https://www.faz.net/-ge2-13ru8

CSU-Wahlkampf : Mit sechs Händen an allen Instrumenten

  • -Aktualisiert am

Sammeln im Bierzelt: Seehofer vor einem Auftritt beim Aubinger Herbstfest Bild:

Die CSU hat gegenüber anderen Parteien einen Vorteil und ein Problem: Sie verfügt mit Seehofer, Guttenberg und Ramsauer gleich über drei Spitzenkandidaten. Und so bestreitet man den Wahlkampf mit einer Trias, die dreierlei vereint: Populismus, Ordnungspolitik und Machtpragmatik.

          5 Min.

          Schwerstarbeit leisten im Bundestagswahlkampf die Dramaturgen der CSU. Für sie gilt es, den Anspruch ihrer Partei, die letzte Volkspartei in Europa zu sein, in Szene zu setzen. Wie den 18 Jahre alten Abiturienten, die 40 Jahre alte Krankenschwester, den 70 Jahre alten Pensionär erreichen? Wie die führenden Köpfe der Partei – den Ministerpräsidenten und Vorsitzenden Seehofer, den Bundeswirtschaftsminister Guttenberg, den Spitzenkandidaten Ramsauer – präsentieren? Die Versuchung ist groß, alle Kraft auf das Fernsehen, die Zeitungen und Zeitschriften, das Internet zu verwenden und die klassischen Wahlkampfforen nur als Beiwerk zu behandeln. Doch noch wird in der CSU an den vertrauten Formen des Wahlkampfs festgehalten, werden ihre Spitzenleute von den Mitarbeiterstäben durch das Land geschickt.

          Im Zentrum des traditionellen CSU-Wahlkampfs steht selbstverständlich der ganz große Klassiker – der Bierzeltauftritt. Seine Ingredienzien sind unumstößlich und mit einem strikten Modernisierungsverbot belegt, zumal wenn der Ministerpräsident und Parteivorsitzende spricht. Auch an einem frühherbstlichen Vormittag in Aubing, einem Stadtteil im Münchner Westen, wird das Protokoll peinlich genau eingehalten: Horst Seehofer zieht unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarschs ein, beklatscht vom Publikum, das sich schon einmal durch kräftige Schlucke aus den Maßkrügen stärken durfte. Wer bei dieser „Repraesentatio Maiestatis“ auf den Bänken in dem großen Festzelt sitzen bleibt, kann sich allenfalls damit entschuldigen, der ersten Morgenmaß zu ungestüm zugesprochen zu haben. Es folgen die Huldigungsadressen der örtlichen Parteigrößen, die gut beraten sind, den rhetorischen Glanz dem Hauptredner zu überlassen. In Aubing nimmt der Wahlkreiskandidat Hans-Peter Uhl, ein alter Fahrensmann der CSU, diese Pflicht sehr ernst.

          Seehofer auf dem Höhepunkt seiner innerparteilichen Macht

          Gerade eine Minute braucht Seehofer, als er an das Rednerpult tritt, um zu verhindern, dass der Blutdruck einiger älterer Herrschaften an den Biertischen unter einen kritischen Wert fällt. Ja, er sei zurück nach Jahren der Verbannung und Rehabilitation: so lässt Seehofer die jüngere Geschichte der CSU Revue passieren. Seine Partei halte es mit ihm wie der FC Bayern mit Franck Ribéry; wenn kein Spiel mehr gewonnen werde, dürften sie aufs Spielfeld. Ein Aufatmen geht durch die Reihen; so selbstgewiss, so selbstironisch mögen die Bayern ihre Fürsten. Seehofer lässt seine Zuhörer nicht lange warten, bis er auf die Frage kommt, wie er es denn aushalte, dass mit Guttenberg eine Supernova die CSU-Galaxie erhellt: Die Partei habe eben „das Beste, was wir haben“, nach Berlin geschickt – und er sei nach München zurückgekehrt. Und sonst sei die Schwesterpartei CDU immer darauf bedacht gewesen, dass CSU-Streiter in Wahlkämpfen hinter dem Limes geblieben seien; jetzt plakatiere die CDU Guttenberg – was solle er als CSU-Vorsitzender mehr wollen. Im Endspurt des Wahlkampfs präsentiert sich Seehofer auf dem Höhepunkt seiner innerparteilichen Macht; die CSU ist auf ihn ausgerichtet, wie sie es in den besten Zeiten von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber war.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Begriff „Milliardenhöhe“ ist mit Betrugsgeschichten bislang zumindest hierzulande selten gewesen.

          Wirecard-Skandal : Insolvenzverwalter: Konzern wurde leergeräumt

          Der Insolvenzverwalter von Wirecard erhebt schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management des Konzerns. Mit dem Teilverkauf in dieser Woche kommt aber ein wenig Geld in die Kassen, um den Skandal mit Unterstützung von Anwälten aufzuklären.
          Knickauge zählt mit: Lewandowski schießt drei Tore gegen Frankfurt und erhöht seine Saisonbilanz auf zehn.

          0:5 in München : Eintracht von der Bayern-Walze überrollt

          Die Eintracht ist in München überfordert, vor allem Lewandowski können sie nicht stoppen. Die Bayern gewinnen 5:0, verlieren aber Davies mit einer vermutlich schweren Verletzung.
          Plötzlich auf der Intensivstation: Welche Behandlung Patienten im Notfall wünschen, sollten sie in einer Patientenverfügung festhalten (Symbolbild).

          Was Corona lehrt : Triage braucht ein Gesetz

          Wen zuerst behandeln, wenn die Intensivbetten nicht ausreichen? Seit der Coronakrise ist Triage eine gesamtgesellschaftliche Frage. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat Intensivmediziner zu ihren Erfahrungen befragt.
          Protest gegen die alte Verfassung in Santiago.

          Abstimmung über Verfassung : Chile ringt um seine Zukunft

          Am Sonntag stimmen die Bürger in Chile darüber ab, ob es eine neue Verfassung gibt. Die bisherige stammt noch aus der Zeit von Diktator Augusto Pinochet – und gilt Gegnern als Wurzel aller Ungerechtigkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.