Das ist ein brauchbarer Sieg für die Kanzlerin, denn dadurch wird es im Bundesrat trotz vorangegangener Wahlschlappen im Saarland und in Thüringen nun doch keine Mehrheit gegen eine schwarz-gelbe Bundesregierung geben.

          In ihrer Einführung lässt die Vorsitzende Merkel wenig Raum, das zweitschlechteste Bundestagswahlergebnis der Union schlecht zu finden. Die Verluste von 1,4 Prozentpunkten im Vergleich zu 2005 seien der großen Koalition geschuldet und „verkraftbar“ – zumal, wenn man sie mit dem fast zehn mal so tiefen Absturz der SPD vergleiche. Anders als nach dem knappen Sieg vor vier Jahren verspricht Frau Merkel umgehend eine Wahlanalyse. Bis zur nächsten Bundesvorstandssitzung am 26. Oktober solle sie vorliegen. Generalsekretär Pofalla, der den Auftrag erhält, sagt tiefgründige Ursachenforschung zu. Er verteidigt den Wahlkampfstil. Es sei richtig gewesen, nicht gegen die Linkspartei Stimmung zu machen. Es gebe ein „sehr geteiltes Wahlergebnis“ für die Union. Im Osten sei sie stärker geworden, aber in Baden-Württemberg und vor allem in Bayern abgerutscht.

          Angela Merkel auf den Spuren Adenauers

          „Die CDU muss Volkspartei bleiben“

          Dem milden Stil der Mitte stimmen die Moderaten sofort zu. Ole von Beust, der es gern hört, „Präsident von Hamburg“ genannt zu werden, sagt ausdrücklich, dass Frontenbildung nicht zum Sieg geführt hätte. Jürgen Rüttgers, der mit der FDP auch die nächste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2010 gewinnen will, nennt Zahlen: Zwar habe die Union über eine Million Wähler an die FDP verloren, aber fast eine Million von der SPD gewonnen. Später im Bundesvorstand sagt Rüttgers, dass die CDU weiter ein Auge „auf die Helmut-Schmidt-Wähler“, also die rechts abtrünnigen SPD-Anhänger werfen müsse. „Die CDU muss Volkspartei bleiben“, mahnt Rüttgers, der sein einst rotes Land so präsidial regiert wie ehedem der Sozialdemokrat Rau. Die CDU brauche die Mischung „aus wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Gerechtigkeit“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.